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Aktuell Amtsgericht

Verfahren um Randale am Heiligen Morgen eingestellt

Justitia blickt auf 35 Fälle von Spendenbetrug.  FOTO: DPA
Justitia blickt auf 35 Fälle von Spendenbetrug. FOTO: DPA
Justitia blickt auf 35 Fälle von Spendenbetrug. FOTO: DPA

REUTLINGEN. Vier Menschen saßen am Dienstag dieser Woche im Amtsgericht Reutlingen auf der Anklagebank. Versuchte Körperverletzung und ganz besonders Landfriedensbruch wurde ihnen vorgeworfen. Sie selbst sagten nichts zu der Anklage, dafür berichteten Polizisten von dem Geschehen am »Heiligen Morgen«, also am 24. Dezember vor zwei Jahren in der Reutlinger Altstadt.

»Da war viel los, viel Alkohol im Spiel – also alles so wie gewöhnlich«, sagte einer von drei Bereitschaftspolizisten aus Göppingen. Sie waren zur Verstärkung gerufen worden, allerdings nicht im Rahmen des üblichen Gelages, das an diesem Morgen jedes Jahr wieder Tausende vor allem jüngere Menschen magisch anzieht, sondern: »Wir waren für den Sicherheits- und Ordnungsdienst zuständig.« Oder anders ausgedrückt für die Terrorabwehr, wie einer der Polizisten ausführte. Denn ein Jahr zuvor war im Dezember 2016 der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt.

Den ganzen Morgen war in Reutlingen nichts Besonderes vorgefallen, hatten fünf Polizisten am Dienstag Richter Sierk Hamann erläutert. Dann gegen 14 Uhr aber entstand aus einer Nichtigkeit heraus eine Bedrohungslage für drei Polizeibeamten, die zusammen unterwegs waren. Ein Passant wollte einem der Bereitschaftspolizisten mit der Bemerkung »Gib mal Kuli« einen Kugelschreiber aus seiner Oberarmtasche entwenden. Der Kollege des Polizeibeamten wehrte den Versuch ab, wie aus dem Nichts heraus »holte die Person dann zu einem Schwinger aus«, sagte der Kollege. Der Angegriffene konnte dem Faustschlag zwar ausweichen, innerhalb von Sekunden waren aber aus einer nahen Shisha-Bar an die 25 Personen herausgestürmt, die sich an der Auseinandersetzung mit Tritten, Schlägen und Beleidigungen beteiligten.

Eine Frau hatte immer wieder geschrien: »Die schlagen Kinder, die schlagen Kinder.« Und sie meinte damit eindeutig die Polizeibeamten. Die beiden Angegriffenen verteidigten sich schließlich mit einem »Mehrzweckstock« und Pfefferspray sowie dem Ruf nach Verstärkung. Als die dann kam beruhigte sich die Lage weitgehend – aber doch nicht völlig, wie gleich mehrere Videos bewiesen. Eines landete gar im Internet, ein anderes hatte eine Anwohnerin gefilmt. Ihr Kommentar zu einem der Polizeibeamten: »Da kommt einer mit Maschinengewehr – ich bin geschockt.« Ihr abschließendes Fazit: »Frohe Weihnachten, echt, ey.«

Einigermaßen unbeschwert können nun auch die vier Angeklagten Weihnachten feiern – gegen die Auflage, 200 Euro an die Polizeistiftung zu bezahlen, wurde das Verfahren wegen Landfriedensbruch eingestellt. Richter Hamann zur Begründung: Erstens könne nicht nachgewiesen werden, dass es sich bei der Gruppe Angreifer tatsächlich um eine »landfriedensbrechende Menge« gehandelt habe. Und wer wann wie wen geschlagen, getreten, beleidigt habe, sei heute auch nicht mehr zweifelsfrei zu klären.  (GEA)