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TSG Ravens Reutlingen: Drama beim Topspiel vor Rekordkulisse

Der Regionalliga-Spitzenreiter war für die TSG Solcom Ravens Reutlingen noch eine Klitzekleinigkeit zu groß. Die Oskar-Kalbfell-Halle hingegen war bei der 80:83 (35:42)-Niederlage gegen Schwenningen fast zu klein.

Miles Mallory (links) und die Reutlinger Basketballer hatten am Ende gegen Schwenningen das Nachsehen, weil vor allem auch Keevi
Miles Mallory (links) und die Reutlinger Basketballer hatten am Ende gegen Schwenningen das Nachsehen, weil vor allem auch Keeving Etienne (rechts) nach dem Seitenwechsel mächtig aufdrehte. Foto: Joachim Baur
Miles Mallory (links) und die Reutlinger Basketballer hatten am Ende gegen Schwenningen das Nachsehen, weil vor allem auch Keeving Etienne (rechts) nach dem Seitenwechsel mächtig aufdrehte.
Foto: Joachim Baur

REUTLINGEN. Es hat nicht sollen sein! In einem wahren Basketball-Krimi mussten sich die über weite Strecken spielbestimmenden TSG Solcom Ravens dem Regionalliga-Spitzenreiter aus Schwenningen denkbar knapp geschlagen geben. Vor der Rekordkulisse von 1.035 Zuschauern unterlagen die Reutlinger in der proppevollen Oskar-Kalbfell-Halle mit 80:83 (42:35). Das Topspiel des Tabellenvierten gegen die bislang noch ungeschlagenen Gäste aus dem Schwarzwald hielt in punkto Leistungsniveau und Spannung, was es versprochen hatte. Das Drama am Ende hätten sich die Hausherren allerdings gerne erspart.

- Unglaubliche Enttäuschung
Nach der Schlusssirene war so manches Gesicht von Reutlinger Spielern, Verantwortlichen und auch Fans gezeichnet von Fassungslosigkeit. »Wir hatten es in der Hand«, haderte Noel Duarte, der neun der ersten 13 Reutlinger Punkte für sich verbuchen durfte. »Die Jungs sind, genau wie ich, unglaublich enttäuscht«, berichtete Ravens-Coach Rodrigo Reynoso. »Wir haben das Spiel die meiste Zeit dominiert und hätten es verdient gehabt zu gewinnen.« Diese zweite Niederlage am siebten Spieltag war noch deutlich bitterer als die zum Saisonauftakt gegen Saarlouis.

- Überragendes erstes Viertel
Zu Beginn der Partie trauten die Zuschauer ihren Augen nicht. Die Hausherren ließen in den ersten zehn Minuten gerade einmal 15 Punkte der Schwenninger zu. Der Spielaufbau des Gegners wurde bereits frühzeitig in dessen Hälfte extrem aggressiv gestört. Nach ausgeglichenem Start zogen die Ravens ab dem 15:14 (8.) mit einem 10:1-Lauf davon. Etliche sprachen vom besten Viertel der Reutlinger im bisherigen Saisonverlauf. »Das war nahezu perfekter Basketball«, zollte Reynoso der Leistung seiner Spieler seinen Respekt. Der Ravens-Coach hatte sie optimal auf das Spiel der Panthers eingestellt. Nachverpflichtung John Saigge war von Beginn an heiß. Bei seinem Heimdebüt gelangen ihm neun Punkte im ersten Viertel. Insgesamt waren es am Ende 15.

- 1.035 Zuschauer bedeuten Rekordkulisse
Der Umzug von der IKG-Halle in die noch mehr in der Innenstadt gelegenen und auch größeren Oskar-Kalbfell-Halle zahlt sich voll aus. Erstmals erreichten die Ravens eine vierstellige Besucheranzahl. 1.035 Zuschauer sind nicht nur eine neue Bestmarke in der Geschichte des TSG-Basketballs, sondern möglicherweise auch eine Regionalliga-Rekordkulisse. »Das ist ein Meilenstein für den Reutlinger Baketball«, erklärte TSG-Abteilungsleiter Alexander Rogic voller Stolz. Noch vor fünf Jahren wollten keine 200 Zuschauer die Spitzenspiele der Reutlinger in der 2. Regionalliga sehen.

- Basketball ein Spiel der Läufe
Vor dem Seitenwechsel bauten die Reynoso-Schützlinge ihre Führung sogar noch auf 40:25 (18.) aus. »Wir hatten das Spiel eigentlich in der Tasche«, blickte der neue Reutlinger Coach mit Wehmut zurück. Doch dann fasten sich Liga-Topscorer Kedar Wright und über die gesamte Spielzeit überragende Schwenninger Center Christian Okolie ein Herz. Zusammen zeichneten sich die beiden für die letzten 19 von insgesamt 35 Schwenninger Zählern der ersten Halbzeit verantwortlich. Der Reutlinger Vorsprung schrumpfte durch einen 2:10-Lauf auf sieben Punkte.

- Hausherren bekommen mehr und mehr Probleme
Die Gastgeber hatten früh mit Foulproblemen zu kämpfen. Center Aike Bensmann und Spielmacher Vito Barbarosa handelten sich in den ersten 14 Minuten bereits jeweils drei Verwarnungen ein. Die damit verbundenen vielen ungeplanten Wechsel sorgten schon vor der Pause für einen Bruch im Spiel der TSG-Korbjäger. »Leider sind uns hinten raus aufgrund der Foulprobleme die Kräfte ausgegangen«, berichtete Reynoso von der zunehmenden Schwierigkeit, das hohe Leistungsniveau aufrecht zu erhalten. Zudem hatten die Panthers mit 25 Rebounds zur Pause schon fast doppelt so viele wie die Ravens (13). Am Ende lag das Verhältnis bei 40:25. »Wir konnten die Gäste unterm Korb nicht stoppen«, musste der Ravens-Coach eingestehen.

- Etienne und Okolie machen den Unterschied
»Wir haben das Spiel im dritten Viertel unter den Brettern für uns entschieden«, stellte der letztjährige Ravens-Kapitän Simion Habtemichael in Diensten des Spitzenreiters trefflich fest. 2,04-Meter-Mann Okolie und nach dem Seitenwechsel vor allem auch der Schwenninger Importspieler Keeving Etienne, der in der zweiten Halbzeit 12 seiner 13 Punkte erzielte, machten schließlich den Unterschied. Durch 14 Punkte in den zweiten 20 Minuten wurde Okolie mit insgesamt 27 Zählern Topscorer der Partie vor Reutlingens Big Man Miles Mallory (24). Die Schwenninger Nummer 77 sorgte auch für die 63:62-Führung (32.), was auch das Momentum auf die Seite des späteren Siegers brachte. (GEA)