REUTLINGEN. Ede Lieb brachte im Jahr 1925 das Boxen nach Reutlingen. Zusammen mit seinem Bruder Arthur veranstaltete er die ersten Kampfabende im Lindachsaal und in der Bundeshalle. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte das Boxen beim SSV Reutlingen einen kometenhaften Aufstieg. Ein Streifzug.
- Die 1950er-Jahre
In den 1950er-Jahren stand das Boxen in der Achalmstadt in seiner Blüte. Damals war der SSV als Mannschaft selbst in Europa kaum zu schlagen. »Wir haben gegen Lazio Rom, gegen Partizan Belgrad, Honved Budapest und viele deutsche Staffeln geboxt«, blickt Karl »Kalli« Floten zurück. Dabei gab es nur eine Niederlage. Gegen Belgrad. Floten: »Und dieses Team war fast identisch mit der Nationalstaffel von Jugoslawien.« Wenn die SSVler in der Jahnhalle in den Ring stiegen, war die mit 1.000 Besuchern stets rappelvoll. Bei ganz großen Kämpfen musste die Truppe deshalb in die Listhalle umziehen – und dort wurden beim Duell mit Lazio Rom 4 000 Zuschauer gezählt. »Von der Atmosphäre her war’s aber in der Jahnhalle schöner«, erinnert sich Floten.
- Die damaligen Asse
Die Liste versierter und erfolgreicher Boxer in der Nachkriegszeit ist lang: »Kalli« Floten, Sigi Otter, Otto Tahedl, Hans-Werner Hammermann, der ebenso wie Paul Kießling vom TSV Eningen zum SSV kam, Adi Kaimonoff, Balle Brehme, Viktor Pogorzalek.
- Zwei Meister
1974 wurde Roland Tahedl deutscher Juniorenmeister. Thomas Floten triumphierte als Jugendlicher 1977 und 1978 bei den internationalen Meisterschaften von Deutschland, Frankreich und England. In diesem Jahrtausend sorgten Issa El-Sleiman, der später zu den Profis wechselte, weil er bei den deutschen Meisterschaften nicht starten durfte, und der feine Techniker Thomas Bolz für Erfolge.
- Frauenpower
Anfang der 2000er-Jahre trumpften Antje Steiss (deutsche Hochschulmeisterin) und Ilka Nagel auf. Danach setzten Corinna Pflumm und Lisa Kretschmer Akzente, ehe ein Trio für Furore sorgte. Ilknur Eryilmaz wurde 2018 Dritte bei den deutschen Meisterschaften, Katrin Häberle holte Bronze bei den »Deutschen« 2019, Aylin Özcelik absolvierte 70 Kämpfe und war zumeist erfolgreich. (kre)


