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Aktuell Infrastruktur

Wie stabil sind Brücken und Straßen im Kreis Reutlingen?

Durch ständige Sanierungen und Reparaturen kann der Kreis Reutlingen seine Kreisstraßen sehr gut bis befriedigend erhalten. Die Frage ist: Wie lange noch?

Fachmänner, die sich vor zwei Jahren (Archivbild) über den Ausbau der Kreisstraße Bempflinger Straße freuten: Patrick Schwille (
Fachmänner, die sich vor zwei Jahren (Archivbild) über den Ausbau der Kreisstraße Bempflinger Straße freuten: Patrick Schwille (Kreis Reutlingen) und F. Friedrich (Esslingen). Foto: Stephan Zenke
Fachmänner, die sich vor zwei Jahren (Archivbild) über den Ausbau der Kreisstraße Bempflinger Straße freuten: Patrick Schwille (Kreis Reutlingen) und F. Friedrich (Esslingen).
Foto: Stephan Zenke

REUTLINGEN. In Schulnoten ausgedrückt ist der Zustand der Straßen und Brücken im Kreis Reutlingen im Durchschnitt befriedigend. »Im Vergleich zum Vorjahr stabil«, beschreibt Frank Söll, Abteilungsleiter im Kreisstraßenbauamt, die Lage im Jahr 2025 vor dem Ausschuss für technische Fragen und Umweltschutz des Kreistags. Das hört sich gut an, hat aber einen Haken. Den hängt Verwaltungsdezernent Marius Pawlak gegen Ende der öffentlichen Sitzung in den Raum: Um in Zukunft noch einen genehmigungsfähigen Doppelhaushalt vorlegen zu können, werde sich der Kreistag auch mit Einsparungen bei der Sanierung der Infrastruktur auseinandersetzen müssen.

Still und leise - abgesehen vom Lärm der Baumaschinen - hat das Kreisbauamt auch im vergangenen Jahr erfolgreich gearbeitet, wie die Zahlen zeigen. Seit 2007 wird der Zustand der Kreisstraßen erfasst und bewertet. Dabei kommen Noten heraus, die grafisch dargestellt eine beachtlich gerade Linie bilden. So schön glatt wie die meisten Straßen des Kreises. »Derzeit befinden sich etwa 56 Prozent des Kreisstraßennetzes in einem sehr guten bis befriedigenden Zustand (Note 1 bis 3). Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich der Gesamtzustand unverändert dargestellt«, referiert Abteilungsleiter Söll unter Erwähnung der Durchschnittsnote von 3,25 (Vorjahr 3,27). Das sind Verhältnisse, von denen viele europäischen Nachbarn nur träumen können.

Substanzverzehr ausgeglichen

»Die in 2025 durchgeführten Bau- und Erhaltungsmaßnahmen konnten den alterungsbedingten Substanzverzehr ausgleichen«, lautet das Fazit. Nur noch ein Streckenabschnitt erhält die Note 6: Die K 6751 von Anhausen bis zur Kreisgrenze gegen Erbstetten. Als Schadensbild werden Längs- und Querverformungen sowie »verminderte Griffigkeit infolge oberflächiger Bitumenanreicherung« genannt. Als »sehr schlecht« (Note 5) bewertet das Kreisstraßenbauamt allerdings 37 Straßenabschnitte, die damit über dem vorgeschriebenen Schwellenwert von 4,5 liegen und als Kandidaten für eine baldige Prüfung von baulichen oder verkehrsbeschränkenden Maßnahmen gelten.

Aufschieben bedeutet höhere Kosten

In diesem Zusammenhang weist Experte Söll die Kreisräte des Ausschusses auf etwas Wesentliches hin: »Klaffen erforderliche und tatsächlich durchgeführte Aufwendungen zu lange und zu stark auseinander oder werden erforderliche Fahrbahndecken-Erneuerungen zurückgestellt oder gar über mehrere Jahre verschoben, so kommt es zu einem Substanzverzehr«.

Dieser Verlust schlage sich eher früher denn später im Haushalt nieder. »Ausgesetzte oder verzögerte Belagsanierungen verursachen eine Reduzierung der anteiligen Nutzungsdauer bis zur nächsten Grunderneuerung um etwa ein Viertel beziehungsweise führen zu frühzeitigen Kosten bei der Unterhaltung«. Eine unmissverständliche Warnung, es mit dem Sparen bei Straßen nicht zu übertreiben.

Wenn eine Kreisstraße so aussieht wie einst (Archivbild) die mittlerweile neu gebaute Bempflinger Straße hinter Mittelstadt, dan
Wenn eine Kreisstraße so aussieht wie einst (Archivbild) die mittlerweile neu gebaute Bempflinger Straße hinter Mittelstadt, dann bekommt sie keine guten Noten. Foto: Stephan Zenke
Wenn eine Kreisstraße so aussieht wie einst (Archivbild) die mittlerweile neu gebaute Bempflinger Straße hinter Mittelstadt, dann bekommt sie keine guten Noten.
Foto: Stephan Zenke

Brücken in stabilen Zustand

Natürlich nimmt der Kreis auch Ingenieurbauwerke wie Brücken und Stützmauern regelkonform unter die Lupe. Geprüft werden Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit. »Der derzeitige Gesamtzustand dieser Bauwerke ist analog zu den Straßen stabil«, verkündet Söll, »sowohl im Bereich der Brücken als auch bei den Stützbauwerken befinden sich gegenwärtig rund 96 Prozent in einem sehr guten bis befriedigenden Zustand.« Bei der Bauwerks-Hauptprüfung 2023 wurde die größte Brücke im Landkreis im Zuge der K 6720 bei Reutlingen Alteburg in die Zustandsnote 4 »noch ausreichend« zurückgestuft, »die dabei festgestellten Substanz- und Korrosionsschäden sollen 2026 saniert werden.«

Das Fazit von Landrat Dr. Ulrich Fiedler wirkt angesichts der Haushaltslage des Kreises wie ein Rückblick auf bessere Zeiten sowie ein Warnschild für die Zukunft: »Da gibt's Landkreise, die das weniger nachhaltig als wir machen«. Die Frage, wie lange dafür noch das Geld da ist, wird die kommende Haushaltsdebatte prägen. (GEA)