Logo
Aktuell Hintergrund

Wie es zum Stromausfall im Reutlinger Klinikum kam

Hätte sich das Klinikum am Steinenberg vor den Folgen des Stromausfalles am Dienstag dieser Woche schützen können? Geschäftsführer Dominik Nusser beschreibt das technische Drama.

Das Klinikum am Steinenberg.
Das Klinikum am Steinenberg. Foto: Stephan Zenke
Das Klinikum am Steinenberg.
Foto: Stephan Zenke

REUTLINGEN. »Gegen so etwas können Sie sich kaum schützen«, sagt Dominik Nusser als Geschäftsführer der Kreiskliniken Reutlingen GmbH mit Blick auf die Ursache des Stromausfalles am Dienstag dieser Woche in Teilen des Klinikums am Steinenberg. Es ist ein technisches Drama gewesen.

»Für die Ertüchtigung eines unserer Server-Räume war ein Dienstleister im Haus, der auch die Elektrik auf den neuesten Stand bringen sollte«, beginnt Nusser zu erzählen. Eigentlich eine harmlose Sache: In einem Serverraum wird gearbeitet, in den anderen laufen die Systeme problemlos weiter - so der Plan. Doch dann soll an einem Schaltschrank etwas passiert sein, was so nicht hätte passieren dürfen. »Ein externer Mitarbeiter des Dienstleisters hat sich mutmaßlich nicht an die geltenden Vorgehensweisen gehalten«, so der Geschäftsführer, »es kam zu einem Kurzschluss, einem Lichtbogen, der glücklicherweise nicht in Richtung des Mitarbeiters, sondern einmal durch die Schaltschränke gesprungen ist«. Der Mensch überlebt, aber die Technik trägt erheblichen Schaden davon.

Da sind nicht nur einfach die Sicherungen rausgeflogen. »Der Lichtbogen hat das komplette Notstromnetz der zwei Server-Räume lahmgelegt«, berichtet der Geschäftsführer. Womit der Zwischenfall ganz klar »ein Thema der Betriebstechnik« gewesen ist. Als der Alarm am Dienstagmorgen gegen kurz nach 9 Uhr sowohl im Klinikum selbst als auch automatisch bei der Leitstelle der Feuerwehr ausgelöst wird, ist eine »armdicke Kupferleitung durchgeschmort«. Durch die Rauchentwicklung haben sich alle Brandschutztüren des betroffenen Bereiches von selbst geschlossen. Geöffnet werden dürfen sie nur durch die anrückende Feuerwehr, die zur Erleichterung aller wenigstens keinen Brand feststellt.

Server-Räume ohne Strom

Aber ohne Strom für die kompletten Server-Räume fallen diverse Computersysteme der Kreiskliniken inklusive der Telefonanlage aus. Dies betrifft nicht nur das Krankenhaus am Steinenberg, sondern auch die Münsinger Albklinik. Um 10.30 Uhr wird die Öffentlichkeit informiert. Die Kreiskliniken melden sich bei der Leitstelle ab. Sofort beginnen mehrere Firmen damit, die Stromversorgung wieder herzustellen.

Dies darf man sich aber nicht so wie in der heimischen Wohnung vorstellen, wo simpel die Sicherung wieder eingedreht und der Computer einfach auf Knopfdruck startet. »Angefahren haben wir die Server ab 12 Uhr. Hunderte Applikationen mussten wieder hochgefahren werden«, erklärt Nusser. »Wir fahren aus Sicherheitsgründen jede Komponente einzeln an - um zu schauen, ob es irgendeine Störmeldung gibt. Und wir haben über 50 Server bei uns stehen«.

Gegen 16 Uhr laufen die Hochleistungsrechner, Datenbankcomputer und so weiter wieder. Kurz nach 17 Uhr meldet sich das Kreisklinikum auch wieder bei der Leitstelle zurück. Weil auch die Beleuchtung im Gebäudeteil A im Erdgeschoss und den Kellern ausgefallen war, unterstützt das Technische Hilfswerk bis spät in die Nacht. Zur Bewältigung des Zwischenfalles tragen neben dem Krisenstab auch das Deutsche Rote Kreuz, der Rettungsdienst und die Feuerwehr bei.

Medizinische Geräte nicht betroffen

Patienten seien zu keiner Zeit gefährdet gewesen, dürften von dem Stromausfall mehrheitlich gar nichts mitbekommen haben. 20 Operationen in Reutlingen und zehn in Münsingen wurden sicherheitshalber verschoben. »Medizinische Geräte waren vom Stromausfall nicht betroffen. Die wesentlichen Geräte sind durch eine Batterie gepuffert«, betont Nusser. Mittlerweile seien diese Operationen »nach medizinischer Dringlichkeit abgearbeitet worden«.

Wie hoch genau der Sachschaden durch den Stromausfall ist, »das können wir noch nicht genau sagen«, meint Nusser - mutmaßlich liege er aber im sechsstelligen Bereich. Für den Geschäftsführer ist es auch wichtig darauf hinzuweisen, dass die vergangenen zwei Ausfälle in den letzten zwölf Monaten »IT-Themen« waren, also vollkommen andere Ursachen hatten. (GEA)