Das Ronaldo-Drama begann in der 8. Minute. Da verletzte sich der Superstar der Portugiesen bei einem Zweikampf mit Dimitri Payet am linken Knie. Er spielte weiter, aber es ging nicht wirklich. In der 17. Minute sah man Ronaldo plötzlich auf dem Rasen sitzen, weinend. Zu groß waren die Schmerzen, körperlich wie seelisch. Aber noch gab er nicht auf. In der 20. Minute kam die portugiesische Nummer 7 mit einer Kniebandage aufs Feld zurück.
Fünf Minuten später war endgültig Schluss. Cristiano Ronaldo warf erst voller Frust seine Kapitänsbinde weg, dann gab er sie, erneut unter Tränen, an Nani weiter. Auf einer Trage wurde er schließlich vom Platz gebracht.
Die Champions League hat Ronaldo gewonnen, Weltfußballer war er, unzählige Rekorde hat er als Torjäger aufgestellt und unglaublich viel Geld verdient. Aber dieser eine große Traum vom Titelgewinn mit der Nationalmannschaft sollte noch erfüllt werden. Es klappte ohne ihn.
Die Düsternis der vergangenen Jahrzehnte hat sich also vertreiben lassen. Seit 1975 warteten die Portugiesen auf einen Sieg gegen Frankreich. Jetzt klappte es.
In der ersten Halbzeit hatten die Franzosen das Spiel bestimmt, wie erwartet. In der 10. Minute scheiterte Torjäger Antoine Griezmann mit einem Kopfball an Torwart Rui Patricio. Der war auch in der 34. Minute bei einem Schuss von Moussa Sissoko zur Stelle.
Die Portugiesen steckten den Ronaldo-Schock schnell weg, behielten ihre gute defensive Struktur und warteten geduldig, ob sich irgendwie eine Chance ergeben würde. Ihr Motto lautete »Jetzt erst recht«. Doch in der Offensive fehlte der Topmann, da ging fast nichts.
Der Favorit Frankreich tat sich schwer. In der 66. Minute ergab sich aber aus dem Nichts die Riesenchance zum 1:0. Ein Kopfball von Griezmann, drüber. Ganz knapp. Der eingewechselte Kingsley Coman hatte geflankt. Der Bayern-Stürmer brachte Schwung. In der 75. Minute scheiterte Olivier Giroud am ganz starken Rui Patricio.
Plötzlich ein offensives Lebenszeichen von Portugal. Gegen Nani wurde Torwart Hugo Lloris zum Retter (80.). Dann waren wieder die Franzosen dran, einen Distanzkracher von Sissoko entschärfte Rui Patricio (84.). Der Pfosten half dem geschlagenen Keeper, als der für Giroud eingewechselte André-Pierre Gignac nach einer famosen Drehung schoss. Es war die zweite Minute der Nachspielzeit. Es wäre der französische Siegtreffer gewesen. Aber so: Verlängerung.
Cristiano Ronaldo war jetzt wieder zu sehen. Er sprach den Teamkollegen Mut zu. In der 104. Minute rettete Lloris bei einem Kopfball von Eder. Dann traf der Neu-Dortmunder Raphael Guerreiro mit seinem Freistoß die Latte (108.). Es folgte Eders Schuss ins Glück (109.).
Fernando Santos, der Coach der Portugiesen hat seit seinem Amtsantritt noch kein Pflichtspiel verloren - er ist der Held. Die Kritik am Spielstil der Portugiesen und damit auch an seiner Taktik: völlig egal. »Sie sollen ruhig weiter sagen, dass wir hässlich spielen und unverdient gewonnen haben. Wenn sie das wieder sagen, gehe ich sehr glücklich nach Hause«, sagte der Coach vor dem Finale.
Und wie er glücklich war. Nicht nur er.


