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Die Reutlinger Lino und Noel Duarte wiedervereint auf dem Weg in die Pro B

Was der Göttinger Zweitliga-Profi Nils Schmitz mit der Sportler-Karriere der TSG-Eigengewächse zu tun hat. Und warum der ältere der beiden Brüder seine Ravens im Spitzenspiel am Samstag zu Hause gegen die zweitplatzierten Wizards auf Augenhöhe sieht.

Aushängeschilder und Leistungsträger der TSG Solcom Ravens Reutlingen: Lino Duarte (links) und sein älterer Bruder Noel.
Aushängeschilder und Leistungsträger der TSG Solcom Ravens Reutlingen: Lino Duarte (links) und sein älterer Bruder Noel. Foto: Joachim Baur
Aushängeschilder und Leistungsträger der TSG Solcom Ravens Reutlingen: Lino Duarte (links) und sein älterer Bruder Noel.
Foto: Joachim Baur

REUTLINGEN. Die Freude war riesig, als Ende Juni klar war, dass Noel Duarte zurück kommt zu den Reutlinger Regionalliga-Basketballern. Vor allem auch bei Lino Duarte. »Es ist schön, wenn man mit seinem Bruder zusammen in einer Mannschaft spielen kann«, sagt der 21-Jährige vor dem Heimspiel-Kracher an diesem Samstag (19.00 Uhr) in der Oskar-Kalbfell-Halle gegen die College Wizards aus Karlsruhe.

»Wir verstehen uns einfach sehr gut«, ergänzt das ältere der beiden Aushängeschilder der TSG Solcom Ravens. Dies zeigten sie zuletzt sogar geradezu mit Bravour. Beim Sieg gegen den MTV Stuttgart vor einer Woche erzielten die beiden Söhne einer deutschen Mutter und eines angolanischen Vaters zusammen genau die Hälfte der 88 Punkte und zogen den Gästen aus der Landeshauptstadt durch ihre Schnellangriffe phasenweise fast im Alleingang das Fell über die Ohren.

Reutlinger Vorzeige-Basketballer: Agva, Schmitz und die Duarte-Brüder

»Das ist ein bisschen wie früher in der Kindheit«, erinnert sich der etwas mehr als drei Jahre jüngere Lino. Die Duarte-Brüder sind quasi der Inbegriff für den Basketball in ihrer Heimatstadt Reutlingen - neben Neu-Nationalspieler Mahir Agva und dem aktuellen Göttinger Zweitliga-Profi Nils Schmitz. Letzterer ist seit dem Kindergarten der beste Freund von Noel Duarte.

Im Alter von 13 Jahren hatte nach Schmitz auch Noel Duarte die Fußballschuhe an den Nagel gehängt. Die beiden fingen an, die Freiplätze bei der Bastille, dem Isolde-Kurz-Gymnasium und dem Johannes-Kepler-Gymnasium unsicher zu machen. Schon damals im Schlepptau der kleine Lino, der anders als sein großer Bruder, nur eine ganz kurze Fußballer-Karriere hinter sich hat. »Damals habe ich angefangen, diesen Basketball zu lieben«, berichtet der 1,95 Meter große Shooting Guard.

Mit Zweitspielrecht für die Young Tigers

Kurze Zeit später fingen der damals Elfjährige und sein Bruder an, bei der TSG Basketball zu spielen. Lino in der U 12 und ab der U 14 per Zweitspielrecht auch für die Young Tigers Tübingen, mit denen er später in der Jugend-Basketball-Bundesliga (JBBL) unterwegs war. Noel begann in der U 14 der Reutlinger und kam später auch in Tübingen zum Zug, hatte mit 17 Jahren aber auch schon erste Einsätze in der 2. Regionalliga. »Ich war anfangs noch nicht so gut, habe mich erst später durch viel Fleiß im Training entwickelt«, erinnert sich Noel Duarte.

"Wenn man sich reinhängt und intensiv arbeitet", hat man im Basketball immer die Chance, relativ gut zu werden", sagt auch Lino Duarte aus voller Überzeugung und eigener Erfahrung. In noch etwas sind sich beide einig: "Wenn der Trainer einem das Vertrauen schenkt, stärkt dies unheimlich das Selbstbewusstsein." Youngster Lino, der, nach eigener Aussage, von Montag bis Freitag jeden Tag in der Halle steht, sagt: "Irgendwann wird das viele Training belohnt und das Gelernte überträgt sich aufs Spielfeld."

»Noel und Lino haben beide einen sehr guten Charakter«

Der langjährige Wegbegleiter Vasilios Tsouknidis attestiert beiden TSG-Eigengewächsen einen »sehr guten Charakter« und hebt zudem ihre Schnelligkeit und Athletik hervor. Der einstige Regionalliga-Trainer beschreibt Noel Duarte als »fokussiert, diszipliniert und hart im Nehmen«. Unter dem Griechen hatte sich der Shooting Guard so gut entwickelt, dass er in den vergangenen beiden Spielzeiten während seines Studiums (Internationales Management) in Augsburg mit der BG Hessing Leitershofen in der dritthöchsten deutschen Liga Pro B spielte. Auf diesem semi-professionellen Niveau würde er künftig am liebsten auch mit den Ravens spielen.

Es gibt Leute, die sehen in Lino Duarte noch mehr Talent schlummern als in dessen Bruder. Ob dem so ist, wird sich vielleicht eines Tages zeigen. Fakt ist derweil, dass der jüngere Duarte acht Zentimeter größer ist und deshalb auch auf der Position drei als Small Forward eingesetzt werden kann. Tsouknidis beschreibt ihn als »sehr, sehr talentierten Spieler, für den es nach oben keine Grenzen gibt, wenn er noch etwas lockerer und cooler wird«.

12,2 Punkte im Schnitt und 41,9 Prozent von der Dreier-Linie

Der drahtige junge Mann hatte zuletzt unter dem 47-Jährigen eine enorme Leistungsentwicklung erlebt, die unter dessen Nachfolger Rodrigo Reynoso noch größer zu werden scheint. Mit 12,2 Punkten im Schnitt sowie einer Dreier-Quote von 41,9 Prozent ist er aktuell jeweils die Nummer drei im Team. Knapp hinter seinem Bruder ist er Fünftplatzierter in Sachen Effektivität.

»Ich habe noch viel vor und freue mich auf jeden Fall auf die Zukunft«, berichtet Lino Duarte. Ende Januar bestreitet er erst mal die mündliche Prüfung zum Abschluss seiner Ausbildung im Bereich Groß- und Außenhandelsmanagement. Und dann ist da ja noch der große Traum, auf einem College »die Basketball-Atmosphäre in Amerika einmal live miterleben zu können.«

Noch kein Ravens-Sieg gegen die College-Wizards

Aber jetzt gilt's erst mal, im letzten Heimspiel der Hinrunde gegen den Tabellenzweiten aus Karlsruhe zu bestehen. Die College Wizards sind die einzige Mannschaft, gegen die den Ravens seit Zugehörigkeit zur 1. Regionalliga noch kein Sieg gelungen ist. »Wir sind alle zuversichtlich, dass wir dieses Spiel gewinnen können«, ist Lino Duarte nach der Niederlage gegen Spitzenreiter Schwenningen trotz langer Führung eher nur dezent positiv gestimmt.

Beide Duartes haben als Leistungsträger im bisherigen Saisonverlauf jeweils in nahezu jedem Spiel eine zweistellige Zahl aus der Addition von Punkten und Assists beigesteuert. Noel sieht sein Team als »Gegner auf Augenhöhe« und ist »fest davon überzeugt, dass wir gewinnen«. Um den ersten Sieg gegen die »Zauberer« zu holen und damit den vierten und letzten Play-off-Platz zu verteidigen gilt es, die kleinen Leichtsinnsfehler so gering wie möglich zu halten. Das müssen sich Noel und Lino, aber auch alle anderen Ravens-Korbjäger hinter die Ohren schreiben. (GEA)