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Aktuell Handball-Landesliga

Die Rivalen von der Erms

HSG und TVN im Derby-Fieber. Eine Rarität: Trainer-Duell einstiger Bundesliga-Teamkollegen

In Dettingen aufgewachsen und jetzt HSG-Trainer: Alexander Trost.
In Dettingen aufgewachsen und jetzt HSG-Trainer: Alexander Trost. Foto: JoBaur
In Dettingen aufgewachsen und jetzt HSG-Trainer: Alexander Trost.
Foto: JoBaur

DETTINGEN/NEUHAUSEN. Mehr Derby geht kaum noch. Die Gemeindeverwaltungen der Ortschaften liegen gerade mal drei Kilometer auseinander, die Spielstätten beider Klubs nur ein paar Meter weiter. Allein die räumliche Nähe bürgt für Rivalität. Wenn der TV Neuhausen II an diesem Samstag (20.30 Uhr) in der Dettinger Neuwiesenhalle zum Kräftemessen in der Landesliga bei der HSG Ermstal antritt, steigt im Gäu das Handball-Fieber. Zum ersten Lokalderby der Saison werden gut und gern 300 Fans erwartet.

Hochinteressant und eine absolute Rarität auch, dass auf Landesliga-Ebene zwei bundesligagestählte Spieler die Trainerbänke zieren: Alexander Trost (Jahrgang 1981/203 Erstligaspiele) und Ferdinand Michalik (1987/34). Außerdem teilen die beide Urgesteine aus der ruhmreichen regionalen Handball-Szene sogar eine gemeinsame Vergangenheit. Und nun kommt es tatsächlich auf der Trainerbank zu einer Premiere.

»Ich denke, wir werden nach dem Spiel noch ein Bier miteinander trinken«

Das Duo spielte für den TV Neuhausen gleichzeitig in der Beletage (Saison 2012/13), nachdem es ein Jahr zuvor den Aufstieg errungen hatte. "Ferdl" Michalik im Rückraum und "Ali" Trost als Rechtsaußen. "Ein witziger Zufall", sagt der in Reutlingen mit seiner Familie wohnende Michalik – und fügt an: »Ich denke, wir werden nach dem Spiel noch ein Bier miteinander trinken«. Egal, wer das Match gewinnt. Der ehemalige Pfullinger Jugendspieler gilt als treue Neuhäuser Seele, hat in sieben Zweitliga-Jahren (bis 2017) für den TVN 246 Punktspiele absolviert und dabei 675 Tore geworfen.

Trost geht es wie seinem Kumpan. »Wir haben eine ganz intensive Zeit gehabt. Waren schon immer sehr eng und sind auch immer noch befreundet«, erzählt der gelernte Industriekaufmann, den der GEA zu später Stunde auf Umwegen telefonisch in Thailand erreicht. Dort verbringt der 44-Jährige mit seiner Partnerin einen »von langer Hand geplanten Urlaub«. Doch: Am Freitag wird das Paar zurücksein. Und am Samstag geht’s, von der südostasiatischen Sonne gebräunt, ab in die Halle.

Schon in den beiden zurückliegenden Spielen hat ihn Stefan »Nunu« Heine vertreten und der bereitet die Mannschaft auch im Wesentlichen auf das Derby vor. »Er ist ein starker Co-Trainer, dem ich voll vertrauen kann. Ich habe nur Videos vom kommenden Gegner geschaut und ihm meine Einschätzung dazu gegeben. Ich bin aber überzeugt, dass er meine Unterstützung nicht bräuchte«, betont Trost, in der Bundesliga aktiv für den VfL Pfullingen, TVN, Balingen-Weilstetten und Göppingen. Für die Filstäler hat er sogar zwei Europapokal-Spiele bestritten.

Und wie ordnen die Cheftrainer den anstehenden Kräftevergleich ein? Zumal Heimvorteil und Formbarometer eher für die auf Rang drei (12:6 Punkte) liegende HSG sprechen, jenem 2020 vollzogenen Zusammenschluss zwischen dem TSV Dettingen und dem TSV Bad Urach. »Ich freue mich auf das Spiel«, betont Michalik, lässt sich aber zu keiner Ergebnis-Prognose hinreißen. Der 38-jährige Biotechnologe ist jedenfalls mit dem bisherigen Saisonverlauf »wirklich zufrieden. Die Zwischenbilanz ist positiv«.

»Unsere Wiedersehen sind immer brutal schön gewesen«

Seine Mannschaft (10:10) nimmt Platz sieben ein, nachdem sie den einen oder anderen Punkt verschenkt hat. Vor allem in des Gegners Halle hat es beim Aufsteiger hie und da geruckelt, auch wegen der dünnen Personaldecke. In fünf Auswärtsspielen stehen nach drei Niederlagen immerhin zwei Unentschieden zu Buche. »Das waren alles knappe Spiele. Selbst zuhause haben wir gegen den Tabellenführer Neuhausen/Filder nur mit einem Tor verloren«, verdeutlicht Michalik.

Die HSG Ermstal bestreitet erst ihr viertes Heimspiel – zuvor gab’s zwei Siege und ein Unentschieden (gegen Neuhausen/Filder) – und ist nach ihrem 3:5-Punktestart seit sechs Spielen ungeschlagen. Ein ziemlich klarer Fall von Favoritenbürde? »Ich weiß nicht, ob man das so deutlich bezeichnen kann? Aber natürlich wollen wir unser Heimspiel gewinnen«, sagt der in Nürtingen geborene und in Dettingen aufgewachsene Trost, der in dieser Saison das Trainerkommando bei seinem Heimatverein übernommen hat.

Auch wenn er und sein ehemaliger Teamkollege Michalik sich in jüngster Zeit nicht mehr so oft getroffen haben, weiß Trost: »Unsere Wiedersehen sind immer brutal schön gewesen.« Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sie jetzt einen Abend lang die Rivalen von der Erms sind. (GEA)