REUTLINGEN. Kurz vor Weihnachten präsentierten Baubürgermeisterin Angela Weiskopf und Susann Schäfer, Leiterin der Task-Force-Radverkehr im Rathaus, den Radfahrern noch zwei Geschenke an Lindachknoten und ZOB.
Die Planung für die neuralgische Kreuzung Lindachknoten - so man im anstehenden Haushalt Geld dafür findet - sieht vor, dass stadteinwärts der kaum genutzte Gehweg zwischen Lindach-Apotheke und Lederstraße zu einem Radweg mit halbhohem Bordstein umgestaltet wird.
Die Fußgängerampel direkt an der Lederstraße fällt weg. Es bleibt nur der Überweg bei der Lindach-Apotheke. Die dortige Bedarfsampel bekommt allerdings eine feste Phase und pförtnert den Verkehr, damit die Radler aus der Fahrradstraße Hindenburgstraße gefahrloser nach links in die Lindachstraße abbiegen können.
Stadtauswärts sollen die Biker von Kanzlei- und Lederstraße kommend auf der Echazbrücke nur noch die Fahrbahn nutzen. Eine Leitschwelle soll ihre Auffahrt auf den Gehweg verhindern. Allerdings erhalten die Radler aus der Kanzleistraße kommend ihre eigene Grünphase, um die Fahrspur auf der Brücke ohne Autoverkehr passieren zu können.
Kleine Lösung
Die »kleine Lösung« für den Lindachknoten geht auf einen Antrag der grünen Gemeinderatsfraktion zurück. Nachdem der Verwaltungsvorschlag einer Extra-Fußgängerbrücke im Rat aus Kostengründen keine Mehrheit fand, pochte sie dennoch auf Veränderung an der hochfrequentierten Innenstadtkreuzung, an der Autofahrer, Radler und Fußgänger wegen der engen Echazbrücke auf gefährliche Tuchfühlung gehen müssen.
Man hat laut Schäfer eine Lösung gesucht, die möglichst kostengünstig Entlastung schafft. Rund 25.000 Euro soll sie kosten. Ob die Veränderung 2026 tatsächlich umgesetzt wird, werden allerdings erst die anstehenden Haushaltsberatungen zeigen.
ZOB-Durchfahrt wird legal
Vor allem die Reutlinger Stadtverkehrsgesellschaft RSV hegt Bedenken, deshalb hieß es bisher am ZOB: Durchfahrt verboten. Nun will die Verwaltung - ebenfalls einem Grünen-Antrag folgend - einem weitverbreiteten Radler-Wunsch nachkommen und den (ehemaligen) Zentralen Omnibusbahnhof, für Radfahrer freigeben. Zum Einfädeln nach rechts auf die Eberhardstraße soll an der Ampel ein Grünpfeil angebracht werden. Zur Querung der Straße nach links soll die vorhandene Fußgängerampel beim Skaterpark um eine Radverkehr-Signalisierung erweitert werden.
Die Veränderung legalisiert eine Wegführung, die Radfahrer schon lange nutzen. Entsprechend positiv begrüßten viele Räte das Vorhaben. Doch es gab auch andere Stimmen: CDU-Rat Frank Glaunsinger sieht die Freigabe »sehr kritisch«. Er fürchtet, dass je nach Stadtbahn-Trassenführung wieder mehr Busverkehr am ZOB kursiert und »der Radverkehr dann nicht mehr 'rauszukriegen ist« und regte an, den Trassenentscheid abzuwarten.
Erich Fritz (FWV) sorgt sich zudem um die Busfahrer, die bei verstärkter ZOB-Frequentierung auch noch auf Radfahrer achtgeben müssten.
Regine Vohrer (FDP) ist grundsätzlich für die Freigabe, möchte aber, dass - zu einer klaren Kennzeichnung auch für querende Fußgänger - ein Radweg eingezeichnet wird. Schon jetzt sei das Areal bei der Stadthalle gefährlich für Passanten, nicht nur, weil die Radler kreuz und quer führen: »Da wird durchgebrettert.«
Wie am Lindachknoten will sich die Verwaltung auch am ZOB anschauen, wie sich die Lage entwickelt. Kleine Maßnahmen, die wenig kosten, sieht man auch als Interimsangebot. »Mit der Stadtbahn werden wir ohnehin alles neu sortieren müssen«, betonte Susann Schäfer. (GEA)



