VILLINGEN. Dem Sportlichen Leiter Christian Grießer fiel ein zentnerschwerer Stein vom Herzen. »Wir sind alle erleichtert«, sagte er nach dem 4:0 (3:0)-Erfolg des SSV Reutlingen beim FC 08 Villingen II. Mit diesem Sieg haben die Schützlinge von Trainer Alexander Strehmel den Verbleib in der Fußball-Oberliga Baden-Württemberg perfekt gemacht. Der SSV hat zwei Spieltage vor Saison-Feierabend 43 Punkte auf dem Konto und kann vom Fünftletzten FV Ravensburg (36) nicht mehr verdrängt werden. Seit Samstag steht fest, dass mit dem FC 08 Villingen und dem 1. Göppinger SV zwei Teams aus der Regionalliga Südwest in die Oberliga absteigen. Falls sich der Oberliga-Vize TSG Balingen in der Aufstiegsrunde gegen die Vertreter von Hessen und Rheinland-Pfalz/Saar durchsetzt, darf der Fünftletzte weiterhin in der Oberliga an den Start gehen. Wenn es die Balinger nicht schaffen, steigen fünf Mannschaften in die Verbandsliga ab.
»Wir haben die Aufgabe in Villingen von der ersten Minute an seriös angenommen«, lobte Reutlingens Keeper und Kapitän Marcel Binanzer seine Mitstreiter. »Wir hatten in diesem Spiel die absolute Kontrolle«, stellte Jonas Vogler fest. Nach der 1:2-Niederlage am Ostersamstag beim TSV Essingen habe er »befürchtet, dass es für uns noch eine eklige Saison wird«, blickt der Innenverteidiger zurück. »In den zurückliegenden Spielen haben wir aber wieder weitgehend gute Leistungen gezeigt«, urteilt Vogler. Zehn Punkte holten die Reutlinger in den vergangenen vier Begegnungen und stellten damit die Weichen auf Klassenverbleib.
»Die Mannschaft hat in den letzten Wochen den Abstiegskampf angenommen«, lautet das Fazit von Strehmel. Auch in Villingen sei die Einstellung »sehr gut« gewesen. »Man sieht, was in der Mannschaft drinsteckt«, entdeckt der Trainer großes Potenzial in seinem Kader. Ein Zurücklehnen darf und soll es aber in den beiden restlichen Begegnungen am Samstag an der Kreuzeiche gegen den 1. CfR Pforzheim und am 31. Mai beim SV Fellbach nicht geben. »Wir wollen die Runde gut zu Ende bringen«, betont Strehmel.
Der Reutlinger Kommandogeber hat in Villingen bei der Aufstellung für eine Überraschung gesorgt. Marco Gaiser bildete zusammen mit Yannick Toth die Doppel-Sechs. Zuletzt durfte im defensiven Mittelfeld neben Toth zumeist Jonah Adrovic ran. »Ich wusste, dass wir viel Ballbesitz haben werden. Deshalb habe ich Marco mit seiner Erfahrung nominiert«, erklärte Strehmel. Der 32 Jahre alte Gaiser absolvierte in Villingen bereits sein 22. Saisonspiel, stand aber erst zum zweiten Mal in der Startformation. Und zum ersten Mal trug er sich in die Torschützenliste ein. »Ich war ein paar Mal nahe dran an einem Torerfolg, jetzt hat es geklappt«, strahlte Gaiser über beide Wangen. Das 2:0 markierte er nach einer Ecke von Jonas Meiser per Kopfball. »Ich bin eigentlich relativ kopfballschwach«, meinte Gaiser. Und grinste noch ein bisschen mehr.
Vor allem in der ersten Halbzeit imponierte der SSV mit einer starken Leistung, hatte extrem viel Ballbesitz, ließ die Kugel gekonnt durch die Reihen laufen und arbeitete nach Ballverlust resolut und mit großer Laufbereitschaft nach hinten. Das Führungstor erzielte Meiser nach zehn Minuten nach einem Solo mit einem Schuss aus 16 Metern. Gaiser erhöhte in der 19. Minute auf 2:0. Nach einem Alleingang von Luca Plattenhardt jagte Konstantinos Markopoulos den Ball nach 29 Minuten aus 16 Metern zum 3:0 in die Maschen. Markopoulos erzielte in der 60. Minute auch das 4:0. Als Vorarbeiter betätigten sich Vogler und Riccardo Gorgoglione.
»Jetzt können wir die Personalplanung für die nächste Saison mit Hochdruck forcieren«, erklärt Grießer. In den nächsten Tagen dürfte der Verein einige Vertragsunterschriften veröffentlichen. Wie der GEA in Erfahrung brachte, haben Binanzer, Toth, Meiser und Vogler für eine weitere Spielzeit zugesagt. (GEA)

