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Was Stefan Dvorak als Baubürgermeister von Reutlingen anpacken will

Nur zwei Kandidaten sind um diesen Posten im Rennen. Stadtplanungsamtschef Stefan Dvorak rechnet sich noch Chancen aus, obwohl die Grünen das Vorschlagsrecht und die Stuttgarter Stadtplanerin Angelika Weiskopf als Wunschkandidatin haben.

Stefan Dvorak an einem seiner Lieblingsorte, dem Leonhardsplatz. Der langjährige Chef des Stadtplanungsamtes möchte  Baubürgerme
Stefan Dvorak an einem seiner Lieblingsorte, dem Leonhardsplatz. Der langjährige Chef des Stadtplanungsamtes möchte Baubürgermeister werden. Die Entscheidung fällt am kommenden Donnerstag. Foto: Frank Pieth
Stefan Dvorak an einem seiner Lieblingsorte, dem Leonhardsplatz. Der langjährige Chef des Stadtplanungsamtes möchte Baubürgermeister werden. Die Entscheidung fällt am kommenden Donnerstag.
Foto: Frank Pieth

REUTLINGEN. Am 20. Mai entscheidet der Gemeinderat über die Nachfolge von Baubürgermeisterin Ulrike Hotz. Die Fraktion der Grünen und Unabhängigen hat das Vorschlagsrecht, ihre Wunschkandidatin ist die Stuttgarter Stadtplanerin Angelika Weiskopf. Sowohl CDU als auch SPD haben signalisiert, sich ans Vorschlagsrecht halten zu wollen. Ist die Sache für den einzigen Mitbewerber Stefan Dvorak also schon gelaufen? Nein, sagt der Chef des Stadtplanungsamts klipp und klar: »Ich setze auf den demokratischen Prozess. Da haben die Menschen dieser Stadt einen Anspruch drauf.«

Er habe sich schon recht früh entschlossen, sich für das Baubürgermeisteramt zu bewerben, sagt Dvorak – ermutigt durch »namhafte Akteure« der Stadtgesellschaft sowie Mitglieder des Gemeinderates. Und wohl wissend, dass es das Vorschlagsrecht gibt und diesmal die Grünen am Zug sind. Die Ökopartei wollte unbedingt eine Kandidatin, im zweiten Anlauf wurde sie Mitte März mit Angelika Weiskopf fündig. Beirren ließ sich Dvorak davon nicht. »Das Vorschlagsrecht nimmt ja die demokratische Wahl nicht vorweg, und in der Ausschreibung ist davon auch nichts zu lesen.«

Kein »weiter so«

Der 55-Jährige, der seit 15 Jahren das Stadtplanungsamt mit 70 Mitarbeitern leitet, sagt zu seinen Motiven: »Ein ›weiter so‹ kann es nicht geben, die Zeiten haben sich geändert.« Mit dem Dezernentenamt hätte er den notwendigen Gestaltungsspielraum, um »mit Mut und Ideenreichtum einen Beitrag für eine gute Zukunft unserer Stadt zu leisten«.

Dvorak nennt Beispiele, was er anders machen würde. Die Verwaltung müsse die Stadtgesellschaft stärker einbinden, ihre Ideen aufnehmen und ihnen zum Ziel verhelfen – nicht umgekehrt. »Da müssen wir anders denken.« Partizipationskultur sei ihm immer wichtig gewesen. Etwa bei der Entwicklung des neuen Stadtbusnetzes. Viele Vorschläge aus den Bezirksgemeinden seien eingeflossen, was für große Akzeptanz gesorgt habe.

Beispielhaft nennt er die Idee der Biosphärenstadt inklusive Metzgerstraße als Biosphärenstraße, die von den »Köpfen für Reutlingen« kommt. Regionale, nachhaltige, »tolle« Produkte – Textilien inklusive – von der Alb in der Achalmstadt zu präsentieren, könne nicht nur zur »DNA« Reutlingens werden, sondern auch bei der Transformation des Einzelhandels Probleme lösen: »Es ist nicht das, was man in jeder Stadt findet: globale Produkte von der Stange.« Ein Alleinstellungsmerkmal also, und die richtige Antwort auf das Thema Klimawandel noch dazu.

DA WAREN’S NUR NOCH ZWEI

Am Donnerstag, 20. Mai, wählt der Gemeinderat den neuen Baudezernenten (m/w/d). Das Bewerberfeld ist mit Angelika Weiskopf, Leiterin der Abteilung Städtebauliche Planung Neckar im Stuttgarter Rathaus und Wunschkandidatin der Grünen, sowie dem Reutlinger Stadtplanungsamtschef Stefan Dvorak übersichtlich. Nach Vorauswahl und dem Rückzug von Bewerbern lichtete sich das Feld. Als dritter Kandidat war nur noch Lars Bredemeier, Baustadtrat in Elmshorn, übrig. Doch auch er zog am vergangenen Dienstag zurück. (keg)

Kein »weiter so« darf es nach Meinung des Kandidaten beim Thema Mobilität geben. Bisher sei zu sehr auf technische Ansätze – Beispiel Spursperrung Lederstraße – gesetzt worden. »Die Addierung solcher Lösungen führt aber nicht zu dem ganzheitlichen Konzept, das wir brauchen«, kritisiert Dvorak. Das Auto solle nicht verdrängt, sondern durch gute Angebote im Umweltverbund unnötig gemacht werden.

Anpassung an Klimawandel

Mobilität ist für den 55-Jährigen ein Baustein der Stadtentwicklungsplanung, das Stadtbild ein weiterer. Eine Stadt, so seine Devise, muss schön sein. »Das schafft bestenfalls das Gefühl von Heimat.« Er plädiert für einen bewahrenden Umgang mit bestehenden Bauten und die Entwicklung einer Planungskultur, »die zu uns passt und nicht übergestülpt ist von anderen Städten«.

Sollte er zum Baubürgermeister gewählt werden, hieße einer seiner Arbeitsschwerpunkte Anpassung an den Klimawandel. »Da braucht es gute Antworten.« In Reutlingen gebe es eine Wohn- und Gewerbeoffensive, aber keine Freiraumoffensive. Die brauche es aber dringend. »Die Themen Wasser, Boden, Stadtklima müssen höchste Priorität bei der Stadtentwicklung haben.« Er will sich für eine »Versiegelungs-Bilanz« stark machen mit dem Ziel, »der Natur in diesem Jahrzehnt mehr zurückzugeben, als wir ihr nehmen«.

Richtiger Weg: Konzeptvergabe

Als weiteren Schwerpunkt nennt Stefan Dvorak die Schaffung von preiswertem Wohnraum. Allerdings sollte nicht Menge, sondern Qualität den Ausschlag geben. In der Konzeptvergabe für städtische Grundstücke sieht er den richtigen Weg. Statt aufwendiger Wettbewerbsverfahren, an deren Ende Bauträger mit »Entwürfen von der Stange« zum Zug kommen, gibt die Stadt vor, wie gebaut wird. Baugemeinschaften und -genossenschaften können sich bewerben, an sie werden die Grundstücke direkt verkauft. Das spare Kosten, fördere den Mittelstand und die Vielfalt noch dazu. »Da ist nicht ein Haus wie das andere, sondern es entstehen schöne Quartiere, in denen sich die Menschen wohlfühlen.«

Und noch ein Schwerpunkt, der wie alle anderen zur Devise »kein weiter so« passt: Die Verwaltung, sagt Dvorak, muss kundenorientiert agieren. Lange Bearbeitungszeiten wie etwa bei Baugenehmigungen führten zu Unzufriedenheit. Entscheidungen müssten transparent, zeitnah und mit klaren Aussagen getroffen werden. Statt »Laufbögen durch alle möglichen Ämter« zu schicken, sollten sich wöchentlich die Teams zusammensetzen, die den Fall bearbeiten. »Das geht schneller und motiviert die Mitarbeiter.« Und passt zu Dvoraks Führungsstil: »Ich überlasse den Menschen ihre Verantwortung.«

Weiskopf oder Dvorak – das hat der Gemeinderat am Donnerstag, 20. Mai, zu entscheiden. Zwei Tage vorher präsentieren sich die beiden nicht öffentlich im Verwaltungsausschuss, in dem schon die Vorentscheidung fallen könnte. »Ich setze darauf, dass die Qualifikation und eine gute Bewerbung ausschlaggebend sind«, sagt Dvorak. (GEA)