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Aktuell Kriminalität

Wie sicher sind die Freibäder in Reutlingen und Region?

Im Reutlinger Freibad wird ein Bademeister verletzt, Tage später werden Mädchen sexuell belästigt. Nehmen solche Fälle zu? Was Polizei und Personal dazu sagen.

Das Freibad in Reutlingen.
Das Freibad in Reutlingen. Foto: Stadtwerke Reutlingen
Das Freibad in Reutlingen.
Foto: Stadtwerke Reutlingen

REUTLINGEN. Reutlinger Freibad Markwasen. Das ist der Sprung ins kühle Wasser. Das Geräusch des Wellen-Gongs. Der Duft von Pommes, Chlor und Sonnencreme. Zwischen Wasserrutsche, Liegewiese und Beachvolleyballfeld ist die Welt noch in Ordnung. Es ist ein Stück Kindheit, der Inbegriff des Sommers, ein Ort der guten Laune. Doch immer mehr Menschen sagen: Das war einmal. Berichte über sexuelle Belästigung und Gewalt verunsichern. Auch in Reutlingen ereignen sich immer wieder Übergriffe.

Zweimal negative Schlagzeilen innerhalb weniger Tage

Erst kürzlich kommt es im Wellenfreibad zu einer Schlägerei zwischen Gästen, Sicherheitspersonal und Bademeister. Letzterer wird dabei so schwer verletzt, dass er mehrere Tage nicht arbeiten kann. »Ein alkoholisierter Badegast sprang trotz Sperrung von der Sprunganlage und reagierte auf die entsprechende Ansprache sofort aggressiv. Er wurde körperlich übergriffig. So etwas ist zum Glück nicht die Regel, aber es belastet natürlich«, schreibt das Opfer dem GEA per E-Mail.

Nur fünf Tage später steht das Freibad wieder in den Schlagzeilen. Zwei 20 und 22 Jahre alte Männer berühren im Wellenbecken angeblich mindestens vier weibliche Badegäste unsittlich. Die Mädchen sind zwischen 12 und 16 Jahre alt. Nach dem Übergriff wenden sie sich ans Personal, das schließlich die Polizei einschaltet. Seither ermitteln die Beamten wegen des Verdachts der sexuellen Belästigung.

Ein Blick in die Statistik

Besonders dieser Fall sorgt in den sozialen Medien für Diskussionen. »Einfach nur noch ekelhaft. So will doch bald keiner mehr dort hin. Erst Randale, dann grapschen«, äußert sich eine empörte Userin. Einige schreiben, dass sie das Freibad wegen solcher Vorfälle meiden und stattdessen aufs Planschbecken im Garten setzen. Eine Frau hält dagegen: »Das Reutlinger Freibad ist eines der schönsten im Land. Ich habe es immer als sicher empfunden.« Doch wie steht es wirklich um die Sicherheit?

Laut Reutlinger Polizei bewegen sich die Fälle von Gewaltdelikten in den Freibädern im Landkreis Reutlingen auf einem nahezu gleichbleibenden und sehr niedrigen Niveau. Für das laufende Jahr liegen noch keine belastbaren Zahlen vor. 2019 stehen fünf Fälle zu Buche, 2022 sechs, 2023 drei und 2024 wieder sechs. »Einsätze, die nicht in ein Ermittlungsverfahren münden, etwa wegen Streitigkeiten, Pöbeleien oder Ähnlichem, ohne strafrechtlich relevanten Hintergrund, werden nicht statistisch erfasst«, schränkt Pressesprecher Christian Wörner ein.

Bäder-Leiter: Die Aggressivität nimmt zu

Der Blick auf die Statistik der Sexual-Delikte ergibt ein ähnliches Bild. In den Jahren 2022 und 2023 erfasst die Polizei fünf »Fälle von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung«, 2024 sind es zwei. Wichtig: »In die Auflistung fließen nur Vorkommnisse, die tatsächlich angezeigt und dann an die Staatsanwaltschaft abgegeben wurden.« Fazit: Rein statistisch kann man in den Freibädern der Region nicht von einem zunehmenden Sicherheitsproblem sprechen.

Doch Necdet Mantar, dem Betriebsleiter der Reutlinger Bäder, fällt bereits 2023 auf: Die Aggressivität bei den Leuten nimmt zu, der Ton wird rauer. »An heißen Tagen fängt mancher an zu spinnen.« Dann würden oft »Kleinigkeiten« reichen, um lautstarke Diskussionen auszulösen. Die bewusste Missachtung der Haus- und Badeordnung nehme ebenfalls zu. Beim Einschreiten der Mitarbeiter komme es vermehrt zu Pöbeleien und Beleidigungen.

Bademeister: Die Herausforderungen sind größer geworden

Ähnlich äußert sich der jüngst verletzte Bademeister: »Das Arbeitsumfeld hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Die Herausforderungen sind größer geworden.« Dennoch mache ihm seine Arbeit viel Freude. Denn »die ganz große Mehrheit der Badegäste verhält sich im Freibad vorbildlich. Die allermeisten kommen gerne, zeigen sich dankbar und wissen unsere Arbeit zu schätzen. Das motiviert«. Doch das sehen nicht alle Angestellten so.

»Manche Mitarbeiter sagen, dass sie mit der Situation zunehmend überfordert sind«, sagt Mantar. Er sorgt sich, dass manch einer die Lust an seinem Job verlieren könnte. Um die Mitarbeiter zu unterstützen, ist ein Sicherheitsdienst im Einsatz. »In erster Linie deshalb, weil oft versucht wurde, mit ungültigen Karten ins Freibad zu gelangen. Die Security-Mitarbeiter unterstützen das Personal aber auch im Innenbereich, wenn es dort Probleme gibt.« (GEA)