DETTINGEN. Kurz vor der Trainer-Duell-Premiere ließen es sich Alexander Trost und Ferdinand Michalik nicht nehmen, am Tribünenaufgang der Neuwiesenhalle eine Viertelstunde lang zu plauschen. Und nach dem ersten Landesliga-Derby seit Bestehen der HSG Ermstal waren die ehemaligen Neuhäuser Bundesliga-Teamkollegen trotz der Konkurrenzsituation derselben Meinung: Ein Unentschieden wäre das gerechte Ergebnis gewesen. Dass die Hausherren am Ende beim 26:25 (14:14) lediglich ein Tor mehr warfen, war für den TVN »extrem bitter«, wie Fabian Hölz eingestand.
Das Rückraum-Ass hatte mit neun Treffern seine Ausbeute im elften Spiel zwar auf 111 Tore geschraubt, doch der TV Neuhausen ging zum dritten Mal in dieser Saison mit nur einem Tor Unterschied als Verlierer vom Parkett. »In den letzten zehn Minuten haben wir ein paar Fehler zu viel gemacht«, sagte Hölz nach der stimmungsreichen Partie vor rund 350 Zuschauern. Und Michalik analysierte: »Die Jungs haben bis zum Umfallen gekämpft. Kleine Dinge haben das Spiel entschieden, leider gegen uns.«
»Das Spiel kann in beide Richtungen gehen. Zum Schluss haben wir aber besser verteidigt«
In diesem spannenden Kräftemessen auf Augenhöhe gehörten die letzten drei Minuten den Torhütern. Erst parierte TVN-Keeper Lukas Wendelstein beim Stand von 25:25; im Gegenzug war Kevin Maisch zur Stelle. Anschließend brachte Lukas Bader die HSG mit einem verwandelten Siebenmeter nach vorn. Dann verhinderte Wendelstein einen höheren Rückstand und die Gäste hatten deshalb kurz vor Torschluss die Chance auf ein gerechtes Remis, das Maisch mit seiner siebten Parade in der zweiten Halbzeit jedoch reaktionsschnell vereitelte.
»Ein geiles Spiel, in dem wir zum Schluss einbrechen. Das war unser Verhängnis«, haderte der Neuhäuser Torwart. Die Mannschaft hatte auf den angeschlagenen Jörn Brodbeck verzichten müssen und verlor zudem Toni Trenkle in der 47. Minute nach seiner dritten Zeitstrafe. Der Neuhäuser war zuvor schon in der zweiten und zwölften Minute hinausgestellt worden.
Angesichts der dramatischen und glücklich endenden Schlussphase reckten die HSG-Spieler die Fäuste und feierten ihren Derby-Triumph gegen den Landesliga-Aufsteiger lautstark. Auch der Trainer resümierte erleichtert: »Das Spiel kann in beide Richtungen gehen. Wir sind heute nicht so gut in die Zweikämpfe gekommen, haben aber am Schluss besser verteidigt«, betonte Trost. »Und wir haben in den Abschlüssen ein bisschen mehr Geduld gehabt«, fügte Regisseur Maximilian Fritz treffend an, nachdem die HSG das Spiel zunächst etwas zu ungestüm begonnen hatte und mit 3:6 (11.) und 7:10 (21.) in Rückstand geraten war.
Ein Highlight brachte jedoch mit der Halbzeitsirene den Ausgleich zum 14:14. Vier Sekunden zuvor hatte Trost noch eine Auszeit genommen – und der quirlige Moritz Bader schloss den Angriff per Kempa-Trick ab. Dieser sehenswerte Treffer zeigte aber nur bis zur 20:18-Führung die erhoffte Wirkung.
Dann waren wieder die nicht verzagenden Neuhäuser an der Reihe, gingen mit 23:21 und 24:23 (durch Moritz Trenkle) nach vorn. Marco Weinschenk und Niklas Dwors drehten das Ergebnis um. Moritz Trenkle gelang noch der Ausgleich, ehe der insgesamt zehnfache Torschütze Lukas Bader seinen siebten Strafwurf-Treffer erzielte. Nur einmal war er am guten TVN-Torwart Lukas Wendelstein gescheitert, an dem es nicht gelegen hatte, dass die HSG jubeln durfte. (GEA)

