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TSG Reutlingens Center Aike Bensmann: Ein Spätstarter mit Perspektiven

Aike Bensmann zählt zu den besten Big Men der Basketball-Regionalliga. Zuletzt hat er dies erstmals im Trikot der Ravens auch gezeigt. Beim Heimspiel am Samstag gegen Stuttgart wartet ein schwerer Brocken auf den 23-Jährigen, der auf einen ungewöhnlichen Karriereweg blickt.

Hang-Time mit Aike Bensmann. Der Reutlinger Big Man zählt zu den besten Fünf der Liga.
Hang-Time mit Aike Bensmann. Der Reutlinger Big Man zählt zu den besten Fünf der Liga. Foto: Joachim Baur
Hang-Time mit Aike Bensmann. Der Reutlinger Big Man zählt zu den besten Fünf der Liga.
Foto: Joachim Baur

REUTLINGEN. 16 Punkte binnen zehn Minuten - ohne einen einzigen Fehlversuch aus dem Feld. Damit hatte Aike Bensmann in Söflingen ein Ausrufezeichen gesetzt. Nach der Begegnung der Reutlinger Regionalliga-Basketballer schaute man deshalb bei den Verantwortlichen der TSG Solcom Ravens nicht nur wegen des überaus klaren Ergebnis (100:62) in zufriedene Gesichter.

Auch der Auftritt des Zugangs vom ProA-Ligisten Koblenz sorgte allseits für Freude. Der Sportliche Leiter Georgios Tsouknidis hält große Stücke auf den Center und sieht sich nun mehr denn je darin bestätigt, Bensmann zu den Ravens geholt zu haben. »Aike hat großes Potenzial und wird uns viel Freude bereiten«, hatte der Grieche erklärt. Nun wurde seine Prophezeiung zum ersten Mal so richtig wahr.

»Aike hat großes Potenzial und wird uns viel Freude bereiten«

Mitte des zweiten Viertels hatte der Big Man losgelegt. Binnen zehn Minuten katapultierte er die Führung der Gäste unter anderem durch sein Zutun auf 83:44 (35.). Hinzu kamen drei Rebounds und drei Assists. Wer weiß, was noch gekommen wäre, hätte das fünfte Foul den 2,04-Meter-Mann nicht ausgebremst. »Ich hoffe, dass der Knoten damit jetzt geplatzt ist«, sagt Bensmann und gesteht: »Das nimmt jetzt schon erst mal Druck von der Brust.« Nicht, dass jemand vom Verein zuvor Kritik geübt hätte. Der 23-Jährige hatte seine Leistung im Trikot der Reutlinger bislang noch nicht so gebracht, wie er es selbst von sich gewohnt ist. »Man weiß, dass man's noch kann«, sprach er von einer eigenen Erwartungshaltung, die er bislang noch nicht erfüllt sah.

Das hatte Gründe. Bensmann hatte große Teile der Vorbereitung verpasst. Unmittelbar nach seinen Abschlussprüfungen zum Physiotherapeuten (»Das musste sich erst mal setzen«) stieß er eine Woche vor Rundenbeginn zur Mannschaft. Neuer Lebensabschnitt, neue Stadt, neues Umfeld - und eine neue Mannschaft. »Es war klar, dass wir uns erst finden mussten«, sagt der längste Spieler im Ravens-Team und berichtet, dass das Trainerteam ihm die nötige Zeit gegeben hätte. Jetzt hat's klick gemacht.

Erst mit knapp 17 Jahren zum Basketball gekommen

Die Karriere des Norddeutschen ist durchaus beachtenswert. Erst mit knapp 17 Jahren begann Bensmann nach vielen Jahren Fußball mit dem Basketball in der U 18-Oberliga bei Bremen 1860. Ein Mal lief er schon damals für das NBBL-Team der Eisbären Bremerhaven auf. Wegen der Corona-Pandemie kam er zu gerade mal einer Handvoll Jugendspielen, ehe er sich in der Saison 2021/22 schon in der Männer-Mannschaft der SG Braunschweig in der Oberliga-Niedersachsen wiederfand. »Das war schon spannend«, erinnert sich der 107-Kilo-Mann. Über Koblenz II, Limburg und EPG Guardians Koblenz ging es für ihn von der 2. Regionalliga jede Saison eine Stufe nach oben in die Pro A.

"Das ging schneller, als ich gedacht hatte", erinnert sich Bensmann, der sich aktuell vom Leistungsniveau noch nicht als Zweitliga-Spieler sieht. Mittelfristig soll dies aber das Ziel sein. "Dafür holt er sich mit den ambitionierten Reutlingern nun neue Motivation und will ab Herbst möglicherweise zum Basketballspielen - dann am Liebsten mit den Ravens in der Pro B - noch Medizin studieren. Reynoso bezeichnet ihn als "guten Spieler, der gut verteidigen kann", sieht ihn sogar eher als Power Forward. Bensmann selbst zählt das Pick&Roll und das Pick&Pop zu seinen Stärken. "Ich sehe auch mal einen guten Pass und stehe nicht nur unterm Korb", beschreibt er seine Art Basketball zu spielen weiter. Das Verbessern beim Aufposten und Rebounden sind für ihn Perspektiven für die Zukunft.

Einer der besten Big Men der Regionalliga

Bensmann zählt zusammen mit Marko Markovic (Söflingen), Jordan Camper (Saarlouis), Tremere Brown (Ehingen), Ezekiel Crawford (Gießen), Christian Okolie (Schwenningen) sowie Teamkollege Miles Mallory zu den besten Big Man der Liga. Dazu gehört auch Marko Lavric vom kommenden Gegner MTV Stuttgart. Zusammen mit dem mehrfachen Liga-Topscorer Vasileios Lampropoulos sind dies die größten Gefahrenherde, die die Schützlinge von Rodrigo Reynoso in den Griff bekommen müssen. »Gegen Stuttgart erwartet uns ein erfahrenes und abgezocktes Team. Da müssen wir bereit sein«, warnt der Ravens-Coach vor dem Derby-Gegner angesichts von etlichen Akteuren, die schon seit vielen Jahren zusammen spielen.

Die Ravens sind auf Revanche aus. In der vergangenen Saison verlor das Team beide Partien gegen den MTV und will dies nun dringend ändern. Eine Niederlage können sich die Korbjäger um Kapitän Nemanja Nadjfeji als Tabellenvierter mit sieben Siegen auch deshalb nicht leisten, weil die Konkurrenz um die Play-off-Ränge nicht schläft. Die Landeshauptstädter haben sich nach einer schlechten Anfangsphase stabilisiert und stehen mit fünf Siegen auf Platz sieben. Die zuletzt verletzten John Saigge und Rehan Ahmad sind wieder einsatzbereit. Wie immer will Reynoso nicht so sehr auf den Gegner schauen. »Wir müssen unseren Job erledigen. Und zwar mit voller Konzentration«, fordert der Coach. »Wir haben, was wir brauchen, um dieses Spiel zu gewinnen.« Hoffentlich auch wieder einen Aike Bensmann, der zeigt, was er kann. (GEA)