Lothar Mattner: Wir sind uns einig und werden es diese Woche schriftlich fixieren. Der Vertrag wird um zwei Jahre verlängert. Das ist die logische Konsequenz der Planungen, die wir mit den Spielern erstellt haben. Wir wollen perspektivisch mit der Mannschaft arbeiten.
»Ich gehe davon aus, dass Andreas Rill weitermachen wird«Wie sieht's mit Vertrags-Verlängerungen bei den Spielern aus?
Mattner: Wir haben schon einige Zusagen. Ich gehe zum Beispiel davon aus, dass Andreas Rill, der für das Team ja sehr wichtig ist, weitermachen wird. Da wir aber noch keine Verträge vorliegen haben, wurde bisher noch nichts unterschrieben.
Werden die Spieler in der neuen Saison mehr Geld bekommen?
Mattner: Ich denke, dass es eine marginale Veränderung nach oben gibt. Im Gegenzug werden wir vor allem viel leistungsbezogener bezahlen und uns dabei tabellarisch orientieren. Wenn wir weiter oben stehen und mehr Zuschauer kommen, zahlt sich das aus. Den diesjährigen Etat werden wir nicht sonderlich übertreffen müssen.
Wie würden Sie die Ziele des SSV in den nächsten zwei, drei Jahren definieren?
Mattner: Wir wollen die Basis dahin gehend erweitern, dass wir uns irgendwann als Spitzenmannschaft der Liga etablieren und in Regionen vorstoßen, die wir sportlich schon besetzt hatten. Irgendwann sollte dann auch der professionelle Bereich, also die Regionalliga oder höhere Spielklassen, ein Thema werden.
Es wird stets propagiert, der SSV müsse auf die Jugend setzen. Was bedeutet das genau?
Mattner: Der Begriff 'auf die Jugend setzen' wird überstrapaziert. Wir bauen hier etwas auf: Ob die Spieler alt oder jung sind, spielt keine Rolle. Wir wollen aber, dass unsere gute Jugendarbeit Früchte trägt. Die jetzige Situation bietet den Nachwuchsspielern die Möglichkeit, sich zu empfehlen. Wer sich einsetzt, schafft den Sprung von der U 19-Mannschaft ins Oberliga-Team.
Kommt es Ihrem Naturell entgegen, mit jungen Spielern zu arbeiten?
Mattner: Ich glaube, dass mir das Alter egal ist. Aber wenn ich's mir recht überlege, waren die Mannschaften doch meist sehr jung. Junge Spieler haben vielleicht mehr Zeit, Perspektive und können noch mehr lernen. Aber ich habe nichts gegen ältere Spieler. Bevor ich zum SSV Reutlingen kam, war der Schnitt bei meinem damaligen Klub 1. FC Normannia Gmünd relativ alt, so um die 25 Jahre im Schnitt.
Welche Spieler haben den größten Sprung nach vorn gemacht?
Mattner: Ich tue mich immer schwer, den Einzelnen hervorzuheben. Doch Furkan Uysal hat nach seiner Verletzung einen Riesensprung gemacht, dasselbe gilt für Torspieler Luis Rodrigues. Ersah Öztürk hat den Wechsel von der Landes- in die Oberliga nahtlos hinbekommen und Andre Olveira ist in eine Führungsrolle hineingewachsen und in jungen Jahren bereits ein Stabilisator im Team.
Sie haben nach dem Testspiel in Frickenhausen erklärt, dass man den Großteil der Mannschaft halten will. 'Großteil' ist ein vager Begriff.
Mattner: Wir haben derzeit einen 25er-Kader und werden versuchen, Zweidrittel davon zu halten. In die Saison 2011/12 wollen wir dann mit einem 22er-Aufgebot starten. Auch die Trainer-Frage wird jetzt angegangen. In dieser Saison hatten wir mehrere Hospitanten. Das Ziel ist nun aber, hier eine personelle Straffung hinzubekommen. Wir wollen ein Trainer-Gerüst haben mit Coach, Co-Trainer, Torspieler-Trainer sowie den Verantwortlichen für den U 23- und U 19-Bereich.
Sie gelten als umgänglicher Mensch. Doch können Sie auch den 'harten Hund' herauskehren. Jeffery Kyei wurde im Punktspiel bei den Stuttgarter Kickers eingewechselt und nach zehn Minuten von Ihnen schon wieder herausgenommen. Das nennt man Höchststrafe.
Mattner: Ein harter Hund - das hört sich so nach Werner Lorant an. Das möchte ich überhaupt nicht sein. Ich glaube aber, dass man konsequent sein muss. Es gibt Parameter, die für meine Entscheidung wichtig sind und nach denen ich mein Urteil treffen muss. Das mag manchmal hart sein, aber ich versuche und hoffe, dass es immer im Sinne des Einzelnen und der Mannschaft ist.
Mit solchen Maßnahmen wie im Fall von Kyei vergrault man doch die Spieler.
Mattner: Nein. Solche Situationen gibt es in jeder Saison. Entscheidend ist die Bereitschaft zu lernen und sich auszutauschen. Natürlich nicht gleich nach dem Spiel, aber zeitnah. Ich glaube auch, dass es begreiflich zu machen ist, worum es geht - und zwar ums Ganze. Jeffery Kyei hat an diesem Abend kein Bein auf den Boden gekriegt.
Welchen Eindruck haben Sie von der neuen Vereinsführung?
Mattner: Den neuen Präsidenten Karsten Amann find ich ganz, ganz toll. Die Aufbruchstimmung, von der derzeit so viel die Rede ist, wird draußen wahrgenommen. Wenn ich in Stuttgart oder Leonberg unterwegs bin, gibt es nur positive Signale. Ich glaube, dass es irgendwann ein positives Feedback auch bei den Sponsoren geben wird.
Jeder schaut natürlich mit Argusaugen hin, wie beim SSV künftig gewirtschaftet wird, nachdem der Klub jetzt schuldenfrei ist.
Mattner: Wir werden gesund wirtschaften, wie es uns Insolvenzverwalter Axel Kulas demonstriert hat. Wir werden keine Löcher im Etat produzieren, sondern unsere Saison im Vorfeld richtig kalkulieren und versuchen, sie weitestgehend vorzufinanzieren. Wir sind vielleicht einer der ersten Vereine Deutschlands, der das schafft. Ich glaube, dass wir in den vergangenen Monaten begriffen haben, dass die Fußballer des SSV Reutlingen nur dann eine positive Zukunft haben können, wenn eine gesunde wirtschaftliche Basis und eine sympathische Außendarstellung vorhanden ist. (GEA)

