REUTLINGEN. Erst am Montagabend war klar: Der Plan des RTL-Supertalent-Halbfinalisten Dani Suara, Ende der Woche in Reutlingen aufzutreten, klappt. »Die Aktion ist genehmigt«, teilt der in Backnang aufgewachsene Stuttgarter Sänger, Songwriter und Musikproduzent erfreut mit. Am Freitag, 27. Juni, wird er durch »Sing mit mir - Dani Suara« zwischen 15 und 18 Uhr auf dem Marktplatz Menschen zum Mitmachen animieren. Aus einer »wilden Idee« und »One-Man-Show« wird damit eine offizielle Kundgebung.
Er selbst singe »75 Prozent rein Playback« und überzeuge »nur mit meiner Stimme, meinen Songs und Emotionen«. Da sein »inklusives Straßenmusikprojekt« auch Passanten - ohne Vorbereitung und Instrumente - ansprechen soll, brauchte das Vorhaben eine Genehmigung. Denn Verstärker und Mikros sind wie in Reutlingen in den meisten anderen der neun Städte, die er in diesem Sommer ansteuern will, bei Straßenmusikern normalerweise nicht erlaubt.
Der Hintergrund zum Projekt
Über den Auftritt im Herzen von Reutlingen möchte er »Berührungsängste abbauen, Kunst sichtbar machen und Talenten eine Chance geben«, erklärt der gelernte Versicherungskaufmann, »unabhängig von Alter, Herkunft oder Religion.« Gerade dort, wo Menschen im Alltag oft vorbeieilen, soll gemeinsames Singen und Musizieren »eine Atmosphäre der Offenheit, Freude und sozialen Verbindung« schaffen.
Die Initialzündung zu »Sing mit mir« gab dem 43-Jährigen der Anschlag am 20. Dezember 2024 auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt, als ein Autofahrer in die Menge raste, dabei sechs Menschen tötete und mehr als 323 verletzte. Aus dem Schock heraus beschloss er, solchen anscheinend spontanen Gewalttaten spontane gute Aktionen entgegenzusetzen. Gegen soziale Spaltung, Einsamkeit und digitale Isolation helfe »echte Begegnung«, glaubt der Mann, der sich selbst lachend als »Spinner« bezeichnet. Als Spätberufener, der »fürs Musikbusiness eigentlich viel zu alt ist«, hofft er, dass sein Projekt Menschen zusammenbringt: unmittelbar, analog, mit der universellen Sprache der Musik.
Ungewöhnliche Biografie
Als »Testlauf« bezeichnet Suara das Partnerstädtefest in Backnang, zu dem er vor zwei Jahren engagiert wurde. Als er später allein zuhause saß, dachte er sich, »geh raus, mach was«. Etwas, das einen Unterschied im positiven Sinne macht. So versucht er nun, seine relative Bekanntheit durch die jüngste und letzte Staffel der TV-Show, in der er noch im April zu sehen war, so produktiv wie altruistisch zu nutzen. Bisher hat er in Planung und Technik 3.000 Euro gesteckt. Für die Teilnehmer und Zuschauer ist der Auftritt frei. Das ist ihm die Vision wert, die er damit verfolgt: »Musik als soziales Bindeglied und Möglichkeit, Barrieren zu überwinden« – frei von Ausgrenzung oder Vorbehalten.
»Je größer die Probleme auf der Welt geworden sind, desto schlechter ging's mir«, blickt der Mann zurück, der von Missbrauch berichtet, weshalb er als Kind und Jugendlicher zum Teil auf der Straße und zum Teil im Heim gelebt habe. Dem Fußball galt zunächst seine Leidenschaft, erst mit 28 Jahren wandte er sich der Musik zu. Bis vor zwei Jahren ging er noch »einer normalen Arbeit« nach - aber die habe ihn schließlich krank gemacht.
Vision: Unvergessliches schaffen statt zu funktionieren
Gerade heute, »in Zeiten von Kriegen, Unruhen, Hungersnöten, Anschlägen und sich dauernd wiederholender Horrormeldungen«, sei es für ihn als Hochsensiblen nochmal wichtiger geworden, »ein friedliches Zeichen zu setzen«. So versteht er seine Straßenmusik auch nicht als bloße Darbietung, sondern lädt ein: »Jede und jeder darf mitmachen, mitsingen, mitfühlen.« Sprache oder musikalische Erfahrung spielten keine Rolle. »Jede Stimme zählt. Auch deine«, sagt er, denn: »Wir müssen in dieser Zeit füreinander einstehen und aufeinander zugehen!«
Er wünscht sich, dass Menschen sich anmelden, wenn sie etwas zu »Sing mit mir« beitragen wollen, aber Sänger und Instrumentalisten dürfen gern auch so vorbeikommen. »Ich versuche, jedem die Chance zu geben, die er mag. Stelle mich bei jedem Künstler gern als Zweitstimme hin und mache einfach mit.« Mal nicht funktionieren, mal schlicht loslegen - und dabei möglichst etwas unvergessliches Erschaffen, das ist seine Vision.
Und wenn ihn darüber hinaus noch jemand spontan für ein »Happening« am Freitag ab 20 Uhr in einem Biergarten oder bei einem Gartenfest buchen wollte, ist er auch dafür offen. (GEA)
Anmeldungen unter info@dani-suara.de oder 015758181114

