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Verabschiedung von Landrat Reumann: Immer weit in die Zukunft geschaut

Der Reutlinger Landrat Thomas Reumann geht nach 16 Jahren Amtszeit in den Ruhestand.   FOTO: PIETH
Der Reutlinger Landrat Thomas Reumann. FOTO: PIETH
Der Reutlinger Landrat Thomas Reumann. FOTO: PIETH

Der Landkreis Reutlingen ist oft vorne dran – als Modell-Landkreis bei Gesundheitsversorgung und Inklusion, beim Thema Nachhaltigkeit, bei der Wasserstofftechnologie oder auf anderen Gebieten. Damit ist auch die größte Leistung des scheidenden Landrats beschrieben: Thomas Reumann hat nie nur das Jetzt verwaltet, sondern stets weit in die Zukunft geschaut. Welche Herausforderungen tauchen auf, welche Bedürfnisse haben die Bürger? Wie muss sich der Kreis aufstellen, um den Anforderungen gerecht zu werden? »Wir müssen Antworten geben«, hat er oft gesagt.

Diese Antworten manifestierten sich meist rascher als anderswo in erfolgreich umgesetzten Konzepten – Reumann forderte nicht nur von sich selbst ein hohes Tempo, sondern auch von seinem Team im Landratsamt. Er hat den Kreistag mitnehmen müssen, die örtlichen Kommunalpolitiker und die Bürger: Sie samt ihrer Kompetenz zu gewinnen für neue Ideen, gehörte ebenfalls zu Reumanns Stärken. Nicht für alle Wege, die er vorgeschlagen hat (und die der Kreistag oft mehrheitlich mitgegangen ist), bekam er Beifall: Die Umstrukturierung der Kreiskliniken beispielsweise stößt nicht nur vielen Bürgern vor allem im Ermstal auf, sondern auch etlichen Kreisräten.

Reumann ist Stratege genug, um nicht mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Wenn die Zeit noch nicht reif war für ein Projekt, hat er gewartet oder Kompromisse gesucht. Kompromisslos ablehnend war er nur bei einem Thema: der Reutlinger Stadtkreisgründung, beantragt unter der damaligen Oberbürgermeisterin Barbara Bosch. Reumann bekam die Genugtuung, dass der Landtag das Ansinnen mehrheitlich ebenfalls zurückwies. Wäre es anders gekommen, hätte es ihn tief getroffen in seiner Überzeugung, dass die Großstadt und ihr Umfeld gemeinsam besser vorankommen als getrennt.

Humor braucht man vermutlich in diesem Amt, und der scheidende Landrat hat ihn reichlich. Gäste wies er gern darauf hin, dass sie sich im »schönsten Landkreis der Bundesrepublik« befinden. Ob der Superlativ stimmt, sei dahingestellt – Thomas Reumann hat in jedem Fall viel dazu beigetragen, dass es sich im Kreis Reutlingen gut leben lässt. (GEA)

gisela.saemann@gea.de