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Temporeich und aberwitzig: Moo’spritzer laufen in Sondelfingen zu großer Form auf

In ihrem neuen Mundartschwank laufen die Moo’spritzer wieder einmal zu großer Form auf

Wer ist hier wer? Und wer führt was im Schilde? Im neuen Stück der Moo’spritzer geht es gewohnt vergnüglich drunter und drüber. Foto: Elke Schäle-Schmitt
Wer ist hier wer? Und wer führt was im Schilde? Im neuen Stück der Moo’spritzer geht es gewohnt vergnüglich drunter und drüber.
Foto: Elke Schäle-Schmitt

REUTLINGEN-SONDELFINGEN. Für viele Menschen in Sondelfingen und Umgebung ist es seit rund einem Vierteljahrhundert ein Fixpunkt im Jahreskalender: das neue »Stückle« der Moo’spritzer. Am Samstag feierte die Sondelfinger Mundarttruppe in der ausverkauften Festhalle die umjubelte Premiere von »Hosch du an Vogl?«

Der Dreiakter des jungen Schweizer Autors Atréju Diener nimmt gleich zu Beginn volle Fahrt auf – durchaus im wörtlichen Sinne. Nachdem Profibankräuber Karle (Matthias Bader) und sein dußliger Gelegenheitskomplize Robert (Thomas Linster) ihr Fluchtfahrzeug gegen die Wand gefahren haben, rennen die beiden finsteren Gestalten – verfolgt von Blaulicht und Martinshorn – einmal längs durch die Festhalle.

Wohin mit der Beute?

Wohin mit der Beute? Und wo sich selbst verstecken? Die Polizei ist ihnen dicht auf den Fersen! In ihrer Not landen sie in den Geschäftsräumen von Daniel Kracher (Martin Röder), Inhaber der Agentur »Werbekracher«. Der ist gerade auf der Suche nach Investoren und Neukunden für seine mäßig erfolgreiche Werbeagentur, und schon nimmt das Verwechslungsspiel seinen aberwitzigen Lauf.

Zu Höherem berufen

Dass Kracher nach einem schmerzhaften Knockout nicht mehr klar bei Sinnen ist und sich in der Folge für einen Flugbegleiter, Bettwarenverkäufer oder Bonbonvertreter hält, stiftet ebenso zusätzlich Verwirrung wie der sprechende Papagei Fridolin, den Krachers Ehefrau Sarah (Gabi Widmaier) im Büro ihres Mannes parkt, solange oben in der Wohnung der Maler (Sebastian Radke) am Werk ist.

Der wiederum fühlt sich zu Höherem berufen, spricht mit französischem Akzent und betont, er sei »Disainör«, nicht einfach Handwerker. Das Tohuwabohu ist angerichtet – und wird von weiteren Figuren genüsslich auf die Spitze getrieben.

Fräulein Hofmann (Angelika Honnens) soll heute ihren ersten Arbeitstag in der Agentur absolvieren. Die Influencerin Katy Flowervalley (Sibylle Schenk), jung, unbedarft, (angeblich) erfolgreich – »I hon 225.777 Follower« –, träumt von einer Modelkarriere und erhofft sich Unterstützung von Kracher. Die Nonne Constanza (Sabine Külschbach) wurde von ihrer Oberin geschickt, um mit Kracher eine Werbekampagne zu konzipieren, die wieder mehr junge Leute in die Kirche lockt.

Zudem kommt mindestens eine weitere schwarze Tasche ins Spiel, die der mit der Beute zum Verwechseln ähnlich sieht, was zur Belastungsprobe für die beiden Ganoven wird. Während Robert nur noch weg will, denkt Karle nicht daran, ohne die Beute abzuhauen. Doch wo ist die überhaupt?

Schlag auf Schlag

Die Gags fallen Schlag auf Schlag, das Publikum amüsiert sich köstlich, immer wieder gibt es Szenenapplaus, bis das Ganze in begeisterten und verdienten Schlussbeifall mündet.

Margrit Bühler, Moo’spritzer-Schauspielerin fast der allerersten Stunde, ist zum ersten Mal nicht mehr auf der Bühne dabei, aber weiterhin hinter den Kulissen für die Maske zuständig. Dort hat sie während des Stücks alle Hände voll zu tun mit all den Verwandlungen, denen insbesondere Martin Röder in seiner Vierfachrolle unterworfen ist. Und auch Sebastian Radke ist auf ihre Schminkkünste angewiesen.

Ob Bühler den Auftritt als Darstellerin vermisst? »Eigentlich nicht«, meint sie nach der Vorstellung, »alles hat einmal ein Ende.« Außerdem hat sie festgestellt: »Hinter den Kulissen ist man nicht weniger aufgeregt als auf der Bühne.«

Spielfreude und Wortwitz

Dass etliche der Schauspieler kurz vor der Premiere von einer Grippewelle erfasst wurden, wie Külschbach bei der Begrüßung berichtet, ist ihnen während des Auftritts nicht anzumerken. Sie geben durch die Bank alles in Sachen Spielfreude, Schlagfertigkeit und Wortwitz, sehr zum Vergnügen der Zuschauer. (GEA) 

RESTKARTEN

Weitere Vorstellungen in der Sondelfinger Festhalle sind an den kommenden beiden Wochenenden. Die Samstagsveranstaltungen sind komplett ausgebucht, für Sonntag, 10. November und 17. November, jeweils 19 Uhr, gibt es noch einige Restkarten. www.d-moo-spritzer.de