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Woran der Tübinger Medaillenmitfavorit Frederik Ruppert bei der WM scheitert

Mit der zweitschnellsten Zeit auf der Welt geht Frederik Ruppert ins WM-Finale über 3.000 Meter Hindernis – am Ende steht gerade mal ein zwölfter Platz.

Frederik Ruppert muss bei der WM in Tokio einen Rückschlag nach einer starken Saison hinnehmen.
Frederik Ruppert muss bei der WM in Tokio einen Rückschlag nach einer starken Saison hinnehmen. Foto: Weiken/dpa
Frederik Ruppert muss bei der WM in Tokio einen Rückschlag nach einer starken Saison hinnehmen.
Foto: Weiken/dpa

TOKIO. Mit weit aufgerissenem Mund und schmerzverzerrtem Gesicht rettete sich Frederik Ruppert über die Ziellinie im WM-Finale über die 3.000 Meter Hindernis. Was das Tübinger Ausdauerass in Tokio auf der Anzeigetafel sehen musste, gefiel ihm nicht. Hinter dem Namen des Medaillenmitfavoriten stand die Zahl zwölf geschrieben. Nach 8:39,83 Minuten war der Traum von einer Top-Platzierung beim Saisonhighlight für den 28-Jährigen, der den deutschen Rekord in diesem Jahr auf 8:01,49 Minuten gedrückt hatte, Geschichte. Obwohl Ruppert mit der zweitschnellsten Zeit der Welt angetreten war.

»Das Ergebnis lässt sich auf der physischen Ebene nicht wirklich erklären«, berichtete seine Trainerin Isabelle Baumann dem GEA. »Ich fürchte, es ist ihm nicht gelungen, aus der guten Situation, in die er durch seine starken Rennen in diesem Jahr gekommen ist, Kraft zu schöpfen. Es hat ihn eher erdrückt und so hat er keinen Schlüssel gefunden, in dieses Rennen zu kommen.«

»Hätte ich versucht, es noch schneller zu machen, wäre es wahrscheinlich noch schlechter ausgegangen«

»Zufrieden bin ich damit nicht«, ärgerte sich Ruppert selbst am ARD-Mikrofon. »Aber das muss man jetzt so hinnehmen.« Warum der gebürtige Aachener beim Überraschungssieg des Neuseeländers Geordie Beamish keine Chance hatte? »Dieses Jahr hat man bei mir gesehen, dass es mir doch entgegenkommt, wenn ein gewisser Zug im Rennen drin ist«, erklärte er. Im WM-Finale in der japanischen Millionenmetropole war aber genau das nicht der Fall. »Bis 2.000 Meter war es furchtbar langsam. Wenn du so lange wartest, dann holst du halt Leute ins Renngeschehen mit rein, die von den Unterdistanzen kommen«, analysierte der Läufer der LAV Stadtwerke Tübingen, der auf den letzten 800 Metern fast durch das komplette Feld durchgereicht wurde.

Bis zu diesem Zeitpunkt war Ruppert von vorne gelaufen und Nicklichkeiten im Pulk damit geschickt aus dem Weg gegangen. »Hätte ich versucht, es noch schneller zu machen, wäre es wahrscheinlich noch schlechter ausgegangen«, meinte er. »Es ist jetzt so, wie es ist. Ich muss jetzt erst mal analysieren, was ich hätte anders machen können.«

»Ich habe die beste Saison meines Lebens gemacht. Man muss auch mal irgendwie zufrieden sein«

Entzaubert fühlte sich der Ausnahmekönner trotz der herben Pleite nicht. »Ich habe die beste Saison meines Lebens gemacht. Ich bin immer noch die zweitschnellste Zeit der Welt in diesem Jahr gelaufen, habe viele Meetings gewonnen, die Diamond League gewonnen. Man muss auch mal irgendwie zufrieden sein. Ich glaube, wenn ich wieder mit der Zielstellung etwas draufzulegen in die nächste Saison gehe, dann bin ich auf dem richtigen Weg.«

Eines aber ist elementar: Ruppert muss lernen, noch besser mit dem großen Druck umzugehen und ihn in positive Energie umzumünzen. Bereits in seinem Qualifikationslauf hatte er unerwartet große Schwierigkeiten und rettete sich durch ein Fotofinish gerade so in das Hauptrennen. Dort traf er auch auf Niklas Buchholz, für den bereits die Teilnahme am Endlauf ein Erfolg war. Ganz glücklich mit seinem 15.Platz war aber auch der 27-Jährige nicht: »Das Stadion war wirklich Wahnsinn, das habe ich noch nicht erlebt, aber mein Rennen war scheiße. Deswegen gehe ich mit gemischten Gefühlen hier raus.« (GEA)