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Top-Talent ohne Nerven: Adia Budde ist ein Juwel der Tübinger Läufergruppe

Den ersten Kontakt mit Leichtathletik-Ass Adia Budde wird ihre Tübinger Trainerin Isabelle Baumann so schnell nicht wieder vergessen.

Will bei der U23-EM in Norwegen über 3.000 Meter Hindernis vorne angreifen: Adia Budde.
Will bei der U23-EM in Norwegen über 3.000 Meter Hindernis vorne angreifen: Adia Budde. Foto: Ralf Görlitz
Will bei der U23-EM in Norwegen über 3.000 Meter Hindernis vorne angreifen: Adia Budde.
Foto: Ralf Görlitz

TÜBINGEN. An den ersten Kontakt mit ihrem neusten Top-Talent erinnert sich Isabelle Baumann, Trainerin der erfolgreichen Tübinger Läufergruppe, noch ganz genau. Denn vor der Saison klingelte plötzlich das Handy. Am anderen Ende der Leitung war Adia Budde, die erklärte, dass sie ab sofort gerne unter der Bundestrainerin in der Neckarstadt trainieren möchte. Die direkte Art imponierte Baumann, die erst mal googeln musste, wen sie gerade eigentlich am Apparat hatte. Im Netz stellte sich dann heraus, dass die »hochmotivierte« Leichtathletin aus Altenholz bei Kiel nicht nur eine coole Socke ist, sondern im Nachwuchsbereich bereits eine große Nummer. Schon damals war die heute 19-Jährige mehrfache deutsche Jugendmeisterin über verschiedene Distanzen, doch sie wollte mehr.

Und ging deshalb nach Tübingen. Sich selbst beschreibt Budde als »zurückhaltend«. Aber das gilt wohl eher dann, wenn es nicht darum geht, sportlich voranzukommen. Denn sie betont: »Ich habe viel Freude daran, meine Ziele zu verfolgen.« Und letztere sind ambitioniert. »Zu den Olympischen Spielen würde ich nicht nein sagen. Gerne auch im Finale gut mitlaufen.«

»Ein wahnsinnig angenehmer Mensch«

Schon jetzt ist klar, dass der Wechsel sie auf ihrem Weg voranbringt. »Ich brauchte diesen Schritt, um selbstständiger zu werden«, erläutert die großgewachsene Athletin. Budde, die nicht nur Hindernis läuft, sondern über die verschiedensten Strecken an den Start geht, wird schneller und schneller. Vor wenigen Wochen krönte sie sich zur deutschen U23-Meisterin über 1.500 Meter und ließ der klaren Favoritin Vanessa Mikitenko keine Chance. Im Frühjahr spurtete sie mit ihren Teamkolleginnen Bentje Hoffmann und Laura Wilhelm zu Hallen-Gold über 3x800 Meter bei der deutschen Meisterschaft. Nun folgt das nächste Highlight. Seit Dienstag weilt die Sportlerin, die mit sieben Jahren über ihren Bruder zur Leichtathletik kam, in Bergen (Norwegen) und schickt sich an, bei der U23-EM auch der internationalen Konkurrenz Beine zu machen.

"Ich hoffe, dass eine Medaille drin ist, aber ich gehe erst mal locker an die Sache heran und möchte Spaß haben." Etwas Neues wäre Edelmetall nicht. Denn in den Jahren 2022 und 2023 wurde Budde in den Hindernisrennen bei der U18 und U20-EM jeweils Zweite. Zugute kommen wird ihr, "dass sie keine Angst vor einem Wettkampf hat, ganz im Gegenteil", wie Baumann verrät. Wenn sie über ihren Zugang mit den schnellen Beinen spricht, kommt die Trainerin ins Schwärmen. »Ein wahnsinnig angenehmer Mensch«, sei sie und dazu noch "extrem zielorientiert und fokussiert".

Bitteres Aus für Merkel

Als große Favoritin sollte eigentlich auch Lisa Merkel (LAV Stadtwerke Tübingen) über die 10.000 Meter bei der U23-EM in Bergen an den Start gehen. Mit ihrer Meldezeit von 31:46,53 Minuten war die Läuferin der Konkurrenz weit voraus, doch eine Verletzung zwang sie zur kurzfristigen Absage. (kil)

In Bergen tritt Budde über 3.000 Meter Hindernis an. Doch es wartet eine extra Hürde. Erstmals gilt es einen Vorlauf (Freitag, 12.10 Uhr) zu überstehen, ehe es um die Medaillen (Samstag, 19.20 Uhr) geht. Die Devise: Im ersten Rennen möglichst schonend durchkommen, um dann, wenn es zählt, ein paar Körner übrig zu haben. Ihre Bestzeit verbesserte sie in dieser Saison um sage und schreibe 16 Sekunden auf 9:32,47 Minuten und geht mit der drittschnellsten Meldeleistung in den Wettkampf.

Neben dem Sport studiert Budde Jura in Tübingen im ersten Semester (»es ist ganz gut«). Bleibt dann noch etwas Zeit übrig, weilt sie gerne im schmucken Städtchen und trifft sich mit Freunden oder backt. In den Genuss süßer Köstlichkeiten sind ihre neuen Teamkollegen allerdings noch nicht gekommen. »Aber es ist ja noch Zeit«, sagt das Nordlicht und lacht. Vielleicht ja schon als kleine Überraschung nach der EM-Medaille? (GEA)