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Volker Joos: Mit 52 Jahren in der Reutlinger B-Liga am Ball

86 Minuten stand Trainer Volker Joos am Sonntag für den B-Ligisten TSV Riederich auf dem Platz. Und das in einem Alter, in dem praktisch jeder schon die Fußball-Rente genießt. Warum sich der 52-Jährige weiter die Kickstiefel schnürt.

Mit 52 Jahren immer noch am Ball: Riederichs Coach Volker Joos.
Mit 52 Jahren immer noch am Ball: Riederichs Coach Volker Joos. Foto: JoBaur
Mit 52 Jahren immer noch am Ball: Riederichs Coach Volker Joos.
Foto: JoBaur

RIEDERICH. Es kommt nicht allzu oft vor, dass auch noch Tage später über ein Spiel in der Kreisliga B gesprochen wird. Zugegeben: Der 2:1-Erfolg des TSV Riederich gegen die SG Reutlingen II am Sonntag war durchaus eine Überraschung (der GEA berichtete). Auch deshalb, weil der Underdog dieses Kunststück mit nur zwei Ersatzspielern vollbrachte. Was jedoch vor allem hängen blieb: Der 86-minütige Einsatz von Trainer Volker Joos. Ein Mann, der 1997 mit dem SSV Reutlingen als Stammspieler deutscher Fußball-Amateurmeister wurde und mittlerweile 52 Jahre alt ist.

Das alles hält den Metzinger offenbar nicht davon ab, weiter im Aktivenbereich seine Kickstiefel zu schnüren. »Heute geht’s wieder mit dem Muskelkater. Aber die ersten beiden Tage waren schon heftig. Das habe ich schon sehr gespürt, dass ich nach langer, langer Zeit wieder fast 90 Minuten gespielt habe. So fit ist man dann doch nicht mehr«, sagte Joos am Mittwoch dem GEA und lachte. Mit 52 Jahren weiter in der Reutlinger B4-Liga am Ball: Wie kommt man auf diese Idee? »Der Plan ist, dass ich nicht mehr spiele. Wir haben auf dem Papier auch einen großen Kader. Aber diese Saison hatten wir immer wieder einige Ausfälle. Dann war es relativ eng«, erklärt der Außendienstler und 123-fache ehemalige Regionalligaspieler der Nullfünfer.

Zwei Tore in zehn Einsätzen

Wie aber hält sich der 52-Jährige fit? »Fit ist relativ«, betont er und grinst. »Man kann viel mit Erfahrung machen. Ich habe nach wie vor Spaß am Fußballspielen. Manchmal mache ich im Training mit, wenn es mal bei einer Spielform nicht aufgeht und ganz selten absolviere ich privat auch mal einen Lauf für mich alleine.« Wenn er von seiner Mannschaft auf dem Feld gebraucht werde, dann spiele er da, wo gerade ein Mann benötigt werde. In zehn Partien war das diese Saison bereits der Fall. Bereits im September des vergangenen Jahres stand Joos, der bislang zwei Saisontore erzielt hat, die gesamten 90 Minuten auf dem Rasen.

»Ich habe dieses Jahr schon in der Innenverteidigung, auf der Sechs und am Sonntag im Sturm gespielt«, berichtet der 52-Jährige, der - wenn es die Zeit zulässt - mit der AH des SSV Reutlingen bei Turnieren mitkickt. »Auf den Außenbahnen geht es natürlich nicht mehr, da fehlt mir einfach die Schnelligkeit und Spritzigkeit. Aber im Zentrum kann man mich schon noch ein paar Minuten bringen«, sagt der Riedericher Coach. So schön und kurios diese Geschichte auch klingt, Joos geht es einzig und allein um den Erfolg seiner Mannschaft.

Traum vom Aufstieg platzt schon nach fünf Spielen

»Es wäre an der Zeit, dass wir wieder aus der B-Liga rauskommen«, betont der Trainer, der den Verein im Sommer 2023 übernommen hatte. Es ist seine zweite Amtszeit beim TSV. Dass die Riedericher vor zwei Jahren aus der Bezirksliga direkt in die Kreisliga B durchgereicht wurden, sei sehr schade gewesen. Schon in diesem Jahr wollte Joos mit seinem Team ganz oben angreifen. Nach nur einem Punkt aus den ersten fünf Spielen platzte der Traum vom Aufstieg allerdings bereits wenige Wochen nach dem Saisonstart.

Doch der Trend bei seinen Schützlingen zeigt ganz klar nach oben. In der Rückrunde holte der TSV von 21 möglichen Punkten bislang starke 19 Zähler und ist dementsprechend noch immer ungeschlagen im Jahr 2025. Das macht in der Summe den vierten Tabellenplatz. Alles führt zu der Frage: Volle Attacke dann in der kommenden Saison? »Es wird ein kleiner Umbruch stattfinden. Der eine oder andere Leistungsträger wird uns verlassen. Wir schauen, dass wir guten Ersatz bekommen. Das Ziel ist aber auf jeden Fall da«, sagt Joos.

Wie lange er selber noch aktiv mitkicken möchte? »Das kann ich nicht sagen. Solange die Füße und der Körper noch einigermaßen mitmachen. Ich sage eigentlich die letzten Jahre immer, dass ich nur noch den Trainer mache. Aber es kommt halt immer wieder die Situation, wo ich doch noch gebraucht werde«, betont der 52-Jährige. Die Fußball-Rente kann noch warten. (GEA)