Tauwetter zeichnet sich aktuell freilich keines ab. Weder im meteorologischen noch im politischen Sinne. Denn die Causa Bundesstraßensanierung hat bekanntlich auch innerhalb des Rommelsbacher Ortschaftsrats für frostige Verhältnisse gesorgt. Ausgelöst wurde die kleine Eiszeit von Georg Leitenberger, der - ohne Wissen seiner Ratskollegen - einen Protestbrief ans Stuttgarter Regierungspräsidium und das Reutlinger Baudezernat geschrieben und beide Ämter mit Fragen rund um die künftige Umleitungsstrecke konfrontiert hat.
Peinlich berührt
Diese Eigenmächtigkeit wird ihm - weil für Rommelsbach womöglich mit Nachteilen verbunden - seitens seiner kommunalpolitischen Mitstreiter übel genommen. Sie nämlich empfinden Leitenbergers Alleingang als Vertrauensbruch, derweil man im Stuttgarter Regierungspräsidium seinen Brief und hier besonders den Vorwurf der Informationsverschleppung sowie die mit ihm verbundene kritische Presse peinlich berührt zur Kenntnis genommen hat. Indes: Man hat nicht etwa nur zur Kenntnis genommen, sondern flugs reagiert. Sozusagen postwendend.Verfasser des Antwortschreibens ist der Leiter des Referats für Straßenwesen und Verkehr, Einar Dittmann, der sich keine mangelnde Transparenz nachsagen lassen möchte. »Wie bei uns bei sämtlichen Straßensanierungsmaßnahmen üblich«, lässt er Georg Leitenberger und in Kopie auch Baubürgermeisterin Ulrike Hotz wissen, »haben wir bereits frühzeitig vor Beginn der Maßnahme, in diesem Fall im März 2012, im April 2012 und im Januar 2013 Verkehrsbesprechungen unter Beteiligung der betroffenen kommunalen Verkehrsbehörden (hier: Stadt Reutlingen, Stadt Metzingen, Landratsamt Reutlingen und Landratsamt Esslingen) und der Polizei durchgeführt. Bei diesen Terminen wurde das Umleitungskonzept im Detail erörtert, wurden Verbesserungsvorschläge diskutiert und ins Konzept eingearbeitet.« Und: Es wurde die Leistungsfähigkeit der Umleitungsstrecke, also deren Aufnahmekapazität für den erwarteten Mehr-Verkehr, unter Hinzuziehung eines »theoretischen Worst-Case-Szenarios« geprüft.
Belastung der Kniebisstraße
Ein solches sieht vor, dass samt und sonders alle Autos einer ausgeschilderten Umleitung folgen und sich nicht teilweise - wie gemeinhin üblich - alternative Ausweichrouten suchen. Berechnet wurde besagtes Szenario, so Dittmann, auf der Basis »prognostizierter Spitzenstundenwerte« im Zeitfenster zwischen 16.30 und 17.30 Uhr. Ergebnis: »Die Verkehrsbelastung in der Kniebisstraße liegt im Umleitungsfall bei circa 1 500 Kraftfahrzeugen pro Stunde gegenüber 900 (davon 31 Lastwagen) ohne Umleitung, jeweils als Summe aus beiden Fahrtrichtungen betrachtet.«Dittmanns Brief schließt mit der Feststellung, dass »selbstverständlich niemand sämtliche Unwägbarkeiten voraussehen kann, insbesondere nicht bei einem so komplexen dynamischen System wie dem Straßenverkehr. Bei Bedarf werden wir daher auch während der Ausführung unserer Maßnahme im Detail nachsteuern. Mit freundlichen Grüßen.« Sorgfaltspflicht demnach erfüllt? Aus Stuttgarter Sicht sehr wohl. Dafür sprechen nicht zuletzt die von Einar Dittmann erwähnten Vorbereitungssitzungen im März und April 2012. Dass an ihnen keine Vertreter der betroffenen Bezirksgemeinden teilnehmen durften - es ist scheint's behördliche Gepflogenheit.
Womit der Schwarze Peter jetzt im Reutlinger Rathaus Einzug gehalten hätte, wo er im Übrigen schon seit geraumer Zeit von einigen Rommelsbacher Räten vermutet wird. Denn, fragen Kritiker, warum hat die gut informierte Verwaltung das Gremium erst Mitte Januar 2013 über den geplanten Baubeginn nebst Umleitung in Kenntnis gesetzt? (GEA)
