REUTLINGEN. Die mit Abstand jüngste Mannschaft aller Vereine schickt die TSG Volksbank Reutlingen in der 2. Basketball-Regionalliga ins Rennen. »Deshalb werden wir natürlich auch mal das eine oder andere Spiel verlieren«, sagt Cheftrainer Vasilios Tsuknidis vor dem Rundenauftakt. An diesem Samstag (19 Uhr) geht das Kräftemessen des letztjährigen Vize in der heimischen IKG-Halle mit dem Spiel gegen die SG EK Karlsruhe los. So zumindest der Plan – vorausgesetzt natürlich, die Corona-Vorschriften oder steigende Infektionszahlen machen den Clubs keinen Strich durch die Rechnung.
Die Sommerpause unterschied sich nicht nur bei den Ravens komplett von der in einem »normalen« Jahr. »Die Planung für diese Saison war extrem schwierig. Mit oder ohne Zuschauer, welche Hygiene-Voraussetzungen müssen erfüllt werden, wie gestaltet sich das Budget in Corona-Zeiten und Wirtschaftsabschwung? Wir mussten uns auf viele Fragezeichen einstellen und unterschiedliche Varianten ausarbeiten«, berichtete Teammanager Alexander Rogic.
Zudem hatten die Reutlinger ausnahmsweise einen großen Umbruch im Kader, da viele Spieler den Verein aus beruflichen oder studienbedingten Gründen verlassen haben. »Wir sind trotzdem zuversichtlich, dass wir wieder eine gute Rolle spielen können«, formuliert Rogic. Die TSG will wieder vorne mitmischen, nachdem der Aufstieg in die 1. Regionalliga trotz nur einer einzigen Niederlage wegen des vorzeitigen Saisonabbruchs denkbar knapp verpasst wurde.
»Wir setzen auf junge Spieler. Die werden aber halt auch Fehler machen«
Mittelfristig ist die 1. Regionalliga ganz klar das Ziel. Dafür werden schon seit einiger Zeit die Voraussetzungen geschaffen. An der Sponsorenfront gab es »viele positive Entscheidungen und Zeichen«, berichtet Georgios Tsuknidis, der Bruder des Trainers, in seiner Funktion als Sportlicher Leiter. Die bisherigen Sponsoren und Partner seien überwiegend an Bord geblieben; zudem konnten einige neue Partner gewonnen werden. »Die Unternehmen in Reutlingen und der Region erkennen zunehmend das große Potenzial der Ravens und die sehr starke Entwicklung der vergangenen Jahre. Wir sind in dieser Hinsicht auf einem guten Weg«, so Georgios Tsuknidis.
»Wir wollen mit jungen Spielern aufsteigen. Das ist unser Konzept«, erklärt Vasilios Tsuknidis. Seine Spieler hätten »große Lust« und seien »sehr diszipliniert«, berichtet der Grieche. Unter der Anleitung der beiden Routiniers Damir Dronjic (31) und Nikola Gaurina (37) soll die Rasselbande »abgeklärt werden und die Systeme lernen«, gibt Tsuknidis vor. Er fügt aber auch hinzu: »Junge Spieler werden aber halt auch Fehler machen.«
Personell kann man bei den Ravens durchaus von einem Umbruch sprechen, denn gleich sieben Spieler verließen das Team. Unter ihnen auch mehrere Leistungsträger wie der US-Amerikaner Marques Charlton. Der fleißige Punktesammler trat im Frühjahr aus beruflichen und privaten Gründen die Heimreise an. Ex-Tigers-Profi Benaissa Traoré kehrte zurück nach Tübingen, wo er nun in der 1. Regionalliga für die SV 03 Tigers spielt.
Anfang des Monats konnte der Verein aber zumindest verkünden, dass mit TSG-Topspieler Damir Dronjic der dominante Akteur der vergangenen Jahre in Reutlingen bleibt. Zugänge sind der US-Amerikaner Jonathan Patterson, der den Abgang von Charlton kompensieren soll und zuletzt eine starke Saison beim Ligakonkurrenten Zuffenhausen gespielt hat, sowie TSG-Eigengewächs Dominic Philippi, der nach zwei Jahren in Irland zurückkehrt. Aus Tübingen kamen Aufbauspieler Louis Thieme und Center Harrison Nnana. »Wir sind noch mit einigen Kandidaten im Gespräch, um unseren Kader weiter zu verstärken. Insbesondere sind wir auf der Suche nach einem großen Mann, der unterm Korb spielen kann und die Rebounds kontrolliert«, berichtet Rogic.
Neben den Ravens zählen die PKF Titans Stuttgart, der USC Heidelberg sowie die TSG Schwäbisch Hall Flyers zu den Aufstiegskandidaten. Von den Regionalligen abwärts wurden alle Spielklassen coronabedingt in zwei Gruppen aufgeteilt, um eine allzu große Durchmischung der Teams zu vermeiden. Die Ravens treten in der Gruppe B mit sechs weiteren Teams in Hin- und Rückrunde an.
Die ersten vier jeder Gruppe spielen nach der Gruppenphase eine Aufstiegsrunde wieder mit Hin- und Rückspiel, wobei die bis dahin erzielten Punkte der Gruppenphase mitgenommen werden und ausschließlich gegen die Teams der anderen Gruppe gespielt wird. Das bedeutet mit maximal 20 Begegnungen vier weniger als normal. Am Ende wird wie in den Vorjahren nur der Tabellenerste aufsteigen.
In Bezug auf die Zuschauer sind die Ravens froh, dass die Stadt Reutlingen eine vernünftige Lösung anbietet und mit den Vereinen ein unkompliziertes Hygienepaket abgestimmt hat. Bis zu 250 Zuschauer sind aktuell erlaubt – natürlich unter Abstandsregelung und Maskenpflicht beim Betreten der Halle und auf allen Flurwegen. Lediglich am Platz selbst besteht keine Maskenpflicht. »Trotz aller Widrigkeiten gehen wir jetzt aber mit einem positiven Gefühl und viel Motivation in die neue Saison«, sagen Rogic und Vasilios Tsuknidis unisono. (GEA)
ZU- UND ABÄNGE
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Kader:

