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Tierschutz-Kampagne gegen Geflügelhof Zeeb aus Sickenhausen: Das sind die Folgen

Tierschützer hatten Frank Zeeb am Dienstag öffentlich der Tierquälerei bezichtigt. Bis auf einen Vorwurf war keine der Anschuldigungen haltbar. Doch die Veröffentlichungen haben trotzdem eine Lawine losgetreten. Was die Vorwürfe gegen den Eierhof in Sickenhausen für den Betrieb bedeuten und wie es der Familie jetzt geht.

Tief getroffen von den Vorwürfen und dem beschädigten Ruf: Frank Zeeb (rechts) und sein Sohn Daniel. Das Foto zeigt sie im Kalt-
Tief getroffen von den Vorwürfen und dem beschädigten Ruf: Frank Zeeb (rechts) und sein Sohn Daniel. Das Foto zeigt sie im Kalt-Scharraum, umgeben von Hennen der braunen Rasse. Foto: Frank Pieth
Tief getroffen von den Vorwürfen und dem beschädigten Ruf: Frank Zeeb (rechts) und sein Sohn Daniel. Das Foto zeigt sie im Kalt-Scharraum, umgeben von Hennen der braunen Rasse.
Foto: Frank Pieth

REUTLINGEN-SICKENHAUSEN. Seit Dienstag herrscht auf dem Geflügelhof Zeeb Ausnahmezustand. An diesem Tag ist die Tierschutzorganisation Aninova mit einer Pressemeldung an die Öffentlichkeit gegangen, in welcher sie Frank Zeeb der Tierquälerei bezichtigt. Zweimal waren Aktivisten im Mai nachts illegalerweise in Zeebs Ställe eingedrungen, hatten Fotos und Videos angefertigt. Aus dem Kontext gerissen wirken diese Aufnahmen schockierend. Doch das Veterinäramt konnte bei einer Überprüfung nur einen Missstand feststellen - und dieser ist schon längst behoben. Auch bei »regelmäßigen und unangekündigten Kontrollen im Rahmen der KAT-Zertifizierung« konnten keine Verstöße festgestellt werden, heißt es auf eine GEA-Anfrage. Das KAT-Logo bekommen nur Eier aus Betrieben, die sich an »strenge Auflagen für die Tierhaltung und die Hygiene« halten, »die über die Vorgaben der EU hinausgehen«.

Diese Herstellung von Öffentlichkeit, flankiert von Bildern und Videos auf Social Media, war nur die Spitze der Aninova-Kampagne gegen den Hof. Wenige Tage zuvor hatte die Organisation bereits alle Einzelhändler angeschrieben, die Zeeb mit Eiern beliefert. Insgesamt rund 50 sind dies in der ganzen Region, sagt der Landwirt. »Sechs haben bislang gesagt, dass wir sie vorerst nicht mehr beliefern dürfen«, sagt Zeeb. Aber keiner habe die Zeeb-Eier unwiderruflich aus dem Sortiment genommen. Es handle sich vor allem um Edeka-Märkte in Tübingen. »Die haben Angst, dass Tierschützer vor ihrem Laden demonstrieren«, sagt Zeeb.

Angst vor Reaktion der Tierschützer

Im Schreiben von Aninova, das dem GEA vorliegt, wird subtil Druck gegen Zeebs Kunden aufgebaut. Sie werden »eindringlich« aufgefordert: »Beenden Sie jegliche Geschäftsbeziehung mit dem Geflügelhof Zeeb. Nehmen Sie die Eier dieses Betriebs unverzüglich aus ihrem Sortiment. Fordern Sie den Geflügelhof schriftlich dazu auf, Ihr Unternehmen umgehend von der Partnerliste seiner Website zu entfernen.« Und weiter: »Die öffentliche Nennung Ihres Namens auf der Seite eines tierschutzwidrig arbeitenden Betriebs stellt ein erhebliches Reputationsrisiko dar.« Auf die immensen wirtschaftlichen Schäden angesprochen, die Frank Zeeb nun drohen, sagt Jan Peifer, der Vorstandsvorsitzende von Aninova dem GEA: »Es wird in Deutschland niemand gezwungen, einen Hühnerbetrieb aufzubauen.«

Die Zeebs sind tief getroffen von den Ereignissen, sagt Frank Zeeb, dem man sogar am Telefon anhört, wie die vergangenen Tage an ihm gezehrt haben. Vor allem am Tag der Veröffentlichung seien viele Mails mit wütenden Beschuldigungen bei ihnen eingegangen. »Wissen Sie ... das hat unseren Ruf so beschädigt«, sagt er. Dabei denkt er auch an seine drei Söhne. Mindestens der älteste, Daniel, will den Betrieb, den einst der Großvater gründete, übernehmen. Aber man habe auch Solidarität erlebt, sagt der ehemalige Bezirksbürgermeister Zeeb, der bei der vergangenen Kommunalwahl erneut mit viel Abstand Stimmenkönig im Dorf geworden war. Er habe viele Zuschriften bekommen, Karten mit »Bleibt stark!« in seinem Briefkasten gefunden, viele Mails erhalten, in denen ihm der Rücken gestärkt wurde. »Die Sickenhäuser kennen uns«, sagt er gerührt. Viele Schulklassen haben seinen Geflügelhof schon besucht, Zeeb geht sehr offen mit seiner Arbeit und seinem Betrieb um.

Braune Hennen auf dem Hof von Frank Zeeb.
Braune Hennen auf dem Hof von Frank Zeeb. Foto: Frank Pieth
Braune Hennen auf dem Hof von Frank Zeeb.
Foto: Frank Pieth

Und auch Kollegen halten zu ihm, erzählt er weiter. Die Einzelhändler, die seine Eier aus dem Sortiment genommen haben, werden nun von Landwirten beliefert, deren Eier ebenfalls das »Ländeier«-Siegel tragen. Und diese Kollegen hätten den Marktleitern klar kommuniziert: Sie liefern, um die durch Zeeb entstandene Lücke zu füllen. Aber sobald der Sickenhäuser wieder ins Sortiment kommen kann, ziehen sie sich zurück. »Ich bin den Kollegen unglaublich dankbar für diese Solidarität«, sagt Frank Zeeb. Ob er rechtlich gegen Aninova vorgeht? Mindestens Hausfriedensbruch dürfte vorliegen. Zeeb sieht vermutlich davon ab. »Ich tendiere eher dazu, mich in Zukunft über den Verband einzusetzen.« So sei beispielsweise eine neue Gesetzgebung sinnvoll, die Ställe und Tiere besser vor Eindringlingen schützten »und es am Ende möglich macht, dass so etwas als Einbruch verfolgt werden kann«.

Anzeige bei Staatsanwaltschaft eingegangen

Bei der Staatsanwaltschaft Tübingen ist »eine Strafanzeige der Organisation Aninova gegen nicht näher benannte Verantwortliche des Geflügelhofes Zeeb eingegangen«, bestätigt Staatsanwalt Lukas Bleier. Inhalt seien die »bereits in der Presse veröffentlichten Vorwürfe«. Wie es weitergeht? »Das Polizeipräsidium Reutlingen (Arbeitsbereich Gewerbe und Umwelt) wurde mit den erforderlichen Ermittlungen beauftragt, insbesondere mit der Einholung eines veterinäramtlichen Gutachtens.«

Die Rasse »Sandy«

Auf den Videos der Tierschützer sind nur weiße Hennen zu sehen, deren Federkleid sehr mitgenommen aussieht: Hennen der Rasse »Sandy«, sie legen cremefarbene Eier. »Vor rund acht Jahren war das die beste Henne, die man sich vorstellen konnte«, sagt Frank Zeeb. Eine Kreuzung zwischen brauen und weißen Hennen. »Die Tiere haben sich nicht in den Ecken geballt und erdrückt, haben die Eier ins Nest gelegt, hatten ein gutes Gefieder.«
Die Nachfrage nach »Sandy« sei dann aber so hochgegangen, dass sich der Züchter, um genügend Nachschub liefern zu können, bei den Kreuzungen an einer »Sandy«-Linie aus dem Osten bedient habe. Und so wurden die ersten »Sandy«-Hennen gezüchtet, die große Probleme bezüglich des Federpickens aufwiesen. »Ich dachte erst, ich hab einen Fehler gemacht«, erinnert sich Frank Zeeb. Man habe neues Futter ausprobiert, die Tränken umgebaut. Aber nichts habe geholfen.
Erst als er vor zwei Jahren eine neue braune Herde auf den Hof bekam, bemerkte er: Diese Hennen leben unter denselben Bedingungen ohne Federpicken - »an den Lebensumständen hier kann es also nicht liegen«. Da man Junghennen mit einem Jahr Vorlaufzeit bestellen muss, kamen aber nochmal zwei Herden »Sandy«-Hühner zu Zeeb, der dort insgesamt rund 13.000 Hennen hält. »Aber ab nächstem Jahr haben wir nur noch braune Hennen in den festen Ställen«, sagt Zeeb.
Lediglich im Mobilstall werde er weiter »Sandy« halten, »damit die Nachfrage nach weißen Eiern bedient wird«. Der Züchter habe ihm aber auch versprochen, das Problem mit dem Federpicken wieder zu beheben. (kk)

Auf der Instagram-Seite von Aninova wurden seit Dienstag mehrere Beiträge veröffentlicht, mit Bildern und Videos aus Zeebs Ställen. Da diese Aufnahmen nachts angefertigt wurden, befinden sich die Tiere im Stall und nicht auf der großen Wiese, die ihnen tagsüber zur Verfügung steht. Auf den Bildern sind nur weiße Hennen zu sehen, keine braunen. Diese weiße Rasse tendiere aufgrund von Genetik zum Federpicken, was ihnen ein krankes Aussehen verleihe, erklärt Frank Zeeb. Aus Sicht des Kreisveterinäramts Reutlingen liegt hier kein Versagen von Zeeb vor. Er habe sich bemüht, das Problem in den Griff zu kriegen, sagt Amtsleiter Dr. Thomas Buckenmeier im Gespräch mit dem GEA. Der Stromdraht, der auf einem weiteren Video zu sehen ist, war laut Frank Zeeb nur wenige Tage angebracht. Damit wollte er verhindern, dass sich die Jungtiere - wie in den Vorjahren - in den Ecken ballen und sich gegenseitig erdrücken.

Sehen mitgenommener aus, als ihre braunen Artgenossen im Nachbarstall: die weißen Hennen bei Frank Zeeb. Die Tierschützer haben
Sehen mitgenommener aus, als ihre braunen Artgenossen im Nachbarstall: die weißen Hennen bei Frank Zeeb. Die Tierschützer haben nur diese Hennen gefilmt. Foto: Frank Pieth
Sehen mitgenommener aus, als ihre braunen Artgenossen im Nachbarstall: die weißen Hennen bei Frank Zeeb. Die Tierschützer haben nur diese Hennen gefilmt.
Foto: Frank Pieth

Die Anbringung dieses Drahts war gesetzeswidrig und wurde auch vom Veterinäramt bemängelt. Aninova schreibt auf Instagram: »Auf unsere Anzeige hin kontrollierte das zuständige Veterinäramt den Betrieb und stellte massive Mängel fest. Dem Betreiber wurden Auflagen erteilt – unter anderem die sofortige Entfernung der Stromzäune.« Von massiven Mängeln kann laut Dr. Thomas Buckenmeier aber keine Rede sein. Außer der Stromdraht-Sache sei nichts bemängelt worden. »Bei den Kontrollen gab es nichts Weiteres zu beanstanden.« (GEA)