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Aktuell Engagement

Wieso ein Reutlinger regelmäßig Blut spendet

Für gesunde Menschen sind es nur 0,5 Liter Blut und ein knappes Stündlein »Arbeit«. Für erkrankte oder verunfallte Menschen kann es lebensrettend sein. Der 46-jährige Christoph Stöldt spricht über seine Motivation, regelmäßig Blut zu spenden.

Vor dem Piks sollten Blutspender ausreichend essen und trinken.
Vor dem Piks sollten Blutspender ausreichend essen und trinken. Foto: Judith Michaelis/dpa
Vor dem Piks sollten Blutspender ausreichend essen und trinken.
Foto: Judith Michaelis/dpa

REUTLINGEN. Jedes Jahr erkranken etwa 500.000 Menschen in Deutschland an Krebs. Mit 230.000 Todesfällen jährlich ist die Krankheit nach den Herz-Kreislaufkrankheiten auf dem zweiten Platz in der Rangfolge der Todesursachen, so heißt es auf der Website des Bundesministeriums für Gesundheit. Dank moderner Medizin können heute etwa die Hälfte aller erwachsenen Krebspatienten und vier von fünf krebskranken Kindern geheilt werden. Der Weg zur Heilung ist jedoch oft schwer: Viele Patienten müssen eine anstrengende Chemotherapie machen und sind dabei auf Bluttransfusionen angewiesen. Manche Patienten brauchen über längere Zeiträume immer wieder Spenderblut – das kann mehrere hundert Blutkonserven erfordern. Etwa 19 Prozent des gespendeten Blutes in Deutschland wird deshalb für Krebspatienten eingesetzt. Blutspender werden so zu stillen, lebensrettenden Helfern für Erkrankte.

Auch Menschen, die an einer Herz- oder Magen-Darm-Erkankung leiden, einen schweren Unfall hatten oder eine Transplantation benötigen, sind oftmals auf die Blutkonserven angewiesen. Den selbstlosen Spendern gebühre Respekt, findet der Reutlinger Oberbürgermeister Thomas Keck. Er ehrte jüngst 25 Reutlinger »Vielfach«-Spender in den Räumlichkeiten des Kunstmuseums. 25, 50, 75 oder sogar 100 Mal haben Sie bereits Blut gespendet. Einer dieser Menschen ist Christoph Stöldt. Er ist 46 Jahre alt, Familienvater aus Reutlingen und einfach ein klasse Typ. Er steht stellvertretend für die Vielen, die sich regelmäßig piksen lassen, um anderen mit ihrem Blut zu helfen.

Für sein wertvolles Engagement ausgezeichnet: Christoph Stöldt.
Für sein wertvolles Engagement ausgezeichnet: Christoph Stöldt. Foto: Kim Geisinger
Für sein wertvolles Engagement ausgezeichnet: Christoph Stöldt.
Foto: Kim Geisinger

75 Mal hat sich Christoph Stöldt in seinem Leben schon freiwillig piksen lassen. Die Zahl auf der Urkunde stammt aber noch aus dem letzten Jahr, inzwischen seien es 79, wie er bei einem Besuch in der GEA-Redaktion erzählt. Etwa alle vier Monate lasse er sich jeweils um die 500 Milliliter Blut aus der Armbeuge abnehmen. Ansehen tut man ihm das nicht. Fit, vital und gut gelaunt tritt er auf. »Ausgesaugt« sieht definitiv anders aus. So fühle er sich auch direkt nach dem Prozedere nicht, klärt er lachend auf: »Ich gehöre zu den Personen, die nach der Blutabnahme eigentlich keine Probleme haben. Weh tut es mir auch nicht wirklich.« Die richtige Vorsorge sei ausschlaggebend. Das bedeutet: vorab ausreichend essen und trinken. So empfiehlt es auch das Deutsche Rote Kreuz Baden-Württemberg.

Seit er 18 Jahre alt ist, lässt sich der Familienvater aus Reutlingen regelmäßig anzapfen. »Wir waren noch in der Schule«, erinnert sich Stöldt. »Für uns als Clique war damals einfach völlig klar: Sobald wir volljährig sind, gehen wir zusammen Blut spenden. Das war toll, weil man gemeinsam etwas unternommen und dabei noch Gutes getan hat.« Ad acta gelegt hat Christoph Stöldt das Date mit der Nadel seitdem nie wieder. »Ich fühle mich damit einfach gut«, beschreibt er seine Motivation. Ob in Reutlingen, Eningen oder Pfullingen: Wer wirklich wolle, finde immer wieder und überall Möglichkeiten, um zu spenden, ist sich der Landschaftsarchitekt sicher. Und schnell gehe das Ganze auch: »Jeder hat ein Zeitfenster von rund 20 bis 45 Minuten. Dann wird sich noch zehn Minuten ausgeruht« - und fertig ist die gute Tat.

Blutspenden sind durch nichts zu ersetzen

Die Medizin arbeitet tagtäglich daran, Alternativen für »menschliche Bauteile« zu finden. Doch was den Lebenssaft angeht, sieht es derzeit mau aus: Blut ist ein flüssiges Gewebe, das aus verschiedenen Zelltypen und vielen anderen Stoffen besteht. Die spezielle Zusammensetzung macht es so einzigartig, dass es bisher keinen künstlichen Ersatz dafür gibt. Blutspenden sind daher weiterhin unverzichtbar. Die moderne Transfusionsmedizin ermöglicht es immerhin, aus einer Spende verschiedene Blutbestandteile zu gewinnen, um diese vielfältig einzusetzen.

»Blutprodukte sind auch nur begrenzt haltbar, teilweise nur wenige Tage oder Wochen. Darum sind Kranke und Verletzte auf Menschen wie dich angewiesen, die bereit sind, regelmäßig Blut zu spenden«, so der Appell der DRK Baden-Württemberg/Hessen an Interessierte. Auch Christoph Stöldt hat nicht vor aufzuhören: » Das Spenden gehört zu mir. Solange ich körperlich fit genug bin, werde ich damit weitermachen.« Da die Altersgrenze für Blutspender aufgehoben wurde, steht seiner Mission »Leben retten« bei hoffentlich lang anhaltender, guter Gesundheit nichts mehr im Weg. Noch zögerlichen, aber potenziellen Spendern gibt er mit: »Habt keine Angst und probiert es einfach aus. Selbst wenn man nur einmal spendet, kann man helfen.« (GEA)