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Aktuell Kommentar

Zu viel und zu schnell

Der Weltmeister ist im Halbfinale der Europameisterschaft in Frankreich ausgeschieden. Das ist alles andere als ein Beinbruch. Aber ein Weltmeister muss sich an anderen Kriterien orientieren als, sagen wir einmal, Island oder Wales. Wenn man den Titel will und im Halbfinale ausscheidet, ist das enttäuschend. Ohne Wenn und Aber.

GEA-Sportchef und stellvertretender Chefredakteur Christoph Fischer.
GEA-Sportchef und stellvertretender Chefredakteur Christoph Fischer. Foto: Gerlinde Trinkhaus
GEA-Sportchef und stellvertretender Chefredakteur Christoph Fischer.
Foto: Gerlinde Trinkhaus
Mit Bundestrainer Joachim Löw ist diese deutsche Mannschaft in fünf Turnieren hintereinander ins Halbfinale vorgestoßen. Das ist überragend. Aber nur zweimal ins Endspiel gelangt. Das scheint zu wenig bei dem Standard, den der deutsche Profifußball im internationalen Bereich erreicht hat. Diese Europameisterschaft wird aus deutscher Sicht im Rückblick keinen großen Stellenwert einnehmen. Das unterscheidet sie nicht von der 2012. Diese EURO wird auch insgesamt kaum im Gedächtnis bleiben, auch Löw hat kritisch darauf hingewiesen, dass 24 Mannschaften zu viel sind. Wie auch zukünftig 40 Mannschaften für eine Weltmeisterschaft zu viel sind. Der intensivste EURO-Eindruck wird im Rückblick sein, dass sie trotz aller Terrordrohungen friedlich blieb.

Grundsätzlich ist der Profifußball dieser Tage hoffnungslos überbelastet von der gnadenlosen Terminhatz, die ein kluger Mann wie Ewald Lienen zuletzt vollkommen zutreffend als »schwachsinnig« kritisierte. Viele Protagonisten des europäischen Fußballs erreichen Turniere nicht mehr im Bestzustand, weil angeschlagen von einer viel zu hohen Intensität der Clubwettbewerbe. Konsequenzen wird das vermutlich kaum haben. Auch der deutsche Fußball muss nicht neu erfunden werden. Es wäre viel erreicht, wenn diejenigen, die Verantwortung tragen, den Versuch wagen würden, den Fußball zu entschleunigen. Aber diese Hoffnung ist so lange naiv, wie mit zu vielen Spielen zu schnell zu viel Geld verdient wird.