PFULLINGEN. 5:1 (2:0) gewonnen, aber noch viel Luft nach oben. Der Oberligist SSV Reutlingen hat sich in der ersten Pokalrunde des Württembergischen Fußballverbands (WFV) nicht mit Ruhm bekleckert, aber letztlich die Hürde beim drei Klassen tiefer in der Bezirksliga angesiedelten VfL Pfullingen II erwartungs- und pflichtgemäß übersprungen.
Vor der imposanten Kulisse von 700 Zuschauern auf dem Rasenplatz am Schönberg verdiente sich der krasse Außenseiter ein Riesenkompliment. Die zweite Garde des VfL, die sich als Bezirkspokalsieger für den WFV-Cup-Wettbewerb qualifizierte, imponierte mit einer couragierten und disziplinierten Leistung. Diese Mannschaft, die vergangene Runde im Bezirks-Oberhaus auf Platz fünf landete, dürfte in der bevorstehenden Runde zum Favoritenkreis in der Bezirksliga zählen.
»Die Jungs haben es unheimlich diszipliniert gemeistert«, zollte Pfullingens Trainer Benjamin Hübner seinen Schützlingen ein dickes Kompliment. »Schade, dass wir hinten raus noch zwei Gegentore kassiert haben.«
Reutlingens Coach Alexander Strehmel ärgerte sich über das Gegentor - und vor allem über einen Verletzten. Jonah Adrovic musste kurz nach dem Seitenwechsel wegen einer Adduktorenverletzung das Feld verlassen. Der defensive Mittelfeldspieler dürfte im ersten Punktspiel am Freitag, 1. August, beim Regionalliga-Absteiger FC 08 Villingen fehlen.
Die Pfullinger spielten von Beginn an mutig, suchten immer wieder spielerische Lösungen. Und verbuchten den ersten Eckstoß in der Partie. Mit zunehmender Spielzeit wurde der SSV, wenig überraschend, immer überlegener. Die Vierer-Abwehr- und Mittelfeldkette des VfL stellte die Räume allerdings gut zu und ließ lange Zeit wenig zu. Tom Ruzicka gab nach zehn Minuten den ersten Reutlinger Torschuss ab, den der starke Pfullinger Keeper Marvin Karasarik problemlos meisterte.
Apropos Ruzicka: Der Youngster wurde von Strehmel als Sturmspitze aufgeboten, während die Zugänge Willie Sauerborn und Oskar Prokopchuk zunächst auf der Bank Platz nehmen mussten. Torjäger Konstantinos Markopoulos fehlte (er befindet sich aus familiären Gründen in seiner griechischen Heimat).
Das Reutlinger Führungstor fiel quasi aus dem Nichts. Die Pfullinger hatten die Situation schon fast bereinigt, ehe Jonas Meiser plötzlich zur Stelle war und den Ball ins VfL-Gehäuse jagte. Meisers Schusstechnik ist immer wieder eine Augenweide. In der 31. Minute knallte sein 20-Meter-Schuss an den Pfosten. Karasarik war bei Schüssen von Yannick Toth (17.) und Ruzicka (25.) zur Stelle, ehe er nach 37 Minuten das zweite Mal hinter sich greifen musste. Nach Vorarbeit von Luca Plattenhardt markierte Toth mit einem Heber das 0:2. »Beide Gegentore war unnötig«, ärgerte sich Hübner.
»In der ersten Halbzeit waren wir zu statisch und zu wenig in Bewegung«, bemängelte Strehmel den Auftritt seiner Elf in den ersten 45 Minuten. Nach dem Seitenwechsel sei vor allem Youngster Maxim Schmalz auf der linken Seite »ein Aktivposten« gewesen, so Strehmel.
Noah Maurer (59.) sorgte nach einer Hereingabe von Plattenhardt für das 0:3. Eine Zeigerumdrehung später lag das 1:3 von Finn Beck in der Luft, als die SSVler mit vereinten Kräften kurz vor der Linie klärten. Schließlich markierte Alex-Eusebiu Ripas (72.) mit einem sehenswerten 14-Meter-Schuss das 1:3, ehe Beck eine große Chance zum 2:3 vergab. Beim SSV vergaben zwei Mal Schmalz, Sauerborn und Prokopchuk gute Einschussmöglichkeiten, ehe Marlon Gangloff (87.) das 1:4 und Prokopchuk (90.+1) per Strafstoß den 1:5-Endstand erzielte. Prokopchuk war von Bilal Ben Guia zu Fall gebracht worden. Pikant: In der dritten Pokalrunde könnte es wieder zum Duell zwischen Pfullingen und dem SSV kommen. Dann wäre die Erste des VfL am Start. (GEA)

