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Trude Heck blickt zum 90. mit OB Keck zurück: »Irgendwas nicht ganz falsch gemacht«

Die 90-jährige Gertrud Heck war mehr als 75 Jahre aktiv im Reutlinger Naturtheater: als Darstellerin, Regisseurin, Kostümbildnerin und Nachwuchs-Betreuerin.

Der Reutlinger OB Thomas Keck gratuliert Gertrud Heck zum 90. Geburtstag.
Der Reutlinger OB Thomas Keck gratuliert Gertrud Heck zum 90. Geburtstag. Foto: Steffen Schanz
Der Reutlinger OB Thomas Keck gratuliert Gertrud Heck zum 90. Geburtstag.
Foto: Steffen Schanz

REUTLINGEN. »Wie es sich gehört hat,« sind der Jubilarin spätestens zur Taufe zwei Vornamen mit auf den Lebensweg gegeben worden: Gertrud und Mathilde. Den Mittelnamen hat sie von ihrer Patentante, erklärt Gertrud Heck, geborene Klein, auf Nachfrage des Reutlinger Oberbürgermeisters Thomas Keck. Der überreicht ihr zum 90. Geburtstag am 14. Juli Blumen, Wein, Saft und Tee. Gemeinsam erinnern sich die gebürtige Reutlingerin und der OB an vergangene Zeiten. Ihr Fazit: »Irgendwas han i ed ganz falsch g'macht.«

Das schließt sie etwa daraus, dass heutige Großmütter sie noch immer mit »Dande« ansprechen, erzählt die rüstige Rentnerin mit strahlenden Augen. Bekannt ist die zweifache Mutter und vierfache Oma als »Trude«. Obgleich ihr stets wichtig war, dass die Jugend Rücksicht, Pünktlichkeit und Sorgfalt lernt, betont sie: »Ein Kinderschreck war ich nie.« Aber auch Sachen sollte man schützen - »Kostüme«, übersetzt ihr Sohn Ulrich Heck. Viele davon hat seine Mutter in unzähligen Stunden ehrenamtlicher Arbeit selbst entworfen und genäht. Als Urgestein des Reutlinger Naturtheaters weisen sie auch Wände und Vitrinen in ihrer Wohnung im Ringelbachgebiet aus: Unter Urkunden und Statuetten findet sich da ein »Oscar« von ihren »Theaterkindern«. Mehr als 75 Jahre ihres Lebens war sie im Amateurtheater aktiv, weshalb sie und ihr 2020 verstorbener Mann Willy schon 1988, damals noch von Ministerpräsident Lothar Späth, Ehrennadeln des Landes Baden-Württemberg verliehen bekamen.

Die erste Rolle spielte sie 1941

Anna und Otto Klein hatten ihr einziges Kind schon früh ans gehobene Laienspiel herangeführt: Ein Schwarz-Weiß-Foto zeigt sie als blonde Sechsjährige mit aufgeweckten Knopfaugen in ihrer ersten Rolle im Reutlinger Naturtheater - 1941 als Blumenmädchen in Ernst von Wildenbruchs Schauspiel »Die Rabensteinerin«. Sie erinnert sich an Auftritte im Wohnzimmer in der Sickenhäuser Straße, im Landhaus Müller im Betzinger Dörfle und »im Gymnasiumsgarten« des List - während die Gebäude im Wasenwald nach der Bombardierung 1945 neu entstanden.

Wie viele Rollen folgten, kann sie nicht mehr sagen. Ein dickes grünes Album, das Ulrich »Legendenbuch« nennt, hilft der Erinnerung auf die Sprünge: Fotos zeigen Inszenierungen der »Jungfrau von Orléans« und des »Schneider von Ulm«; Trude ist in Carl Zuckmayers »Fröhlichem Weinberg«, als Räubertochter im »Wirtshaus im Spessart« und als Wirtin im »Weißen Rössl« zu sehen. Oft umrahmt von Vater Otto, Mutter Anna und später ihrem Willy, der zunächst als Gast ins Naturtheater gekommen war. Auch die gemeinsamen Söhne Ulrich (60) und Thomas (67) sind dort von Kindesbeinen an in verschiedenen Rollen zu sehen - ersterer ist bis heute bei den Wasenwaldfestspielen aktiv. Trude Heck führte auch Regie und gilt als personifiziertes Register des Kostümfundus - doch 2020 zog sie sich nach dem Umzug ins ehemalige Gaststättengebäude zurück. Wenn die 90-Jährige an ihrem Jubeltag mit OB Keck die aktuellen Produktionen bespricht, wird klar: Niveau schätzt sie ebenso wie eine liebevolle Ausstattung.

Krieg, Bomben und ein besonderer 10. Geburtstag

»Es waren schöne Jahre«, sagt Gertrud Heck. Auch wenn sie als Kind Krieg und Bombardierungen erschütterten, so erinnert sich die einstige Gartentorschülerin gern an ihren 10. Geburtstag: Zur Zeit der französischen Besatzung war wegen des Nationalfeiertags jenseits des Rheins erstmals die Ausgangssperre verkürzt. »Da hab ich mir eingebildet, das war wegen mir.« Später arbeitete sie beim »Trikot-Wendler«, als Muster-Näherin und Teilzeit-Model, und kümmerte sich neben ihren Söhnen um sämtliche kinderlosen Onkel und Tanten.

Nachdem ihr Willy im Ruhestand war, nutzten beide die Zeit, um auf ausgedehnten Reisen ihre einstige »Ersatzschwester« Trudi, die gleichaltrige Cousine, die als Krankenschwester in die USA ausgewandert war, zu besuchen. »In New York, Washington, Atlanta und Dallas haben wir alles gesehen, was wichtig war«, schwärmt die bekennende Nachteule. (GEA)