REUTLINGEN. »Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey«, schallte es nach dem 1:0-Sieg gegen den TSV Weilimdorf aus dem Mannschaftskreis der Young Boys Reutlingen. Spieler und Funktionäre des Verbandsligisten hüpften umher und feierten. Allerdings nicht ihren holprigen Auftritt gegen den Underdog, sondern die sich deutlich verbesserte Ausgangslage im Kampf um den Aufstieg – auch wenn noch ein langer Weg zu gehen ist. Außerdem stand fest, dass dem Team von Trainer Volker Grimminger eines nicht mehr zu nehmen ist: die Herbstmeisterschaft.
Die direkten Konkurrenten im Rennen um die vorderen Plätze patzten: Die Fußballer des TSV Berg verloren mit 1:2 gegen den FC Rottenburg, der FC Holzhausen kam nicht über ein 0:0 gegen den FC Esslingen hinaus. Und so werden die Young Boys (38 Punkte) auch nach dem nächsten Spiel und damit zur Saisonhälfte vor den Verfolgern Holzhausen (33) und Berg (30) stehen.
»Mit dem Ball und gegen den Ball hat es heute einfach nicht so geklappt«
Das Fazit zur Leistung: durchwachsen. »Mit dem Ball und gegen den Ball hat es heute einfach nicht so geklappt«, konstatierte Kapitän Hakan Aktepe nach einem der spielerisch schwächsten Auftritte der laufenden Runde. »Die erste Viertelstunde war ganz gut, danach war es vogelwild.« Grimminger gestand auf der Pressekonferenz: »Ein Remis für Weilimdorf wäre drin gewesen.« Unzufrieden zeigte sich der Reutlinger Kommandogeber aber nicht. »Ich kann den Jungs keinen Vorwurf machen. Sie haben verteidigt mit allem, was sie hatten. Dieses Spiel hätten wir letztes Jahr zu 100 Prozent nicht gewonnen. Wenn du das Match heute gewinnst, kannst du schon mal drüber reden, dass du nächstes Jahr vielleicht eine Liga höher spielen könntest.«
Die Young Boys erwischten einen guten Start. In der achten Minute verpasste Stürmer Ante Galic nach einer Flanke von Luca Lennerth das Tor per Kopf nur knapp, zwei Zeigerumdrehungen später machte er es besser. Defensiv-Anker Ivan Cabraja spielte einen genialen hohen Pass auf Thomas Diescher, der flankte, am langen Pfosten verwandelte Galic mit einem Flugkopfball zur Führung. Es ging schnell und direkt. Gerade einmal drei Stationen bis zum Erfolg brauchte es. Wieder flott kombinierte das Heimteam in Minute 22. Diesmal spielte Innenverteidiger Wagner hoch und lang auf Adil Iggoute, der durch war, die große Möglichkeit aber nicht verwertete.
»Jetzt haltet mal die Bälle, macht euch nicht in die Hose«
Ab diesem Zeitpunkt ging für die Young Boys vor 300 Fans im Medica Logistik Park nicht mehr viel zusammen. Die aus dieser Saison bekannte Dominanz war weg. Es entwickelte sich eine komplett offene Partie. Den Reutlingern fehlte im zentralen Mittelfeld ihr gesperrter Kreativkopf Christos Chatzimalousis merklich. Dazu kam, dass die Vorbereitung auf den Kontrahenten für Grimminger kompliziert gewesen war. »Ich konnte Weilimdorf nicht analysieren. Ich habe mir vier Spiele angeschaut, es war viermal etwas anderes«, erklärte der 46-Jährige.
Im zweiten Durchgang häuften sich die Fehler der Reutlinger. Weilimdorf übernahm zunehmend die Kontrolle. »Jetzt haltet mal die Bälle, macht euch nicht in die Hose«, forderte Grimminger von der Seitenlinie. Ohne Erfolg. In Minute 74 und 81 verpassten die TSV-Kicker Giuseppe Berretta und Jonathan Zinram-Kisch die besten Chancen auf den Ausgleich. Den Rest verteidigten die Young Boys um die zweikampfstarken Cabraja, Wagner und Kevin Haußmann.
»Wir waren voll im Verteidigungsmodus, wollten die drei Punkte irgendwie schützen«, erklärte Aktepe und forderte: »Jetzt machen wir einen Strich drunter und schauen nach vorne.« (GEA)

