PLIEZHAUSEN. Über 600 bestens aufgelegte Athleten aus 20 Nationen, packende Rennen, tolle Leistungen rund 1 000 begeisterte Sportfans an zwei Tagen sowie gutes Wetter: Das internationale und perfekt organisierte Läufermeeting über die krummen Strecken in Pliezhausen und zuvor die deutschen Langstreckenmeisterschaften waren ein voller Erfolg. Für Schlagzeilen sorgten dabei wie in einem guten Drehbuch all jene Athleten, die sich im Sommer bei der Europameisterschaft in Berlin etwas ausrechnen.
150 Meter der Frauen: Carolin Schäfer, die 26 Jahre alte Vize-Weltmeisterin im Siebenkampf von der LG Eintracht Frankfurt spurtete bei ihrer Premiere in Pliezhausen in 17,74 Sekunden auf Platz drei hinter den Sprintspezialistinnen Marcela Pirkova (Tschechien/17,29) und Patrycja Wycizkiewicz (Polen/17,6). »Vom Gefühl war ich nicht so zufrieden, weil mein Körper sich noch an die hohen Belastungen gewöhnen muss. Aber ich habe auch bislang doppelt so viel trainiert wie im Vorjahr, weil ich ja bei der EM groß angreifen und eine Medaille will. Deshalb teste ich mich jetzt bei Wettkämpfen in einzelnen Disziplinen«, sprudelte es aus Deutschlands bester Mehrkämpferin heraus, die für ihr großes Ziel auch mit Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler zusammenarbeit und in zwei Wochen in Götzis ihren ersten Siebenkampf bestreitet.
150 und 300 Meter der Männer: Steven Müller, der deutsche 200-m-Hallenmeister der LG ovag Friedberg Fauerbach, siegte eindrucksvoll über beide Strecken (15,46 und 33,91 Sekunden) und sein Trainer Otmar Velte sagte: »Wir sind mit dem Ergebnis hochzufrieden und das zeigt, dass Steven die EM-Norm von 20,65 Sekunden über 200 Meter knacken wird.«
1 000 Meter der Frauen: Deutschlands aktuell beste 800-Meter-Läuferin Christina Hering von der LG Stadtwerke München stieg bei ihrem vierten Start in Pliezhausen erstmals mit einer Überdistanz vor den Augen ihrer Eltern in die Saison ein und siegte nach leidenschaftlichem Kampf in guten 2:39,85 Minuten vor der Luxemburgerin Charline Mathias (2:40,09). »Ich war noch aufgeregter als sonst, weil es mein erstes Rennen in dieser wichtigen Saison war. Jetzt bin ich super happy, dass ich gewonnen habe und es eine coole Zeit geworden ist. Die EM-Norm von 2:01,50 Minuten über 800 Meter will ich unbedingt packen.«
1 000 Meter der Männer: »Ich wollte den Jungs nur zeigen, dass es nicht einfach ist, gegen mich zu gewinnen«, strahlte Sieger Timo Benitz nach seinem Erfolg in 2:21,62 Minuten vor Christoph Kessler (LG Region Karlsruhe/ 2:21,84) und Marcel Fehr (SG Schorndorf/2:22,15). Doch der 1 500-m-Spezialist klagte: »Ich hätte mir ein härteres Feld gewünscht. Das Tempo war für mich etwas zu langsam, denn ich liebe es, über mich hinaus zu wachsen. Dafür lebe ich.« Benitz weiß aber auch, dass andere Meetings Startgelder für namhafte Athleten zahlen, in Pliezhausen aber eben nicht. Zu der Ansage von Homiyu Tesfaye, sich für die EM neben den Langstrecken vielleicht auch über die 1 500 Meter zu qualifizieren, meinte Benitz: »Er soll ruhig kommen, er wird von mir herzlich empfangen, aber nicht erst auf den letzten 300 Metern, wo ich meinen Turbo anschalte.«
3 000 Meter der Männer: Die beiden erstplatzierten Richard Ringer (VfB Friedrichshafen/7:55,20 Minuten) und Amanal Petros (SV Brackwede) erlebten nach eigener Aussage »ein schönes Rennen mit einer grandiosen Stimmung«, bemängelten aber auch etwas die fehlende harte Konkurrenz. »Sonst wäre noch mehr drin gewesen«, sagte Ringer, der allein gegen die Uhr lief. Für ihn geht es in einer Woche beim Europacup in London darum, über 10 000 Meter die EM-Norm, die Petros schon in der Tasche hat, zu unterbieten. Aber beide Langstreckler liebäugeln auch mit einem EM-Start über die 5 000 Meter.
2 000 Meter Hindernis der Frauen: In einer Topzeit von 6:16,60 Minuten siegte die französische Meisterin Ophélie Claude Boxberger vor dem Disziplin-Neuling Elena Burkard (»Ich bin top zufrieden« von der LG farbtex Nordschwarzwald (6:20,82) und Antje Möldner-Schmidt. Die 33 Jahre alte Europameisterin von 2014 feierte nach drei Jahren und der Geburt ihrer Tochter Lilli Marie vor den Augen ihrer komplett aus Cottbus mit angereisten Familie ihr Comeback in 6:27,25 Minuten und sagte stolz: »Es war für mich schön, hier wieder nach Pliezhausen zu kommen, wo 2008 und 2009 für mich alles angefangen hat. Das heute war mein erster Schritt in die richtige Richtung. Mein Ziel ist die EM.« (GEA)





