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Wie der Reutlinger OB mit Fake-Accounts umgeht

Gefälschte Profile sind ein lästiges Problem in den sozialen Medien. Auch Oberbürgermeister Thomas Keck bleibt davon nicht verschont. Was hinter den Fake-Accounts steckt und wie der OB dagegen vorgeht.

Wer in den sozialen Medien unterwegs ist, sollte sich vor Fake-Accounts in Acht nehmen.
Wer in den sozialen Medien unterwegs ist, sollte sich vor Fake-Accounts in Acht nehmen. Foto: Alicia Windzio/dpa
Wer in den sozialen Medien unterwegs ist, sollte sich vor Fake-Accounts in Acht nehmen.
Foto: Alicia Windzio/dpa

REUTLINGEN. Digitaler Identitätsklau - insbesondere Politiker und Personen des öffentlichen Lebens sind immer wieder Opfer solcher Diebstähle. Auch Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck bleibt davon nicht verschont. Wiederholt machte er in der Vergangenheit auf sogenannte Fake-Accounts bei Instagram aufmerksam; also auf Profile, dich sich als Thomas Keck ausgeben und seinen Namen sowie Bilder von ihm nutzen. Es tauchten sogar derart häufig Nachahmer auf, dass sich der Oberbürgermeister gezwungen sah, eine Anleitung zum Melden der Konten zu posten.

Täuschend echte Fälschungen

Denn auf den ersten Blick scheinen die Fälschungen echt zu sein. Die Imitatoren nutzen das Profilbild des OBs und kopieren seine Posts. Wer jedoch genauer hinschaut, merkt schnell, dass da etwas nicht stimmen kann. Der Benutzername ist leicht abgeändert, nur wenige Posts sind veröffentlicht, und unter den Fotos steht kein Text. Oft ist es auch nicht möglich, die Beiträge zu kommentieren oder dem Profil eine Nachricht zu schicken.

Nach solchen Fake-Profilen Ausschau halten, diese melden, überprüfen, ob das Konto entfernt wird, auf Nachrichten von Nutzern eingehen, die Keck diese Accounts melden ... All das kostet Reutlingens Oberbürgermeister, der seinen Instagram-Auftritt nach wie vor selbst inszeniert, Zeit. Kostbare Zeit, die der Rathauschef viel lieber damit verbringen würde, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und die Stadt voranzubringen.

Fake-Accounts als Betrugsmasche

Beim Fälschen von Instagram-Profilen handelt es sich nicht um ein Kavaliersdelikt. Hinter der Masche stehen Betrüger. Diese erstellen vermutlich mittels Künstlicher Intelligenz und sogenannter Crawler - Programme, die das Internet automatisch durchsuchen und Daten sammeln - falsche Profile, meint Keck. Oft würden die imitierenden Accounts Nachrichten verschicken und beispielsweise mitteilen, dass sie eine Whatsapp-Gruppe gegründet hätten, um Investitionstipps auszutauschen. Daher liege die Vermutung nahe, dass die angeschriebenen Nutzer um ihr Erspartes betrogen werden sollen. »Fälle, wie der eines Ehepaars aus Heilbronn, das glaubte, Investmenttipps von Günther Jauch zu erhalten, und dabei eine große Summe Geld verlor, sind zum Glück noch nicht vorgekommen«, sagt Keck. Damit dies auch so bleibt, sei es wichtig, Nutzer über derlei kriminelle Machenschaften aufzuklären.

Ärgerlich sei, dass Instagram oft erst spät auf Hinweise zu Fake-Profilen reagiere - wenn überhaupt. »Bei den meisten Meldungen dauert es zwei bis drei Tage, bis die Accounts gelöscht werden. Es gab jedoch auch Fälle, in denen Instagram nur zögerlich reagiert hat«, sagt Keck. Manchmal seien die Löschanträge der Profile sogar abgelehnt worden, weil die Konten angeblich nicht gegen die Gemeinschaftsstandards des Social-Media-Riesen verstoßen. Erst nach einer weiteren Meldung habe Instagram in solchen Fällen reagiert und die Profile gelöscht. »Das ist unbefriedigend, weil die Profile meinen Namen nutzen und auch das Urheberrecht an meinen Bildern verletzen«, so Keck.

Betrüger sitzen oft im Ausland

Von einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft sieht der OB bisher ab. Zu gering seien die Erfolgschancen, die Betrüger tatsächlich zu fassen. Die sitzen vielfach im Ausland und entziehen sich so der deutschen Strafverfolgung. Deshalb sei der schnellste Weg, gegen die Konten vorzugehen, das Meldesystem von Instagram.

Was tun bei einem Fake-Account

Wer selbst einen Instagram-Account hat, kann Fake-Profile per App melden. Dazu einfach den fraglichen Account aufrufen und neben dem Benutzernamen auf das Symbol mit den drei Punkten tippen. Nun »Melden« auswählen und den weiteren Anweisungen folgen. Besitzt man kein eigenes Instagram-Konto, kann man unter help.instagram.com ein Formular ausfüllen und abschicken. (GEA)

Thomas Keck hat bereits mit dem Gedanken gespielt, seinen Account mit einem blauen Haken verifizieren zu lassen. Durch diese Art der Kenntlichmachung können sich Instagram-Nutzer sicher sein, dass hinter Konten auch tatsächlich reale Personen stecken. Aus Sicht des Oberbürgermeisters würde ein blauer Haken aber nicht bedeuten, »dass mein Konto automatisch vor solchen Angriffen geschützt ist.« Dann ist zwar klar, dass sein Account der einzig Richtige ist, Betrüger könnten aber trotzdem falsche Profile erstellen. Und weiterhin nichts ahnende Nutzer hinters Licht führen. (GEA)