TÜBINGEN. Lange Zeit sah es so aus, als könnten die Metzinger Bundesliga-Handballerinnen den Spitzenreiter ins Stolpern bringen. In der letzten Viertelstunde aber spielte Borussia Dortmund ihre Überlegenheit aus. So zog die TuS am Mittwochabend letztlich mit 32:39 (21:18) den Kürzeren. »Die Mannschaft hat eine Reaktion auf die Niederlage in Göppingen gezeigt. 45 Minuten haben wir mitgehalten. Die Torhüterleistung war heute nicht wie erhofft«, kommentierte Trainerin Miriam Hirsch den Auftritt ihres Teams.
Bis auf Sara Suba, die im Tor den Posten von Marie Weiss einnahm, schickte Hirsch die Mannschaft aufs Feld, die in Göppingen eine schwache Leistung gezeigt hatte und sich nun rehabilitieren sollte. Das gelang in einer anfangs wilden Partie, in der auf beiden Seiten die Torhüterinnen und Abwehrreihen kaum Hindernisse darstellten, vor allem in der ersten Halbzeit sehr gut. »Da hat alles funktioniert«, sagte Spielmacherin Nele Franz. Die Partie vor 1.319 Zuschauern hatte kaum begonnen, da führten die Gastgeberinnen bereits 4:0 (7.). Dortmund wirkte verschlafen und tat sich im Positionsspiel anfangs schwer. Zudem lief das Metzinger Angriffsspiel fast wunschgemäß. Nahezu jeder Wurf landete im BVB-Gehäuse.
Bitolo trifft anfangs nach Belieben
Als auf Metzinger Seite allerdings Ungenauigkeiten im Pass-Spiel einsetzten, fanden die Gäste den Platz und die Lücken, um mit schnellen Toren in die Partie zu kommen. Nach 14 Minuten war alles wieder offen (14:14), acht Zeigerumdrehungen später führte der Ex-Meister mit 14:13. Die TuS ließ sich dadurch nicht beirren, weil im Angriff vor allem Gabriela Bitolo nach Belieben traf. Auch Linksaußen Selina Lindemann und Kreisläuferin Svenja Hübner nutzten ihre Chancen entschlossen.
Als die TuS, bei der Lois van Vliet (krank) ausfiel, nach einem mustergültigen Konter über Carolin Hübner, Svenja Hübner und Torschützin Lindemann 18:15 führte (26.), hatte eine Metzinger Akteurin bereits ihre ersten Minuten im TuS-Dress hinter sich. Johanna Farkas, die in den ersten Monaten der Saison nach einer Schulter-Operation zuschauen musste, kam in der 17. Minute aufs Feld und leitete bald darauf einen Treffer von Svenja Hübner ein. Eine Minute vor der Halbzeit trug sich die ungarische Spielmacherin auch erstmals in die Torschützenliste ein (20:18), nachdem sie sich am Kreis durchgesetzt hatte. Am Ende hatte sie zwei Treffer und mehrere Torvorlagen in der Statistik stehen. Hirsch: »Das hat bei ihr nach erst zwei Wochen im Mannschaftstraining schon ganz gut ausgesehen.« Dortmund ließ in den ersten 30 Minuten nicht erkennen, wie es zuletzt im Spitzenspiel Tabellenführer HSG Blomberg-Lippe bezwingen konnte. »Der Fokus war nicht so da, wie er sein muss«, monierte BVB-Coach Henk Groener.
Metzingen lässt in der zweiten Halbzeit zu viele Chancen aus
TuS-Torjägerin Bitolo machte nach dem Seitenwechsel dort weiter, wo sie in Halbzeit eins aufgehört hatte. Nach 35 Minuten hatte die Brasilianerin bereits acht ihrer insgesamt neun Tore erzielt, bevor die Borussia sich besser auf sie einstellte. Das Dortmunder Team steigerte sich nun zusehends und zeigte, dass es auch an einem schwächeren Tag offensiv sehr effektiv sein kann, wenn man es spielen lässt. Da halfen auch ein paar Paraden der eingewechselten Marie Weiss nichts mehr. Alina Grijseels, neben Sarah Wachter und Lisa Antl eine der drei Vize-Weltmeisterinnen der Ostwestfalen, brachte die Gäste wieder in Front (26:25/40.), als die Abschlussquote der Pink Ladies spürbar nachließ und nun auch Bitolo zwei Mal an Wachter scheiterte (44.). »Da musste Metzingen viel Aufwand betreiben, um zu Toren zu kommen. Als Sarah Wachter dann fünf, sechs Mal hielt, war die Entscheidung gefallen«, analysierte Bundestrainer Markus Gaugisch, der unter den 1.319 Zuschauern in der Paul-Horn-Arena war.
Dortmund baute den Zwei-Tore-Vorsprung (31:29) in den letzten neun Minuten noch auf sieben Treffer aus, als nun auch das Rückzugsverhalten der Pink Ladies nachließ. Da halfen auch ein paar Paraden der eingewechselten Marie Weiss nichts mehr. Franz' Fazit: »In der zweiten Halbzeit hat die Borussia cleverer gespielt. Ob sie am Ende sieben Tore besser war - darüber kann man streiten.« (GEA)

