NEUHAUSEN. Es ist zum Heulen für den TVN. Wieder ist der erste Saison-Heimsieg für den Handball-Regionalligisten zum Greifen nah – und wieder patzt der Klassenneuling in der Schlussphase nach einer Drei-Tore-Führung und bringt sich eigenhändig um den verdienten Lohn. »Ich kann es nicht erklären. Das Ergebnis ist mehr als bescheiden. Dabei hätten wir den Sieg verdient gehabt und unsere Fans gerne endlich einmal belohnt«, sagt Manuel Bauer, Antreiber und Vollstrecker nach dem ernüchternden 32:32 (15:16) gegen den TSV Heiningen. Es ist bereits das vierte Heim-Remis des TV Neuhausen im neunten Spiel vor eigener Kulisse.
2,07-Meter-Mann Patrik Letzgus lässt sich verärgert und enttäuscht direkt nach Spielende nieder, trommelt mit der rechten Hand auf den Hallenboden und schüttelt, die unglaublichen Szenen nicht begreifen könnend, ungläubig den Kopf. Nur 111 Sekunden zuvor hat der Neuhäuser Hüne seinen Farben mit 32:29 in Führung gebracht, als zuvor Marc Vogel einen Siebenmeter entschärft und die Ermstäler nach einem Kampf auf Biegen und Brechen die Oberhand gewinnen. Was, bitteschön, soll denn jetzt noch schiefgehen können?
»Du musst den Deckel einfach draufmachen«
Die Heininger verkürzen durch einen weiteren Strafwurf, aber die Uhr zeigt nur noch eineinhalb Minuten an. Ballbesitz und zwei Tore Vorsprung, das muss doch reichen. Ein technischer Fehler erhöht die Dramatik, die 400 Zuschauer auf den Rängen sind aus dem Häuschen. Trainer Mike Leibssle nimmt eine Auszeit, um möglichst wieder Ordnung in seinem Team zu schaffen. Das nächste Gegentor, es ist nicht zu verhindern. Was soll’s. Noch 51 Sekunden bei Führung und eigenem Angriff. Aber was passiert? Der TVN scheitert am Heininger Torwart.
Der drittbeste Angriff der Liga sortiert sich nach eigener Auszeit – und hämmert zwei Sekunden vor der Schlusssirene den Ball noch in die Neuhäuser Maschen. Aus der Traum vom ersten Heimsieg, der einmal mehr hergeschenkt wird. Wie vor fünf Wochen, als gegen Baden-Baden eine 30:27-Führung zweieinhalb Minuten vor Feierabend nur zum Unentschieden reicht. Dem insgesamt fünften seit dem Aufstieg.
Und Mike Leibssle betont: »Wir haben sehr viel richtig gemacht. Aber du musst den Deckel einfach draufmachen.« Ein bisschen hadert der TVN-Cheftrainer freilich auch mit der Verletztenmisere. Nadim Brockhaus, Felix Stahl und Johannes Roscic, der wegen eines Schadens an der Gelenklippe der linken Schulter gar operiert werden muss, fehlen ihm als starke Alternativen.
Wird es der Mannschaft, die seit Wochen auf dem drittletzten und damit Abstiegsplatz verharrt, deshalb allmählich mulmig? »Nein«, sagt Manuel Bauer überzeugend, »dafür ist es noch zu früh«. So schnell lässt sich der TV Neuhausen nicht abschreiben. (GEA)

