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Aktuell Hochwasser

Ziel in Sicht beim Brückenneubau in der Betzinger Hoffmannstraße

Die nächste Etappe im Betzinger Entwicklungskonzept Echaz ist fast geschafft. Warum der Brückenneubau so wichtig für den Hochwasserschutz ist.

Es geht voran im Entwicklungskonzept Betzingen: Die Hochwasserschutzwand steht, die neue Brücke Hoffmannstraße ist fast fertig.
Es geht voran im Entwicklungskonzept Betzingen: Die Hochwasserschutzwand steht, die neue Brücke Hoffmannstraße ist fast fertig. Foto: Dieter Reisner
Es geht voran im Entwicklungskonzept Betzingen: Die Hochwasserschutzwand steht, die neue Brücke Hoffmannstraße ist fast fertig.
Foto: Dieter Reisner

REUTLINGEN-BETZINGEN,. An Hochwasser denkt in diesen heißen Tagen niemand. Dass sich das blitzschnell ändern kann, wissen die Betzinger aus leidvoller Erfahrung. Doch der Ort ist immer besser gewappnet - dank des Entwicklungskonzepts Echaz. Und mit dem geht es jetzt den nächsten großen Schritt voran: Der vierte Baustein mit Brückenneubau in der Hoffmannstraße und Hochwasserschutzwand ist auf der Zielgeraden. Die Uralt-Brücke Hoffmannstraße, die mit ursächlich für Überschwemmungen bei hohem Echaz-Pegel war, ist damit Geschichte. Auch die Straßenarbeiten sind im Zeitplan, Ende September wird die Zufahrt von der Steinachstraße zum Platz an der Kemmlerhalle wieder offen sein. Allerdings als Einbahnstraße, weil ab Oktober der Straßenbau bis zur Mühlstraße dran ist und deshalb dort die Kreuzung dicht gemacht werden muss. Bis Ende des Jahres soll alles erledigt und die Hoffmannstraße wieder in beide Richtungen befahrbar sein.

Überschwemmungsfrei bei hundertjährlichem Hochwasser

Das 2016 angelaufene Entwicklungskonzept Echaz hat neben der ökologischen Aufwertung des Gewässers zum Ziel, die gefährdeten Bereiche – insbesondere in der Steinachstraße und Im Wasen – bei einem hundertjährlichen Hochwasser überschwemmungsfrei zu halten. Drei von sechs Bausteinen sind fertig, der vierte fast. Nach dem Brückenneubau fehlt nur noch die Aufweitung des »Flaschenhalses« bei der Volkshochschul-Zweigstelle Im Wasen, mit der voraussichtlich 2027 begonnen wird.

Das »Geburtsjahr« darf beim Brücken-Neubau nicht fehlen.
Das »Geburtsjahr« darf beim Brücken-Neubau nicht fehlen. Foto: Dieter Reisner
Das »Geburtsjahr« darf beim Brücken-Neubau nicht fehlen.
Foto: Dieter Reisner

Das bislang umgesetzte Maßnahmenpaket bringt jetzt schon viel, berichtet Betzingens Bezirksbürgermeister Friedemann Rupp beim Vor-Ort-Termin zum »Vorzeigeprojekt«. Bei den sintflutartigen Regenfällen im Juli habe die örtliche Feuerwehr schon darauf gewartet, dass es die Echaz wie so oft in der Vergangenheit nicht im Flussbett hält. Doch diesmal trat sie nicht über die Ufer. »Es ist deutlich geworden, dass es stimmt, was die Gewässeringenieure berechnet haben.« Ebenfalls Wirkung zeigten die neuen Hochwasserschutzmauern, neben der bei der Hoffmannstraßen-Brücke die unlängst fertig gestellte an der Engstelle Im Wasen.

Zufrieden mit den Baufortschritten: Peter Nill, Projektleiter vom Tiefbauamt, Betzingens Bezirksbürgermeister Friedemann Rupp, B
Zufrieden mit den Baufortschritten: Peter Nill, Projektleiter vom Tiefbauamt, Betzingens Bezirksbürgermeister Friedemann Rupp, Bernd Eger, stellvertretender Tiefbauamtsleiter, und Anne Schüller von der Stadtentwässerung Reutlingen. Foto: Dieter Reisner
Zufrieden mit den Baufortschritten: Peter Nill, Projektleiter vom Tiefbauamt, Betzingens Bezirksbürgermeister Friedemann Rupp, Bernd Eger, stellvertretender Tiefbauamtsleiter, und Anne Schüller von der Stadtentwässerung Reutlingen.
Foto: Dieter Reisner

Massive bauliche Schäden

Aber auch der Abriss der alten Brücke dürfte sich bemerkbar gemacht haben. Wegen ihres engen Durchflussquerschnitts und vor allem dem Mittelpfeiler, an dem sich immer wieder Treibgut verhedderte, gehörte sie zu den neuralgischen Stellen bei Hochwasser. Hauptgrund für den Abriss war aber der »erbärmliche Zustand« des über hundert Jahre alten Bauwerks, erklärt der stellvertretende Leiter des Amts für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt, Bernd Eger. Wegen massiver baulicher Schäden und der eingeschränkten Tragfähigkeit sei der Abbruch längst überfällig gewesen.

Die Ersatzbrücke kommt ohne Mittelpfeiler aus, ihre Unterkante ist um 70 Zentimeter angehoben. Vom Gemeinderat beschlossen wurde der Neubau samt Hochwasserschutzwand im Oktober 2023, Baubeginn war im März 2024. Die Gesamtkosten liegen bei 2,9 Millionen Euro, 1,5 Millionen sind reine Baukosten. Sowohl für den Brückenneubau als auch die Hochwasserschutzmaßnahmen gibt es Fördermittel.

Abriss und Neubau extrem aufwendig

Abriss und Neubau gestalteten sich extrem aufwendig, weil unter anderem eine provisorische Kabelbrücke gelegt werden musste. Wegen des Schneckenpflasters im Bachbett, das Naturdenkmal ist und nicht beschädigt werden darf, mussten die Bautrupps äußerst behutsam vorgehen, erinnert Anne Schüller, stellvertretende Abteilungsleiterin Gewässer und Regenwassermanagement bei der Stadtentwässerung Reutlingen (SER). Für Zwangspausen sorgte außerdem die Fischschonzeit von Oktober bis Ende Mai, in der Gewässer tabu sind. Damit nicht genug der Erschwernisse. Im Sommer 2024 wurde Betzingen zweimal von Hochwasser erwischt, das nicht nur ein Schutzgerüst wegschwemmte, sondern die Sandsäcke zur Wasserhaltung in der Echaz mit dazu. Das wirbelte den Zeitplan der Baufirma durcheinander und bescherte ihr ordentlich Mehrarbeit: Die Sandsäcke mussten wieder befüllt und neu aufgebaut werden.

Inzwischen Geschichte: Die alte Brücke Hoffmannstraße.
Inzwischen Geschichte: Die alte Brücke Hoffmannstraße. Foto: Steffen Schanz
Inzwischen Geschichte: Die alte Brücke Hoffmannstraße.
Foto: Steffen Schanz

Bis vor Kurzem war die Lage im Baustellenbereich deshalb kritisch, weil zwar der alte Mittelpfeiler weg war, aber ein Holzgerüst zum Abstützen der Schalung für den Brückenüberbau hermusste, berichtet Bernd Eder. Also ein »Abflusshindernis« wie bei der abgerissenen Brücke, doch alles ging gut. Inzwischen sind die Arbeiten am Brückenbauwerk weitgehend abgeschlossen, auch mit dem Straßenbau geht es zügig voran. Wegen der höher gelegten Brücke muss das Straßenniveau angehoben werden. Die Fahrbahnbreite wird um 50 Zentimeter auf 6,50 Meter reduziert, dafür dürfen die Gehwege von 2,50 auf 3 Meter wachsen.

Umgestaltung im Bereich der Schule

Weil der Kemmlerplatz immer erreichbar sein muss, sind die Arbeiten in zwei Abschnitte unterteilt. Teil eins ist bis Ende Oktober fertig, die Kreuzung Steinachstraße und Hoffmannstraße also wieder offen. Im Teil zwei folgt der Straßenabschnitt bis zur Kreuzung Mühlstraße, von der aus die Zufahrt zur Hoffmannstraße dann nicht mehr möglich ist. Dieser Abschnitt umfasst nicht nur die Straßenarbeiten, sondern auch die Umgestaltung im Bereich der Friedrich-Hoffmann-Gemeinschaftsschule. Die Parkplätze am Backsteingebäude sollen anders angeordnet und ein Fußgängerüberweg angelegt werden, um für mehr Sicherheit zu sorgen, so Projektleiter Peter Nill vom Amt für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt. (GEA)