REUTLINGEN. Man hat ihn noch vor Augen. Rudi Völler, volle Mähne, Weltmeisterpokal in den Händen. Beim Erfolg 1990 trugen er und seine Kameraden das klassische weiße Trikot mit schwarz-rot-goldenen Streifen. Ein zeitloses Design. Nun hat Ausrüster Adidas das neue Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für die anstehende WM vorgestellt. Es ist gleichzeitig das letzte vom deutschen Sportartikelhersteller vor dem Wechsel zum amerikanischen Ausrüster Nike. Wie kommt das Trikot bei den Fußballern der Reutlinger Vereine an?
Moritz Kuhn vom Oberligisten SSV Reutlingen steht auf den Retro-Look: »Der gefällt mir momentan sehr gut. Und er kommt immer mehr zurück, auch mit den Samba-Schuhen.« Ihn erinnere das Trikot sehr an das Weltmeistertrikot von 1990. »Als Langarm-Shirt gefällt es mir sogar noch besser.« Neben dem Retro-Look findet Kuhn es gelungen, dass das Design einfach gehalten wurde. Sein Lieblingstrikot ist dennoch ein anderes: »Schön war das, mit dem wir 2014 Weltmeister geworden sind.« An diesem hingen sehr viel Emotionen mit dran. »Die sind mit wichtiger als Design.« Daher gebe es für ihn sogar ein noch Schöneres: Das Trikot von 1996, als Oliver Bierhoff das Golden Goal im Finale gegen Tschechien geschossen hat.
»Es ist ein würdiger Abschluss der Partnerschaft mit Adidas«
Auch Manuel Schenk vom A-Ligisten TSV Sondelfingen findet das Trikot gelungen. »Ich finde es eines der schönsten der letzten Jahre«, sagt er. Ähnlich wie Kuhn verbinde auch er Erfolge mit den Trikots. Aber eine Ausnahme nennt er: »Das Trikot von 2018 war ganz cool, aber mit dem Ausscheiden in der Vorrunde habe ich keine guten Erinnerungen daran.« Was er am neuen Trikot zusätzlich gut findet: »Es ist ein würdiger Abschluss der Partnerschaft mit Adidas.« Den Umstieg auf die Marke Nike findet Schenk »aus Traditionsgründen schade, aber es muss ja nicht schlecht sein«. Er sei realistisch genug anzuerkennen, dass man den finanziellen Aspekt hinter der Entscheidung nicht außer Acht lassen könne.
Einen Aspekt des neuen Trikots findet Christos Chatzimalousis vom Verbandsligisten Young Boys Reutlingen besonders gut: die Deutschlandfarben. »Ich finde das Trikot sehr gut und auch den Retro-Style mit der Anspielung auf die damalige WM. Aber echt cool sind die Farben Schwarz-Rot-Gold in dem Muster.« Vor allem im Vergleich zu den Vorjahren sei das positiv: »Da war nie etwas Besonderes dabei. Die klassischen weißen Trikots fand ich nie so gut.« Umso schöner für ihn, dass das letzte Adidas-Trikots seinen Geschmack trifft. Mit Blick auf den Ausrüsterwechsel wird seine Stimmung wieder schlechter: »Es ist ein Armutszeugnis. Deutschland ohne Adidas ist gar nicht vorstellbar.« Zwar habe Nike grundsätzliche gute Sachen und er mache sich über das nächste Design keine Sorgen, aber er sagt: »Ich bin sehr traurig. Man muss sich daran gewöhnen, dass man dann ein Nike-Zeichen sieht.«
Ebenso wenig versteht Danny Läpple vom Bezirksligisten TSV Sickenhausen den Wechsel zu Nike. Er hoffe, dass die Trikots vom neuen Ausrüster genauso gut werden wie das neue von Adidas. Denn auch er ist begeistert: »Es sieht sehr gut aus, der Look gefällt mir. Hat wieder was von früher.«
»Ich werde nicht drumherum kommen, mir auch dieses Trikot zu kaufen«
Ein richtiger Trikotliebhaber ist Sven Packert vom Landesligisten VfL Pfullingen. Er hat laut eigenen Aussagen schon einige Deutschlandtrikots im Schrank - aber als Fan des FC Bayern auch viele der Münchner. Wie die anderen Befragten findet er den Retro-Style sehr gelungen, aber auch, dass es modern aussieht. Sein bisheriges Lieblingstrikot stammt aus dem Jahr 2010. Das schwarze Ausweichtrikot von der WM 2010 fand er »auch geil. Aber das hier kann es noch übertreffen«. Er sagt: »Ich werde nicht drumherum kommen, mir auch dieses Trikot zu kaufen.« (GEA)

