REUTLINGEN-BETZINGEN. Stefan Dvorak, Leiter des Amts für Stadtentwicklung und Vermessung, sprach am Ende der Betzinger Bezirksgemeinderatssitzung zum Thema Regional-Stadtbahn von einer Sternstunde der Demokratie. Das war es tatsächlich. Die Ortschaftsräte hatten die Qual der Wahl zwischen zwei Trassenvarianten. Die über die Wildermuth-Siedlung war nur deshalb erneut ins Spiel gekommen, weil es das Gremium und mit ihm viele Bürger wünschten. Ihre Vorteile liegen auf der Hand: die bessere Erschließung des Orts, aber auch die Einbindung des Mobilitätspunktes Betzinger Bahnhof, der dem Ortschaftsrat so sehr am Herzen liegt.
Dennoch haben sich die Räte gegen die Wildermuth-Variante und für die Alte Bahntrasse entschieden. Jeder Einzelne hat diese Entscheidung ganz allein für sich getroffen und dabei, das war aus den Wortmeldungen herauszuhören, schwer mit sich gerungen. Die Ratsmitglieder wollten das Beste für Betzingen herausholen, aber dem Gesamtprojekt nicht schaden. Aus diesem Grund haben sie am Ende Abstriche gemacht, die sicherlich schmerzen.
Gerade in Zeiten, in denen sich egoistisches Denken und Partikularinteressen breit machen, ist das Betzinger Abstimmungsverhalten bemerkenswert und kann durchaus dem Reutlinger Gemeinderat zur Nachahmung empfohlen werden: Das Gremium hat gesamtgesellschaftliche Verantwortung übernommen, das Wohl der Allgemeinheit im Blick behalten und eigene Befindlichkeiten hintangestellt - Hut ab! Dass die Fraktionszugehörigkeit im größten Vorort einmal mehr keine Rolle gespielt hat und das Votum einstimmig ausfiel, macht das Ganze noch besser, denn es erhöht die Akzeptanz beim Bürger.
Bemerkenswert in der Sitzung war noch etwas anderes. Der Zweckverband ist zunehmend mit Kritik und haltlosen Unterstellungen von Projektgegnern konfrontiert, selbst Fakten werden infrage gestellt. In Betzingen gab es dagegen durch die Bank höchstes Lob für die Arbeit des Verbands - sowohl, was die technische Seite angeht als auch für die, so der Tenor, beispielhafte Bürgerbeteiligung. Dass auch mal jemand Danke sagt und ihnen mit Respekt begegnet, haben die Zweckverbands-Mitarbeiter nur verdient. (GEA)
ulrike.glage@gea.de

