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Uraltbäume: Wie sie in Reutlingen erhalten werden

Die Baumriesen im Reutlinger Wasenwald müssen stetig kontrolliert und gepflegt werden. Die Ältesten sind bald 400 Jahre alt.

Sehenswert:  die Baumriesen  im Wasenwald.
Sehenswert: die Baumriesen im Wasenwald. Foto: fop
Sehenswert: die Baumriesen im Wasenwald.
Foto: fop

REUTLINGEN. Die uralten Eichen im und um das Tiergehege im Wasenwald sind »ein Schatz direkt in Reutlingen«: Dies machte Marcus Pietruschinski vom Baumpflegeteam Bodensee im jüngsten Bauausschuss einmal mehr deutlich. Die Begeisterung des Experten für den Eichenhain ist umso bemerkenswerter als er auch sonst viel mit schönen Bäumen zu tun hat: Der diplomierten Fachagrarwirt für Baumpflege und Sanierung betreut auch das Arboretum auf der Insel Mainau.

Die ältesten Reutlinger Schätze wurden vermutlich schon 1648 gepflanzt – als Dank für den Westfälischen Frieden. Der Hain - seit 2006 auch als Naturdenkmal erfasst - sei ein »intaktes Ökosystem«, weil alte und jüngere Bäume beieinander stehen und ganz unterschiedliche Mikrohabitate bieten, so der Experte. Verfall ist hier Grundlage für neues vielfältiges Leben: Im ausgehöhlten Stamm am Fuße eines Riesen können Marder oder Siebenschläfer Quartier machen. Ein Feuerschwamm an einem verletzten Stamm kann bis zu 300 Käferarten beherbergen.

Der »Festplatz« der Reutlinger

Dass der Ort auch kulturhistorisch spannend ist, daran erinnerte Dr. Heike Jacob, stellvertretende Fachgebietsleiterin Natur-, Arten- und Bodenschutz im städtischen Tiefbauamt: Eine Eintragung in einer Stadtchronik von 1893 bezeichnet den Ort als »Festplatz der Reutlinger«. Der 4,3 Hektar große Eichenhain, in dem auch einige Linden zu finden sind, war lange Zeit auch ein Fest für Vierbeiner. Schweine wurden früher ins Areal gelassen, damit sie sich den Bauch mit Eicheln vollstopfen können. Die Lindenblüten verwendeten die Reutlinger für die Teeherstellung.

Die Wasenwald-Attraktion macht aber auch jede Menge Arbeit. Bei der Pflege gehe es nicht nur darum, die wertvollen Alt- und Uraltbäume zu erhalten, sagte Jacobi, sondern auch um die Gewährleistung der Verkehrssicherheit. 1,8 Millionen Besucher jährlich im Wasenwald seien »eine hohe Verantwortung«. Rund 190 Bäume und Gehölze werden derzeit regelmäßig kontrolliert – außertourlich auch nach Unwettern.

Neben dem Erhalt der Bäume ist Verkehrssicherheit zentrales Thema.
Neben dem Erhalt der Bäume ist Verkehrssicherheit zentrales Thema. Foto: fop
Neben dem Erhalt der Bäume ist Verkehrssicherheit zentrales Thema.
Foto: fop

Sicherungsrelevant seien dabei solche, die Straßen-, Wege- oder eingerichtete Aufenthaltsbereiche tangieren – unabhängig davon, ob sie eingezäunt sind oder nicht. Teils wird dabei der Hubsteiger eingesetzt. »Frühzeitiges genaues Hinschauen erspart die Fällung«, sagte Pietruschinski.

Mittel für den Erhalt des Schatzes

In vergangenen drei Jahren wurden satte 250.000 Euro für die Überwachung und Wiederherstellung der Verkehrssicherheit – etwa durch die Entfernung von Totholz oder den Einbau von Kronensicherungen – investiert. Eine Kostenprognose für die kommenden Jahre möchte man im Amt nicht geben. Gleichwohl wird in der Mitteilungsvorlage für die »fortlaufende Bereitstellung ausreichender Finanzmittel im Ergebnishaushalt« geworben, um den »außergewöhnlichen Baumbestand« zu erhalten. (GEA)