»Ich bin bereit für den Showdown gegen Frankreich«Reinhard Grindel, der neue Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), äußerte sich beim Abschlusstraining politisch zurückhaltend: »Der Bundestrainer wird die richtige Entscheidung treffen.« Wenn es die Dreierkette wird, werden Benedikt Höwedes, Jerome Boateng und Shkodran Mustafi sie bilden. Davor Schweinsteiger neben Toni Kroos. An den Außenspielern Joshua Kimmich und Jonas Hector wird der Bundestrainer auf jeden Fall festhalten.
Offensiv werden vermutlich Thomas Müller, Mesut Özil und Julian Draxler auflaufen. Mario Götze bliebe auf der Bank. Oder Draxler bleibt zunächst draußen und Götze rückt zurück in die Anfangsformation. Für Mario Gomez ist die Europameisterschaft bekanntlich beendet, auch Sami Khedira fehlt verletzt. Mats Hummels ist gesperrt. Der Einsatz von Schweinsteiger war ebenfalls lange offen. Offensichtlich war der Eindruck des Abschlusstrainings in Evian aber positiv. Schweinsteiger absolvierte das gesamte Programm. Der Trainerstab entschied sich nach Beratungen am Nachmittag für den 31-Jährigen in der Startelf. Hohe Verantwortung für den Weltmeister bei seinem wohl letzten Turnier.
Löw hatte immer wieder darauf hingewiesen, dass »nur 100 Prozent einsatzfähige Spieler spielen. Den Fehler habe ich nur einmal gemacht, auf Spieler zurückzugreifen, die nicht zu 100 Prozent belastbar sind«. Er hat ebenso nachdrücklich wie mehrfach die Durchschlagskraft der Franzosen in der Offensive beschrieben. Das spricht für die Intensiv-Sicherung des Zentrums gegen Antoine Griezmann und Olivier Giroud.
Wenn sich Joachim Löw aber für eine Viererkette entscheidet, ändert das die Statik des Weltmeisters. Mustafi würde nicht spielen, die Innenverteidigung bilden Höwedes und Boateng, die Außen Kimmich und Hector. Davor die Doppel-Sechs mit Kroos und Schweinsteiger. Die Offensive würden Müller, Özil und Draxler bilden, zentral davor Götze. Die zweite Variante verspricht mehr Offensive, ist angesichts der Spielanlage des Teams von Didier Deschamps aber mutig.
Italien war der deutsche Angstgegner bis zum dramatischen Sieg im Elfmeterschießen von Bordeaux, die Deutschen sind der Angstgegner der Franzosen. Bei einem Turnier haben Les Bleus noch nie gegen sie gewonnen. Das Halbfinale der WM 1982 gewann die deutsche Mannschaft nach 3:3 nach Verlängerung mit 8:7 im Elfmeterschießen. Nationaltorwart Toni Schumacher verletzte Patrick Battiston schwer und entschuldigte sich erst Jahrzehnte später. Unvergessen.
1986 bei der WM in Mexiko gewannen die Deutschen durch ein Tor von Rudi Völler in den Schlusssekunden mit 2:0, bei der WM 2014 in Brasilien durch ein Kopfballtor von Mats Hummels bereits in der 13. Minute mit 1:0 im Viertelfinale. »Das sind die Spiele, die die Zuschauer sehen wollen. Es gibt nichts Besseres als solche Spiele«, sagt Thomas Müller. »Unser Weg in Frankreich ist noch nicht beendet, ich habe Vertrauen in alle meine Spieler«, sagt der Bundestrainer demonstrativ. Löw trug noch bei keinem Turnier zuvor derart demonstrative Gelassenheit zur Schau wie bei dieser Europameisterschaft. Was nichts daran ändert: Das Halbfinale gegen Frankreich ist offen wie es das Viertelfinale gegen Italien war. Auch mit Bastian Schweinsteiger. (GEA)

