Logo
Aktuell Handball-Regionalliga

Der TV Neuhausen lebt

Beim 35:35 steckt der Aufsteiger einen Sechs-Tore-Rückstand weg. Torwart Marc Vogel pariert in den neun Schlussminuten fünf Würfe

Auf der Hut: TVN-Torwart Marc Vogel. FOTO: BAUR
Auf der Hut: TVN-Torwart Marc Vogel. FOTO: BAUR
Auf der Hut: TVN-Torwart Marc Vogel. FOTO: BAUR

NEUHAUSEN. Mit einem lachendem und einem weinenden Auge quittierten Mannschaft und Fans den leidenschaftlichen Auftritt. Bedauern einerseits, weil es wieder nicht zum ersehnten ersten Saisonheimsieg in der Handball-Regionalliga gereicht hat, überschäumende Freude andererseits, und die zählte an diesem denkwürdigen Abend weit mehr, da der TV Neuhausen im Spiel gegen die TuS Steißlingen (35:35/14:16) einen Sechs-Tore-Rückstand (19:25) zur 38. Minute mit einer unglaublichen Willensstärke weggesteckt und die Kohlen noch aus dem Feuer gerissen hat. Keine Frage: Der TVN lebt.

»Ich habe die Mannschaft gleich nach dem Spiel zusammengerufen und ihr gesagt, dass wir heute einen Punkt ge-wonnen haben«, betonte Kapitän Patrick Bauer unmittelbar nach der äußerst spannenden Partie, der ersten nach dem vorzeitigen Abschied von Coach Mike Leibssle zwei Tage zuvor und dem Debüt von Interimstrainer Toni Lutter. Schließlich hatten die Neuhäuser nicht irgendeiner Laufkundschaft einen Zähler abgeknöpft, sondern einem Team, das mit der Empfehlung von zuletzt zwei Auswärtssiegen aus dem Bodenseekreis ins Ermstal angereist war.

»Da kamen brutale Emotionen hoch«

Mit fünf gehaltenen Bällen in den verbleibenden neun Schlussminuten avancierte Marc Vogel zum Mann des Abends. Der TVN-Torwart stand auch in der letzten Sekunde goldrichtig und rettete dem Aufsteiger das sechste Unentschieden. »Wir hätten auch mal einen Sieg verdient. Doch sechs Tore aufzuholen, das tut der Mannschaft gut. Über einen Punkt kann man sich auch mal freuen«, sagte Vogel. Zwölf Mal war der 31-Jährige insgesamt zur Stelle, auch bei einem Siebenmeter beim Stand von 30:31 (51.).

Kurz darauf vergaben die Hausherren gleich dreimal in Folge die Gelegenheit zum 32:32-Ausgleich. Es war zum Haare raufen. »Da kamen heute brutale Emotionen hoch und da macht man auch mal Fehler. Richtig ist aber auch, dass es unser Ziel sein muss, solche Spiele zu gewinnen«, erklärte Patrick Bauer. Den bisher einzigen Saisonsieg fuhr der TVN Ende September in Steißlingen ein.

Im vierten Anlauf schließlich egalisierte Valentin Mosdzien. Der Spielmacher traf 18 Sekunden vor Feierabend mit seinem siebten Tor auch zum 35:35. Das Ende einer prächtigen Aufholjagd, die der Kapitän mit einem schon frühzeitig ausgekugelten linken Ringfinger auf der Auswechselbank erlebte. Bruder Manuel war wegen Rückenschmerzen gar nicht einsatzbereit gewesen. Der nach langer Verletzung zurückgekehrte Nadim Brockhaus verlieh der Angriffsformation zu-sätzlich Dynamik.

»Es gilt erst mal weiter zu punkten«

»Zumindest die Einstellung hat ge-stimmt und wir sind nach dem Rückstand voll zurückgekommen. Über 60 Minuten gesehen, geht das Unentschieden in Ordnung«, sagte Toni Lutter nach seinem ersten Auftritt als Cheftrainer – und fügte an: »Für die Mannschaft geht es darum, in den Glauben zu kommen, gewinnen zu können«. Auch das Torgebälk stand einem Neuhäuser Sieg gleich sechsmal im Weg. Auf etwaige Rechenspiele im Ab-stiegskampf will er sich nicht einlassen. »Das ist zu früh. Es gilt erst mal weiter zu punkten«, sagte Lutter. Der Anfang ist gemacht. (GEA)

GEDENKMINUTE

Der TV Neuhausen nahm am Samstagabend mit einer Gedenkminute auch in der Hofbühlhalle Abschied von Ehrenmitglied Otto Staudinger, der Jahrzehnte lang insbesondere den Handballsport im Verein geprägt hatte. Staudinger war kurz vor Jahreswechsel im Alter von 87 Jahren gestorben. Er war seit 1961 TVN-Mitglied und führte die Handballabteilung von 1970 an mit Weitblick bis zur Saison 1986/87. Zwischen 1991 und 1993 stand Otto Staudinger zudem kommissarisch an der Spitze. Während seiner Amtszeit erlebte der Neuhäuser Handball eine seiner sportlich erfolgreichsten Zeiten, als der Durchmarsch von der Oberliga bis in die neugegründete eingleisige Bundesliga (Saison 1977/78) gelang. (GEA)