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Aktuell Kirchenwahl

Württembergische Landeskirche: Vernetzung wird eine wichtige Aufgabe sein

In allen 1169 Kirchengemeinden der Württembergischen Landeskirche werden am ersten Advent neben der Landessynode auch neue Kirchengemeinderäte gewählt. Pfarrerin Daniela Reich vom Evangelischen Dekanatamt Reutlingen erklärt im GEA-Interview, worum es geht.

In ganz Württemberg werden am ersten Advent neue Kirchengemeinderäte gewählt, auch in der Marienkirchengemeinde Reutlingen.
In ganz Württemberg werden am ersten Advent neue Kirchengemeinderäte gewählt, auch in der Marienkirchengemeinde Reutlingen. Foto: Frank Pieth
In ganz Württemberg werden am ersten Advent neue Kirchengemeinderäte gewählt, auch in der Marienkirchengemeinde Reutlingen.
Foto: Frank Pieth

REUTLINGEN. In allen 1169 Kirchengemeinden der Württembergischen Landeskirche werden am ersten Advent neben der Landessynode auch neue Kirchengemeinderäte gewählt. Pfarrerin Daniela Reich vom Evangelischen Dekanatamt Reutlingen erklärt im GEA-Interview, worum es geht.

GEA: Wie viele Wahlberechtigte gibt es im Kirchenbezirk Reutlingen und wie kann man wählen?

Daniela Reich: Der Evangelische Kirchenbezirk Reutlingen hat 53.514 Gemeindemitglieder, davon sind 47.221 wahlberechtigt in 17 Kirchengemeinden. Insgesamt sind 154 Kirchengemeinderats-Mitglieder zu wählen. In diesen Tagen werden die Wahlunterlagen per Post verschickt oder vom Gemeindedienst ausgetragen. Man kann per Briefwahl seine Stimme abgeben oder am Wahltag im Wahllokal der Kirchengemeinde wählen.

Konnten genügend Kandidaten für die Wahlen gefunden werden? Und gelingt es, auch neue, junge Kandidaten für ein solches Engagement zu begeistern?

Reich: Viele bisherige Kirchengemeinderats-Mitglieder konnten für eine weitere Amtszeit gewonnen werden. Das ist gut, weil so eine Kontinuität hergestellt werden kann. Auch neue Wahlbewerber wurden gefunden, darunter auch einige junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren. Das ist natürlich toll! Das Finden von Kandidierenden war aber durchaus eine große Aufgabe für die Kirchengemeinden. Eine Kandidatur will gut überlegt sein. Eine Legislatur ist mit sechs Jahren lang und die Veränderungsprozesse, in denen wir uns gerade befinden, sind durchaus herausfordernd. Doch manchmal sind sogar gerade Herausforderungen wie Pfarrplan, Strukturanpassungen oder Immobilienfragen eine Motivation gewesen, um sich zu engagieren.

Wie nehmen Sie die Wahlbeteiligung und das Interesse an den Kirchenwahlen in den vergangenen Jahren wahr?

Reich: Die Wahlbeteiligung lag 2019 im Kirchenbezirk Reutlingen bei 21,55 Prozent. Das ist ein recht gutes Ergebnis für eine Kirchenwahl. Schaut man auf die Wahlbeteiligung in einzelnen Kirchengemeinden, dann waren es von 14 Prozent Wahlbeteiligung in einer kleinen Reutlinger Innenstadtgemeinde bis zu 45 Prozent in einer Gemeinde auf der Schwäbischen Alb.

Was dürfen Kirchengemeinderäte entscheiden?

Reich: Der Kirchengemeinderat und die Pfarrperson(en) leiten gemeinsam die Gemeinde. Zusammen treffen sie alle wichtigen finanziellen, strukturellen, personellen und inhaltlichen Entscheidungen für die Kirchengemeinde. Das Gremium setzt gemeinsam Ziele, gestaltet Kommunikation, erkennt und löst Konflikte gemeinschaftlich. Diese arbeitsteilig und partnerschaftlich ausgeübte Gemeindeleitung ist eine spannende Aufgabe. Sie fordert aber auch Kraft und Zeit. Die Mitglieder des Kirchengemeinderats tragen für viele Aufgaben der Gemeinde die Verantwortung: bei der örtlichen Gottesdienstordnung, beim Kollektenplan, in der Verwaltung des kirchlichen Haushalts und des Gemeindevermögens, beim Bau, der Erhaltung und der Weiterentwicklung der Gebäude, als Arbeitgeber für Voll- und Teilzeitkräfte der Gemeinde, im Pfarrstellen-Besetzungsgremium. Daneben wird sich der Kirchengemeinderat mit der Frage beschäftigen, welche besonderen Schwerpunkte zu setzen sind.

Welche besonderen Herausforderungen werden in den kommenden Jahren auf die Kirchengemeinden und damit auf die Kirchengemeinderäte zukommen?

Reich: Den Zusammenhalt in der Gesellschaft gilt es zu stärken. Die Kirchengemeinden haben da ihren Teil einzubringen, sodass dem einzelnen und der Gemeinschaft geholfen ist, zum Beispiel mit diakonischen Angeboten oder im Bereich der Bildung. Die Zusammenarbeit in den neu zusammengeschlossenen Kirchengemeinden sowie die Vernetzung mit den Nachbarkirchengemeinden wird eine wichtige Aufgabe für die Kirchengemeinden sein. Und es wird um die kirchlichen Immobilien gehen, um den Erhalt attraktiver Gebäude, um Konzentration von Immobilienstrukturen, um den Aufbau von Nutzungsgemeinschaften und um finanzierbare Klimaneutralität. (GEA)

Pfarrerin Daniela Reich

Pfarrerin Daniela Reich ist seit 2019 Referentin beim evangelischen Dekan Marcus Keinath in Reutlingen. Sie unterstützt den Dekan in seinen vielfältigen Aufgaben in der Gesamtkirchengemeinde Reutlingen und im Kirchenbezirk. Außerdem ist sie als Seelsorgerin in einem Gebiet der Neuen Marienkirchengemeinde für Besuche, Taufen, Trauungen und Beerdigungen zuständig. (ce)