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Reutlinger Wirbelwind auf allen Ebenen: Ex-SSV-Fußballer stirbt 84-jährig

Manfred Kammal mit 84 Jahren gestorben. Führungsspieler beim SSV Reutlingen. Viele Trainerstationen

Manfred Kammal (links) in einer Regionalliga-Begegnung des SSV Reutlingen Anfang der 1970er-Jahre. Kammal absolvierte für den Kr
Manfred Kammal (links) in einer Regionalliga-Begegnung des SSV Reutlingen Anfang der 1970er-Jahre. Kammal absolvierte für den Kreuzeiche-Club 216 Spiele in der damals zweithöchsten Spielklasse. FOTO: GEA-ARCHIV
Manfred Kammal (links) in einer Regionalliga-Begegnung des SSV Reutlingen Anfang der 1970er-Jahre. Kammal absolvierte für den Kreuzeiche-Club 216 Spiele in der damals zweithöchsten Spielklasse. FOTO: GEA-ARCHIV

REUTLINGEN. Manfred Kammal war ein torgefährlicher Flügelstürmer des SSV Reutlingen, danach als Spielertrainer und Trainer bei zahlreichen Fußball-Vereinen in der Region tätig. Manfred Kammal war ein Wirbelwind auf allen Ebenen. Nun ist Manfred Kammal gestorben. Im Alter von 84 Jahren. Die Trauerfeier findet am Freitag, 9. Januar (14 Uhr), auf dem Friedhof Unter den Linden statt.

Kammal war nicht nur ein exzellenter Fußballer und Trainer, sondern auch ein hervorragender Kommunikator und Organisator. Er pflegte den Kontakt zu seinen ehemaligen Mitstreitern beim SSV. Im Jahr 2011 war’s, als Kammal zusammen mit dem mittlerweile ebenfalls verstorbenen Heinz Schimmel ein großes Treffen der Ehemaligen organisierte. Damals verbrachten Kammal und Schimmel viele Stunden im GEA-Archiv, stellten Bilder und Artikel für das Treffen zusammen.

Manfred Kammal im Jahr 1991 als Trainer des TSV Gomaringen.  FOTO: MEYER
Manfred Kammal im Jahr 1991 als Trainer des TSV Gomaringen. FOTO: MEYER
Manfred Kammal im Jahr 1991 als Trainer des TSV Gomaringen. FOTO: MEYER

Von 1961, als er vom VfL Kirchheim/Teck zum Kreuzeiche-Club kam, bis 1971 streifte sich Kammal das Trikot des SSV Reutlingen über. In den ersten beiden Jahren absolvierte er 30 Begegnungen (vier Tore) in der Oberliga, der damals höchsten deutschen Spielklasse. Nachdem Kammal sein Können zunächst bei den SSV-Amateuren zeigen durfte, feierte er am 15. April 1962 im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart sein Debüt in der Oberliga. »Da Hans-Georg Dulz ausfiel, kam ich zu meinem ersten Einsatz in der ersten Mannschaft«, erzählte er einst dem früheren SSV-Statistiker Rainer Klein.

Erstes Oberliga-Tor gegen Bayern

Sein erstes Tor in der Oberliga Süd erzielte Kammal am 25. August 1962 beim 4:4-Unentschieden gegen den FC Bayern München. 1962 war Kammal auch bei der legendären fünfwöchigen New-York-Reise dabei. Nach der Einführung der Bundesliga im Jahr 1963 war der SSV in der Regionalliga Süd, der zweithöchsten Klasse, angesiedelt. In acht Regionalliga-Jahren stand Kammal 216 Mal für den SSV auf dem Platz und trug sich 50 Mal in die Torschützenliste ein. In der Regionalliga erzielte nur Herbert Ammer (58) mehr Treffer für die Nullfünfer.

Kammal war Stamm- und Führungsspieler bei der Aufstiegsrunde 1965, als in Reutlingen und in der Region das Fußballfieber grassierte. Der SSV schrammte haarscharf am Aufstieg in die Bundesliga vorbei. »Wir hatten damals 15 Vertragsspieler«, erzählte Kammal vor zehn Jahren in einem Gespräch mit dem GEA. »Das hat normalerweise für eine Saison gereicht, weil man damals nicht auswechseln durfte.« In der Aufstiegsrunde brach dem SSV allerdings die dünne Personaldecke das Genick. Bereits beim 1:1 vor 19.000 Zuschauern im Kreuzeiche-Stadion gegen Borussia Mönchengladbach fehlten Horst Sattler und Rudi Kröner. Dann verletzten sich gegen Gladbach Kammal, Rudolf Schießl und Gerhard Jost. Ohne diese Leistungsträger kamen die Reutlinger in Mönchengladbach mit 0:7 unter die Räder. »Ich glaube sicher, dass wir bei weniger Verletzungspech den Aufstieg in die Bundesliga geschafft hätten«, wurde SSV-Trainer Georg Wurzer damals im GEA zitiert.

1971, mit 30 Jahren, schlug Kammal sein erstes Kapitel als Trainer auf. Zunächst als Spielertrainer. In der Saison 1973/74 führte er die TuS Metzingen in die dritthöchste Spielklasse, die 1. Amateurliga Südwürttemberg, die sich im Volksmund als Schwarzwald-Bodensee-Liga etablierte. Im Sommer 1974 wechselte Kammal zum FV 09 Nürtingen, kehrte aber bereits im Oktober zur TuS zurück. 1976 übernahm er den in der Schwarzwald-Bodensee-Liga beheimateten TSV Eningen. Danach war Kammal beim SV Nehren, FC Reutlingen, VfL Pfullingen und noch einmal beim SV Nehren tätig.

Interessierter Zuschauer

Nach diesen zumeist höherklassigen Stationen coachte Kammal zahlreiche Clubs in der Bezirksliga und Kreisliga A. »Die könnte ich gar nicht mehr alle aufzählen«, sagte er einmal. Der beruflich als Lehrer tätige Kammal war auch als Zuschauer und Fan auf zahlreichen Ebenen unterwegs. Man traf ihn häufig bei Tennisspielen und -Turnieren in Reutlingen und Metzingen sowie bei Begegnungen der Metzinger Handballerinnen. Viele Jahre hatte er eine Dauerkarte bei den TuS-Frauen. (GEA)