REUTLINGEN. Das Strahlen im Gesicht von Lino Duarte war nicht zu übersehen. Und es blieb dem 21-Jährigen auch noch lange nach Spielschluss erhalten. Nicht nur, dass der Youngster mit 26 Punkten bei weitem bester Werfer der Partie war und damit beim 88:73 (45:33)-Erfolg seiner Reutlinger Regionalliga-Basketballer im Derby gegen den MTV Stuttgart den Großteil der 31 Zähler durch Bankspieler markierte. Eine Feldwurfquote von 55,6 Prozent, ohne Fehlversuch von der Freiwurflinie, dazu sieben Korbvorlagen, fünf Rebounds, drei Steals und kein einziges Foul in fast 29 Minuten Spielzeit. Das sind beeindruckende Zahlen. »Der Trainer fordert immer 100 Prozent von uns«, berichtet der junge Shooting Guard. Am Samstagabend hat dies bei Lino Duarte vor »nur« 650 Zuschauern in der Oskar-Kalbfell-Halle fast geklappt.
»Lino hat ganz stark gespielt«, lobte Noel Duarte seinen etwas mehr als drei Jahre jüngeren Bruder, der zweifellos einen Gala-Auftritt hinlegte. Doch auch der Rückkehrer vom Drittligisten BG Hessing Leitershofen musste sich nicht verstecken. 18 Punkte, zehn davon bereits im ersten Viertel, eine 80-prozentige Dreierquote (4 von 5), fünf Rebounds und vier Assists können sich ebenfalls sehen lassen. Der 24-Jährige betonte die »gute Teamleistung«, doch vor allem die Duarte-Brüder knackten die Zonen-Verteidigung des Angstgegners aus Stuttgart immer wieder durch Schnellangriffe, energischen Zug zum Korb oder das Versenken von Distanzwürfen.
Hektik wegen erneuter technischer Probleme in der Halle
»Wir haben schlecht angefangen«, haderte Ravens-Coach Rodrigo Reynoso. Vielleicht hatte sich ja auch nur die Hektik wegen erneuter technischer Probleme in der Halle auf die Mannschaft übertragen. Nachdem vor zwei Wochen das Spiel gegen die Karlsruhe Lions II wegen eines kaputten Motors an der rechten Korbanlage abgesagt werden musste, gab's diesmal massiven Ärger mit der Elektrik. Einen 11:4-Lauf der Gäste (3.) konterten die Hausherren mit einem 19:5-Lauf. Nach dem 8:11 durch Valentin Beracochea (6.) besorgten Lino und Noel Duarte die restlichen 15 Punkte zur 23:16-Führung nach dem ersten Viertel im Alleingang.
Sechs der folgenden acht Zähler der Ravens zum 31:24 (15.) gingen auf das Konto von Lino Duarte. »Er hat sich gut entwickelt«, lobte Reynoso den 1,94-Meter-Mann, der zuletzt seine Lehre im Bereich Groß- und Außenhandelsmanagement erfolgreich abgeschlossen hatte. Die erste zweistellige Führung (41:29/19.) folgte aufgrund von acht Punkten in Folge durch Nemanja Nadjfeji sowie eines verwandelten Dreiers durch Vito Barbarosa. Diesen Vorsprung verteidigten die Gastgeber in die Halbzeit. »Wir hätten noch deutlicher führen müssen«, monierte der Ravens-Coach.
»«Unser Ego war das größte Problem»«
Vor dem Topspiel - am Samstag (19 Uhr) empfangen die Reutlinger als Tabellenvierter (zwei Niederlagen) die erst ein Mal erfolglosen zweitplatzierten College Wizards - übte der 36-Jährige weitere Kritik: »Unser Ego war das größte Problem.« Er sprach gar von der »schlechtesten Teamleistung« der Mannschaft seit seiner Übernahme zu Rundenbeginn. Die Jungs um Kapitän Nadjfeji hätten auf dem Feld »nicht genügend miteinander kommuniziert«. 20 Ballverluste und die klare Unterlegenheit beim Offensiv-Rebound (9:17) »müssen wir dringend verbessern, um gegen Karlsruhe bestehen zu können«.
Miles Mallory war auf Reutlinger Seite wieder einmal die Konstanz in Person. Mit 15 Punkten und 13 Rebounds gelang dem 24-jährigen US-Amerikaner sein bereits viertes Double-Double im Ravens-Trikot. Der aus Gießen als effektivster Spieler der Liga gekommene Center rangiert aktuell knapp hinter dem Söflinger Marko Markovic (21,5 Punkte/14,5 Rebounds) mit 19,9 Punkten und 8,9 Rebounds auf Rang zwei. Aufgrund seiner 100-prozentigen Wurfquote aus der Nah- und Mitteldistanz (sieben von sieben) hatte Mallory großen Anteil an den 68 % der Mannschaft aus dem Zweier-Bereich. (GEA)

