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Aktuell Bauausschuss

Zu wenig Geld und Personal für das städtische Grün

REUTLINGEN. Das städtische Grün macht den Fraktionen der SPD und der Grünen im Gemeinderat Sorgen. Während die SPD in einem Antrag ein »farbloses Erscheinungsbild« beklagte und eine Überprüfung des Blumenschmucks sowie ein dazu passendes Konzept wünschte, sorgten sich die Grünen um den Umgang der Stadt mit ihren Bäumen. »Fällungen in großem Ausmaß« wurden von der Grünen-Fraktion hinterfragt, ein »sorgfältiger Umgang mit den Bäumen sowie ein größtmöglicher Erhalt« gefordert.

Schön anzuschauen, aber auch ganz schön teuer: die Wechselflorbeete am Listplatz. FOTO: THOMYS
Schön anzuschauen, aber auch ganz schön teuer: die Wechselflorbeete am Listplatz. Foto: Alexander Thomys
Schön anzuschauen, aber auch ganz schön teuer: die Wechselflorbeete am Listplatz.
Foto: Alexander Thomys
Im Bauausschuss des Gemeinderates nahm nun Katrin Korth vom Amt für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt ausführlich Stellung. Der Grundtenor: Versäumnisse in der Vergangenheit sowie fehlendes Geld sind für drastische Rückschnitte und fehlenden Blumenschmuck verantwortlich. Im Winter 2013/2014 wurden insgesamt 180 Bäume im Auftrag der Stadtverwaltung gefällt – aber ebenso viele auch wieder neu gepflanzt, wie Korth betonte. »Was wir fällen, wird auch ersetzt.« Allerdings gelte dies nicht für Wildwuchs. Und auch an Plätzen, an denen in den kommenden Jahren größere Umgestaltungen geplant sind – etwa durch die Kernstadtsanierung – werde vorerst nicht neu gepflanzt.

»Das Echazufer am ZOB sieht wieder richtig gut aus«
Generell haben die städtischen Grünpfleger beim Baumbestand mit zwei Schwierigkeiten zu kämpfen: Aufgrund der eher unwirtlichen Gegebenheiten in der Stadt – von Hunde-Urin und Abgasen bis hin zu viel zu engen Wurzelräumen – haben Stadtbäume eine deutlich niedrigere Lebenserwartung als frei stehende Bäume in der Natur. Zwischen 40 und 60 Jahren könne man den Bäumen in der Stadt etwa geben, ehe zumeist die Verkehrssicherungspflicht zwingt, den Baum zu Kleinholz zu verarbeiten, so Katrin Korth.

Diese 40 bis 60 Jahre sind nun bei vielen der insgesamt rund 10 000 Straßenbäume sowie den rund 30 000 bis 40 000 Bäumen in Grünanlagen und Gehölzen erreicht. »Als Reutlingen in den 1950er- bis 1970er-Jahren stark wuchs, wurde auch viel gepflanzt«, erklärte Korth. Der Klimawandel sowie der Hagelsturm, dessen »Ausmaß nach wie vor nicht absehbar sei«, hätten den Bäumen ebenfalls zugesetzt.

Der zweite Faktor: Die vorhandenen Mittel – etwa 1,6 Millionen Euro für Baumpflegemaßnahmen – reichen hinten und vorne nicht. "Wir geben das Geld fast nur für Verkehrssicherungsmaßnahmen aus", sagte Korth. Zwar sei ein Zukunftskonzept notwendig, doch auch dieses "kostet Personal und Geld – das wir nicht haben". Mit den Jahren sei deshalb ein immer größerer Berg an Aufgaben entstanden – statt Einzelmaßnahmen zu ergreifen würde dann auch mal eine größere Fläche "auf Stock" geschnitten. Was zunächst gravierend aussieht, sich aber mit der Zeit wieder erholt. »Das Echazufer am ZOB sieht wieder richtig gut aus«, nannte Korth hierzu ein positives Beispiel.

Hinzu kommt eine andere Philosophie im Gartenbau. Während man früher Parks und Sportanlagen vor allem an den Rändern möglichst eng bepflanzte, um diese von Verkehrslärm abzuschirmen, sind jetzt Offenheit und lichte Bepflanzung gefragt: Um die Belüftung der Straßenzüge mit frischerer Luft aus den Grünanlagen zu gewährleisten und um Angsträume zu vermeiden. Nicht viel besser sieht’s bei den Blumenbeeten aus. Im Zuge der Haushaltskonsolidierungen wurde das Budget für die besonders attraktiven Wechselflorbeete – bei denen zweimal im Jahr neu bepflanzt wird, damit sie möglichst ständig blühen – stark zurückgefahren. Während der Stadt 2009 dafür noch rund 60 000 Euro zur Verfügung standen, waren es 2013 nur knapp 25 000 Euro.

»Die Bevölkerung ist damit unzufrieden«
Dementsprechend mussten die Beete gestutzt werden: Das Größte am Listplatz wurde deutlich verkleinert, in der Pomologie, dem Stadtgarten, im Volkspark sowie an den Straßenrändern gibt es derlei Beete gar nicht mehr. Um Tristesse dennoch zu vermeiden, setzt die Stadt auf andere Formen der Bepflanzung.

So wurden etwa in der Wilhelmstraße Blumenkübel aufgestellt, für die es allerdings Paten braucht, die etwa die Bewässerung übernehmen. »Wenn wir mehr Paten finden könnten, etwa in der Katharinenstraße oder der unteren Wilhelmstraße, dann könnten wir auch mehr Kübel aufstellen«, sagte Korth.

Ein anderes Mittel: Am Tübinger Tor wurden Staudenmischpflanzungen verwendet. Diese sorgen zunächst bei der Bepflanzung für hohe Kosten, deren Pflege erweist sich anschließend allerdings als sehr kostengünstig. Während für die Wechselflorbeete zwischen 50 und 90 Euro pro Quadratmeter eingesetzt werden müssten, sind es bei den Stauden nur zwischen drei und zehn Euro. »Wir würden gerne mehr machen, wenn wir mehr Geld und Personal hätten«, versicherte Korth abschließend.

Bei den Stadträten stieß sie damit nicht auf taube Ohren. »Die Bevölkerung ist unzufrieden«, hat etwa Edeltraut Stiedl (SPD) beobachtet. Annette Seiz (CDU) mahnte allerdings, den Haushalt nicht außer Acht zu lassen: »Wir müssen halt wissen, wo wir das Geld hernehmen sollen.« Eventuell sei es dabei sinnvoll, ganz auf die Wechselflorbeete zu verzichten und diese durch die Staudenpflanzungen zu ersetzen. (GEA)