TÜBINGEN. Nichts ist es mit besinnlichen Festtagen. Die Tigers Tübingen verlieren das Weihnachtsspiel vor heimischem Publikum gegen die Artland Dragons aus Quakenbrück mit 97:105 (56:49), obwohl die Mannschaft von Headcoach Henrik Sonko am Dienstagabend über weite Strecken eine starke Leistung gegen den nun Tabellendritten zeigt. Die sportliche Situation bei den Zweitliga-Basketballern in der Universitätsstadt bleibt damit äußerst angespannt. In den vergangenen fünf Partien setzte es vier Niederlagen bei nur einem Erfolg.
Dementsprechend bedient zeigte sich Sonko im Anschluss. Mit gesenktem Kopf gab er auf der Pressekonferenz zu Protokoll: »Wir haben taktische Fehler gemacht, die man sich auf dem Niveau nicht erlauben darf.« Sein Co-Trainer Troy Culley hatte bereits vor der Partie gesagt: »Wir treffen auf einen sehr starken Gegner, gegen den vor allem unsere Defensive funktionieren muss. Der Auftritt in Bayreuth war diesbezüglich sehr positiv, hier müssen wir anknüpfen.«
Mit Führung in die Pause
Der Plan schien zunächst aufzugehen. Nach einigen Minuten Anlauf überzeugte das Heimteam mit starken Rebounds und bot der zweitbesten Offensive der Liga einen harten Fight um jeden Korb. Einen zwischenzeitlichen 12:21-Rückstand machte die Truppe wett. Nach dem ersten Viertel stand es 24:25.
In den nächsten zehn Minuten drehte Tübingen, angeführt vom starken Melkisedek Moreaux (insgesamt 18 Punkte), richtig auf. Vorne klappte fast alles. In spielerischer Manier verwandelte der beste Tübinger Werfer Miles Tention (19 Zähler) einen Dreier nach dem anderen gegen den Favoriten. Schnell setzten sich die Raubkatzen ab und gingen mit einem 56:49 in die Halbzeitpause, obwohl sie weiter auf viele Leistungsträger verzichten mussten. Isaiah Sanders (Knie), JaCobi Wood (Fuß), Till Jönke (Rücken) und Joshua Schwaibold (Sprunggelenk) standen Headcoach Sonko nicht zur Verfügung.
Dafür coachte Jönke von der Seitenlinie lautstark mit. Und sah mit Freude auch seinen Mitspieler Kaya Bayram aufdrehen. Der Guard überzeugte in der Offensive mit guten Ideen und punktete außerdem. Nach 20 Zeigerumdrehungen standen bereits elf Zähler in seiner Statistik – doppelt so viele, wie der 21-Jährige bisher im Durchschnitt pro Partie erzielte. Nach dem Abpfiff waren es 14. Beflügelt von der Stimmung in der mit über 2.800 Zuschauern besetzten Paul-Horn-Arena ballte der Trainer die Faust. Unglaubliche elf von 18 Versuche hinter der Drei-Punkte-Linie brachten seine Mannen bis zur Pause ins Ziel (61 Prozent).
Liga-Top-Scorer dreht auf
Nach Wiederanpfiff schmolz der Vorsprung ein wenig, weil die Wurfquote nun niedriger lag. Die Kontrahenten brachten ihre gefürchtete Offensivpower allerdings auch erst mal nicht aufs Parkett. Mit einem 77:75 ging es deshalb in den Schlussabschnitt.
Bei den Gästen drehte Liga-Top-Scorer Amir Hinton dann richtig auf, nachdem er zwischenzeitlich abgetaucht war. Er zog seine Mitspieler, die plötzlich zauberten, mit. Sage und schreibe 31 Punkte erzielte der athletische Point Guard im gesamten Match. Mit sieben Minuten auf der Uhr gingen die Dragons nach langer Zeit erstmals wieder mit einem Zähler in Front und ließen die Tigers nicht mehr zurückkommen. »Wir hatten mit den Rebounds Probleme – vor allem in Halbzeit zwei«, analysierte Silas Oriane, der sich trotz der nächsten Pleite kämpferisch gab. »Wir halten als Familie zusammen. Wir haben heute gezeigt, dass wir richtig guten Basketball spielen können, auch wenn es am Ende nicht gereicht hat.«
Lange durchschnaufen können die Tübinger allerdings nicht. Bereits am Samstag (16 Uhr) wartet in Bremerhaven das nächste Top-Team. (GEA)

