REUTLINGEN. Gegen die, vom Gemeinderat kürzlich beschlossene Erhöhung der Hundesteuer in Reutlingen regt sich Widerstand. Hundebesitzer, Tierschützer, der Tierschutzverein und das Tierheim Reutlingen unterstützen eine Online-Petition dagegen. Bis zum Redaktionsschluss hatten bereits mehr als 1.300 Menschen diese Petition unterzeichnet. Darin wird gefordert, dass die Hundesteuererhöhung in dieser beschlossenen Form gekippt wird, »um den Tierschutz zu unterstützen und Tierfreundinnen und Tierfreunde zu entlasten«, wie es im Text zur Petition heißt.
Das Tierheim Reutlingen hat nahezu gleichzeitig eine Mitteilung veröffentlicht, in der es sich gegen den Beschluss des Gemeinderates wendet und vor den Folgen einer solchen Steuererhöhung für die Hunde und ihre Besitzer warnt. Darin heißt es unter anderem: Generell werde es für das Tierheim schwieriger, bei höheren Steuern Hunde an neue Besitzer zu vermitteln. Das gelte in höherem Maße für die sogenannten Listenhunde und schwer vermittelbare Tiere. Dazu schreibt das Tierheim: »Die geplante Erhöhung der Hundesteuer in Reutlingen ab 2026 trifft ausgerechnet diejenigen Hunde am stärksten, für die wir als Tierheim ohnehin schon enorm viel leisten. Schwer vermittelbare Tiere und sogenannte Listenhunde, die bei uns sorgfältig vorbereitet und trainiert werden, um ihren Wesenstest zu bestehen und damit offiziell nicht mehr als gefährlich zu gelten.«
Tierheim: Höhere Steuern sorgen für weniger Vermittlungen von Hunden
Zu den sogenannten Listenhunden gehören Rassen, die allgemein unter dem Überbegriff »Kampfhunde« bekannt geworden sind. Auch der Begriff »Gefahrenhunde« wird benutzt. Diese Rassen stehen auf gesetzlichen Listen, in denen Rassen wie American Staffordshire- oder Pitbull-Terrier vermerkt sind, denen ein erhöhtes Aggressionspotenzial zugeschrieben wird. Diese Listen entstanden nach Vorfällen in den 1990er-Jahren.
Zur anstehenden Steuererhöhung führt das Tierheim weiter aus: »Die Stadt will damit eine Lenkungsfunktion erreichen. In der Realität bedeutet das mehr Listenhunde im Tierheim, weniger Vermittlungen, höhere Kosten.« Sollte das Tierheim diese Mehrbelastung nicht mehr stemmen können, würde die Verantwortung für die Hunde in die Hände der Stadtverwaltung fallen. Das Tierheim weiter: »Denn dann muss die Stadt selbst diese Hunde aufnehmen, mit ihnen trainieren, auf den Wesenstest vorbereiten und langfristig versorgen.« Zudem fühlt sich das Team des Tierheims vom Rathaus übergangen: »Es wäre wünschenswert gewesen, unser Wissen und Kompetenz in diesen Fragen mit einzubeziehen, bevor eine solche Entscheidung gefällt wird.« Deshalb wird ein dringendes Gespräch mit der Stadtverwaltung Reutlingen gefordert.
Tierschutzverein: Diese Hunde wird es immer geben
Die Vorsitzende des Reutlinger Tierschutzvereins, in dessen Verantwortung auch das Tierheim liegt, geht noch einen Schritt weiter. Christl Nossek-Lausecker hat Reutlingens Finanzbürgermeister Roland Wintzen einen Brief geschrieben, der dem GEA vorliegt. Darin bedauert sie, dass der Tierschutzverein zur neuen Hundesteuer nicht gehört wurden. Die neue Satzung biete keinen Anreiz für Hundehalter, »sich gewissenhaft mit Chancen und Risiken der Tierhaltung auseinanderzusetzen und durch Wesenstests oder Hundeführerscheine einen Beitrag zur öffentlichen Sicherheit und Ordnung leisten«. Gleichzeitig werde es »diese Hunde immer geben, egal, wie hoch die Steuer angesetzt wird«.
Christl Nossek- Lausecker schreibt weiter, dass andere Kommunen in Deutschland ganz anders vorgingen. So gebe es Steuerbefreiungen für Absolventen von Hundeführerscheinen und für Gefahrenhunde aus Tierheimen mit bestandenem Wesenstest.
Petition: Andere Kommunen setzen Signale
Die Initiatorin der Petition gegen die Reutlinger Hundesteuererhöhung, Alexandra Pieper, sagte im Gespräch mit dem GEA: »Ich rechne durch die höhere Steuer mit mehr Hunden, die im Tierheim abgegeben werden, weil sich die Menschen das nicht mehr leisten können oder wollen. Zudem ist mit mehr einfach ausgesetzten Hunden zu rechnen.« Die neue Hundesteuer werde ab 2026 zudem dafür sorgen, dass weniger Hunde aus dem Tierheim vermittelt würden. Auch sie nannte Kommunen, die ganz anders vorgingen und damit nicht nur ein Signal gesendet, sondern auch Veränderungen bewirkt hätten. Sie nennt als Beispiele Cuxhaven, Mannheim, Malsfeld und München.
In Reutlingen gibt es aktuell insgesamt 4.525 gemeldete Hunde. Davon sind 59 sogenannte Listenhunde (Stand: Oktober 2025). (GEA)

