Logo
Aktuell Hochschulen

Theologische Hochschule Reutlingen investiert neun Millionen in die Zukunft

Die private Hochschule in Reutlingen für Theologie, Soziale Arbeit und Diakonie sowie Christliche Spiritualität hat für 120 Studierende saniert und neu gebaut.

Der neu gestaltete Eingangsbereich mit Linde und runder Sitzbank drumherum führt nun in die Theologische Hochschule Reutlingen.
Der neu gestaltete Eingangsbereich mit Linde und runder Sitzbank drumherum führt nun in die Theologische Hochschule Reutlingen. Foto: Frank Pieth
Der neu gestaltete Eingangsbereich mit Linde und runder Sitzbank drumherum führt nun in die Theologische Hochschule Reutlingen.
Foto: Frank Pieth

REUTLINGEN. Rund neun Millionen Euro hat die Theologische Hochschule Reutlingen (THR) kurz vor ihrem 150. Geburtstag in Um- und Neubauten gesteckt. Jetzt am Ende des Sommersemesters feiern die ersten 15 Absolventinnen und Absolventen des dort neu angebotenen Studiengangs »Soziale Arbeit und Diakonie« ihren Abschluss. Nicht nur baulich ist an der Ecke Friedrich-Ebert- und Hagstraße in der Nähe der Pomologie nun alles auf dem neuesten Stand. Auch inhaltlich blicken Rektor Christof Voigt und die elf Professoren und Professorinnen sowie 25 weiteren Lehrkräfte optimistisch nach vorn.

»Das Bauprojekt hat uns in den vergangenen Jahren stark beschäftigt«, erklärt der Philosoph und Altphilologe, der seit 2021 die von der Evangelisch-methodistischen Kirche getragene private Hochschule leitet. Der Meßstetter Architekt Martin Bühler hat dazu für rund fünf Millionen Euro das große Jugendstilgebäude aus dem Jahr 1905 saniert und um einen angrenzenden Zwischenbau erweitert. Der verbindet das bisherige Lehrgebäude nun mit dem einstigen Verwaltungs- und Bibliotheks-Pavillon. So ergeben mehrere Häuser einen modernen Campus, der die Öffnung der Institution nach Außen spiegelt. Dahinter im Park ließ die THR für weitere rund vier Millionen ein neues Studierendenwohnhaus - mit Tiefgarage - erstellen. Dem hat der Hochschulrat zuletzt den Namen der US-Bürgerrechtlerin »Rosa Parks« verliehen. Dort leben 29 Personen in 13 Wohneinheiten.

Der Neubau, das Studierendenwohnhaus der THR, ist nun nach US-Frauen- und Bürgerrechtlerin Rosa Parks benannt.
Der Neubau, das Studierendenwohnhaus der THR, ist nun nach US-Frauen- und Bürgerrechtlerin Rosa Parks benannt. Foto: Frank Pieth
Der Neubau, das Studierendenwohnhaus der THR, ist nun nach US-Frauen- und Bürgerrechtlerin Rosa Parks benannt.
Foto: Frank Pieth

Sowohl hinsichtlich ökologischer Energieversorgung und Barrierefreiheit als auch in Bezug auf die technische Ausrüstung sowie Einrichtung mit der offenen Cafeteria und Mensa ist man nun auf der Höhe der Zeit. »Die Lehrräume sind technisch top ausgestattet, mit Smartboards und Möglichkeiten für Hybrid-Veranstaltungen«, erklärt Voigt. Der Hochschule als Bauherrin sowie dem Architekten war »eine hohe Aufenthaltsqualität für Begegnungen« wichtig. Dazu gehört auch, dass in der Cafeteria am 12. Juli etwa öffentlich ein Spiel der Frauen-Fußball-EM übertragen wird.

»Bücherei ist Tag und Nacht zugänglich«

Gegen den Trend hat die Hochschule bei dieser Sanierung ihre Bibliothek erweitert. Statt des Rektorenzimmers bietet die im ersten Stock des Pavillons nun zwischen Regalen schöne Arbeits- und Studienplätze. Mit Blick ins Grüne. Mit den zu Semesterbeginn im September beendeten Um-, An- und Neubauten waren bis vor Kurzem allerhand Umzüge verbunden: Im bisherigen Lehrgebäude »Haus Schempp« ist nun statt der Küche und Mensa über dem »Wesley«-Pub die Verwaltung eingezogen; die Mensa mit dem nun aus Pfullingen angelieferten Essen und die Cafeteria finden im angrenzenden lichten Sichtbeton-Zwischenbau mit moderner Kunst attraktive Räume.

Gegen den globalen Trend hat die THR ihre Bibliothek mit der Sanierung sogar erweitert.
Gegen den globalen Trend hat die THR ihre Bibliothek mit der Sanierung sogar erweitert. Foto: Frank Pieth
Gegen den globalen Trend hat die THR ihre Bibliothek mit der Sanierung sogar erweitert.
Foto: Frank Pieth

Anne-Kathrein Erban hat für den Eingangsbereich einen Triptychon zum Leitspruch »Gelebter Glaube - befreites Denken - tätige Liebe« geschaffen. Und Nadine Kristens »Spektrum - Die Farben der Verbindung« führt passend zum Titel hinüber in die nun durch bodentiefe Fenster viel hellere und durch Belüftung auch bei Hitze angenehm kühle Aula - für Vorlesungen und Gottesdienste. Davor führt das durch weiße Wände aufgehellte Foyer zu Vorlesungsräumen, Archiv und die für Lehrpersonal wie Studierende Tag und Nacht zugängliche Bücherei.

THR-Rektor Christof Voigt im neuen Zwischenbau mit moderner Kunst an den Sichtbetonwänden und Cafeteria-Bereich.
THR-Rektor Christof Voigt im neuen Zwischenbau mit moderner Kunst an den Sichtbetonwänden und Cafeteria-Bereich. Foto: Frank Pieth
THR-Rektor Christof Voigt im neuen Zwischenbau mit moderner Kunst an den Sichtbetonwänden und Cafeteria-Bereich.
Foto: Frank Pieth

Finanziert werden die für eine private Hochschule hohen Investitionen über Zuschüsse der Trägerin, der United Methodist Church, Studiengebühren (110 Euro pro Monat), Spenden und Stiftungen, aber zum größten Teil über Kredite. »Es war schon ein komisches Gefühl, die ganzen Unterlagen gegenzuzeichnen«, sagt Christof Voigt, »erhebend wegen der Vorfreude, aber auch im Bewusstsein, dass wir das zurückzahlen müssen.« Das werde die THR über einen sehr langen Zeitraum belasten.

»Theologie bleibt unser Kernprogramm«

Doch er, sein Team und die Träger sind optimistisch: »Die Theologische Hochschule will Zukunft gestalten!« Gebäude und Technik bilden die Grundlage für »unser Konzept eines modernen und zukunftsorientierten Studienbetriebs«. Seit 20 Jahren staatlich akkreditiert, habe sich die Hochschule weiter geöffnet: Unter 120 Studierenden bereiten dort gerade 40 Bachelor- und Masterabschlüsse in Theologie vor - »das bleibt unser Kernprogramm« -, dazu sind derzeit 45 in Vollzeit oder dual im Bachelorstudiengang »Soziale Arbeit und Diakonie« eingeschrieben. Und weitere 40 studieren berufsbegleitend »Christliche Spiritualität im Kontext verschiedener Religionen und Kulturen«.

Das denkmalgeschützte Jugendstilgebäude aus dem Jahr 1905 gehört nun zu einem modernen Campus.
Das denkmalgeschützte Jugendstilgebäude aus dem Jahr 1905 gehört nun zu einem modernen Campus. Foto: Frank Pieth
Das denkmalgeschützte Jugendstilgebäude aus dem Jahr 1905 gehört nun zu einem modernen Campus.
Foto: Frank Pieth

Was kann ich mit einem Theologiestudium anfangen?, werde er immer wieder gefragt. »Bis hinauf zum Bundespräsidenten sind Theologen in vielen Berufsfeldern gefragt.« Nicht zuletzt als Journalisten und Personaler. Dazu gehöre schließlich auch Anthropologie, Ethik und Religionssensibilität. Wichtig ist Voigt, alle Kulturen und Religionen sowie Religionslose anzusprechen. Selbst Studierende mit zum Teil schlimmen Fluchterfahrungen fühlten sich auf dem Campus sicher. Wohnungen werden zum Teil auch an Externe vermietet, darunter Geflüchtete aus Eritrea ebenso wie aus der Ukraine. »Die Integration ist umso leichter, je näher die an uns dran sind«, ist der 61-Jährige überzeugt. So ermögliche diese offene und liberale Hochschule interessante Debatten und positive Erfahrungen. »Die stärkste Werbung ist, wenn Leute, die hier sind, erzählen, wie toll das ist.« (GEA)