REUTLINGEN. Alle Jahre wieder strömen die Menschen am Heiligen Morgen nach Reutlingen – zur inzwischen legendären Party in der Altstadt. Mehr als 4.000 Feierwütige bevölkerten das Zentrum bis in den Nachmittag hinein, schätzten das Ordnungsamt und die Polizei. Gefühlt war die Menschenmasse sogar noch deutlich größer.
Gegen 11 Uhr war an der Ecke Oberamtei- und Kanzleistraße kaum noch ein Durchkommen. »Fast zu voll«, kommentierten manche, die auf den letzten Drücker noch Geschenke besorgt haben und sich mit hochgehaltenen Tüten durch die Menge schoben. Die meisten waren jedoch aus einem anderen Grund gekommen: Wiedersehen mit alten Freunden, Plaudern, gemeinsames Anstoßen mit Glühwein oder Bier. Das gesellige Beisammensein stand klar im Vordergrund. In diesem Jahr sorgte sogar leichter Schneefall für eine besonders weihnachtliche Kulisse. »Es war das erste Mal seit 2007, dass es am Heiligen Morgen geschneit hat«, erinnert sich Torben Engelhardt, stellvertretender Leiter des Ordnungsamts.
Für viele ist das Treffen am Heiligen Morgen längst feste Tradition, bevor es am Nachmittag weiter zu den Familien nach Hause geht. Einige warfen sich für das morgendliche Event eigens in Schale: Eine Gruppe erschient komplett als Weihnachtsmänner – inklusive Bärten. Andere trugen Rentier-Haarreife, Weihnachtspullover oder sogar ganze Lichterketten am Körper.
Doch nicht nur im sogenannten »Bermudadreieck« war viel los. Auch der Marktplatz hat sich inzwischen als Treffpunkt etabliert. Zwar gut gefüllt, wirkte es dort dennoch etwas luftiger als rund um die Ecke Oberamtei-/Kanzleistraße, insbesondere beim »Nullsechs« und dem Café Benz.
Elfjähriger DJ legt auf
Insgesamt haben sich 18 Gastro-Betriebe am Heiligen Morgen beteiligt. Vom Marktplatz bis zum »Rappen«, wo das Treffen einst seinen Anfang nahm, schenkten zahlreiche Außenbars kalte und heiße Getränke aus. Auch neuere Orte wurden gut angenommen – etwa die Pop-up-Bar »Dezembar« an der Marienkirche, die Cafébar »C'est la Vie« in der Metzgerstraße oder das »Village« in der Gartenstraße. In letztgenannter Location legte der erst elfjährige Ludwig Vöhringer aus Bad Urach als DJ auf, der zuletzt mit Auftritten im Reutlinger Nikolausdorf für Aufmerksamkeit gesorgt hatte.
Die Stimmung blieb weitgehend friedlich. Abgesehen von ein paar alkoholbedingten Ausfällen kam es laut Polizei zu keinen nennenswerten Vorfällen. »Uns sind keine besonderen Vorkommnisse bekannt«, sagte ein Polizeisprecher. »Es war eine schöne Stimmung, alle hatten ihren Spaß«, fasste Engelhardt vom Ordnungsamt das Spektakel zusammen, das um 15 Uhr offiziell endete.
Terrorsperren, Autos und Lkw als Blockade
Im Vergleich zum Vorjahr wurden die Sicherheitsmaßnahmen noch einmal deutlich verstärkt. 16 neue Terrorsperren hatte die Stadt Mitte des Jahres angeschafft. Nachdem sie zuletzt den Weihnachtsmarkt in der Altstadt abgesichert haben, blieben sie für den Heiligen Morgen liegen und bildeten einen Ring um das Geschehen. »Wo noch Lücken waren, haben wir punktuell Fahrzeuge als Blockaden aufgestellt«, sagte Engelhardt. Dafür wurden unter anderem Autos der Polizeibehörde sowie Lkw der Technischen Betriebsdienste zweckentfremdet. Beamte des Polizeipräsidiums Einsatz zeigten Präsenz und patrouillierten durch die Straßen.
Kritischer dürften vor allem die direkten Anwohner auf den Heiligen Morgen blicken. Auf Straßen und Plätzen blieben zahlreiche Flaschen und Müll zurück. Nachdem die Feierwütigen abgezogen waren, begann für die Wirte Teil zwei ihrer Arbeit: Sie räumten ihre Außenbereiche auf und sammelten die Hinterlassenschaften des langen Partymorgens auf. (GEA)


