REUTLINGEN. Zunächst Julius Vohrer, dann Sohn Clemens mit Schwiegertochter Vildana, immer im Hintergrund Regine Vohrer, die Ehefrau des verstorbenen Marktmitbegründers: Über 20 Jahre war der Reutlinger Weihnachtsmarkt maßgeblich in Vohrer-Hand. Im vergangenen Jahr beschloss die Stadt jedoch, die Organisation des Events ab 2026 nicht gewohnheitsmäßig an die »Marktwerkstadt« zu vergeben, sondern sie auszuschreiben.
Clemens und Vildana Vohrer bewarben sich nicht. Als Hauptgrund gaben sie unter anderem an, dass der Weihnachtsmarkt mit der aktuellen Ausschreibung für die GmbH wirtschaftlich nicht mehr attraktiv sei. Eine gewisse Verstimmung übers städtische Vorgehen war spürbar.
Nur drei Bewerber
Und wer bringt das Marathon-Event an zwei Standorten nun 2026 in die Gassen? Bei der Ausschreibung hat man den Reutlingern offensichtlich nicht die Türen eingerannt. Drei Bewerber sind an den Start gegangen. Letzte Woche sollte - nicht öffentlich - die Entscheidung fallen. Der Favorit ist dem Vernehmen nach kurzfristig abgesprungen.
Ein weiterer Bewerber war kein Geringerer als Stephan Allgöwer. Der Garden-Life-Organisator hat Lust anzutreten, erhielt aber bereits eine Absage für sein Konzept: 54 Stunden non-stop an einem Adventswochenende konzentriert an einem Ort rund um die Marienkirche, mit regionalen Ausstellern - das passte so gar nicht zum ausgefeilten Wunschzettel der Stadt.
Nun sieht es so aus, als ob letztlich ein Mitglied der Högerle-Familie übrigbleibt. Die Schaustellerfamilie hat auf dem Reutlinger Weihnachtsmarkt in der Vergangenheit schon einiges bewegt: Kinderkarussells, das Riesenrad. Auch das Alpendorf und Gastrostände betrieb man schon.
Stadt »im Prozess« der Neuvergabe
Die Stadt befinde sich »noch im Prozess der Neuvergabe des Weihnachtsmarkts ab 2026«, heißt es auf Nachfrage im Rathaus. Und weiter: »Die Vertragsverhandlungen laufen und sollen in absehbarer Zeit erfolgreich abgeschlossen werden.«
Jacqueline Högerle bestätigt auf Nachfrage ihre Bewerbung. Es sei aber nach ihrem Kenntnisstand noch nichts entschieden, wobei sie auf Tour sei und den heimischen Briefkasten länger nicht geleert habe. Verhandelt habe mit ihr aber jedenfalls noch niemand. »Alles ist offen«, sagt sie.
Klingelingeling … dann schauen wir mal, was für Überraschungen das Christkind für 2026 bringt. Und was würden die Vohrers tun, wenn die Verwaltung (doch wieder) auf sie zukäme, weil von den anderen Bewerbern keiner übrig geblieben ist? »Sollte die Stadt das Gespräch suchen, stehen wir selbstverständlich für einen lösungsorientierten Austausch zur Verfügung«, lässt Vildana Vohrer auf Nachfrage wissen. »Wir sind offen für konstruktive Gespräche.« (GEA)

