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Aktuell Vorsorge

Stromausfall: Wie Reutlingens Notfallplan aussieht

Feuerwehr und Stadtverwaltung sind vorbereitet, falls die Energieversorgung lahmgelegt würde. Doch auch die Eigenverantwortung aller Bürger ist gefragt.

Reutlingens Feuerwehrkommandant Stefan Hermann (links) und Krisenplaner Mathias Hoba neben einem der mobilen Stromerzeuger, der
Reutlingens Feuerwehrkommandant Stefan Hermann (links) und Krisenplaner Mathias Hoba neben einem der mobilen Stromerzeuger, der an Notfall-Treffpunkten zum Einsatz kommen kann. Foto: Stephan Zenke
Reutlingens Feuerwehrkommandant Stefan Hermann (links) und Krisenplaner Mathias Hoba neben einem der mobilen Stromerzeuger, der an Notfall-Treffpunkten zum Einsatz kommen kann.
Foto: Stephan Zenke

REUTLINGEN. »Der flächendeckende Stromausfall ist ausgeplant«, sagt mit Mathias Hoba ein Mann, den Katastrophen aller Art beruflich beschäftigen. Der Sachgebietsleiter für die integrierte Krisenmanagement-Planung bei der Feuerwehr Reutlingen steht mit Blick auf die Folgen der lahmgelegten Energieversorgung für Teile Berlins gelassen Frage und Antwort, was die Region Reutlingen betrifft. Selbstverständlich gebe es Planungen sowie technische Mittel zur Bewältigung so eines »Blackouts«. Doch er und Feuerwehrkommandant Stefan Hermann machen auch klar, dass es keine Krisenvorsorge wie ein Rundum-Sorglos-Paket geben kann. Gefragt sei stets auch ein gewisses Maß an Eigenverantwortung und Vorbereitung aller Bürger.

Zunächst erklärt Hoba, dass das Reutlinger Stromnetz »bildlich gesprochen wabenförmig aufgebaut ist. Es gibt mehrere groß dimensionierte Kabelstränge - nicht nur ein Hauptkabel«. Dies bedeute, »wenn es in einem Bereich zu einem Ausfall kommt, dann fällt nicht in der ganzen Stadt der Strom aus«. Ok, das war auch in Berlin zu sehen, wo allerdings gleich mehrere Bezirke im Dunkeln standen. »Im Idealfall hat man Stadtteile, die von zwei Seiten aus versorgt werden«, ergänzt der Krisenmanager. Angesichts der großen Bedeutung einer funktionierenden Stromversorgung haben sich mehrere Behörden darüber viele Gedanken gemacht.

Es gibt einen Musternotfallplan für den Stromausfall

Nachdem die Thematik sehr komplex und umfangreich ist, wurde unter der Federführung des Regierungspräsidiums Karlsruhe schon vor Jahren ein landesweiter Arbeitskreis gebildet. Dessen Ziel: Die Erarbeitung einer Muster-Notfallplanung als Hilfsmittel für alle betroffenen Stellen. Dieses Dokument liegt unter dem Titel »Musternotfallplan Stromausfall« öffentlich im Internet und ist auch die Grundlage der Überlegungen vor Ort. Stromausfälle bis zu acht Stunden sind demnach Fall A, bis zu einem Tag gelten als Fall B. »Bei Ausfällen von länger als 24 Stunden reden wir von einem dauerhaften Ausfall, sprich Fall C«. Wichtig zu wissen ist zweierlei: Wieder für Strom in den Leitungen zu sorgen, ist Sache des Netzbetreibers. Aufgabe der Feuerwehr ist laut Hoba »die Abmilderung der Folgen«.

Dazu gehört die Einrichtung von Notfall-Meldepunkten, das können etwa Feuerwehrfahrzeuge an wichtigen Orten sein, die Notrufe entgegennehmen. Das zweite Element des lokalen Krisenmanagements sind Notfall-Treffpunkte. Für den Fall einer eingeschränkten Energieversorgung, sei es durch Stromausfall, Ausfall von Heizungen oder Kommunikationsnetzen und Mobilfunknetze, hat die Feuerwehr zentrale Anlaufstellen - sogenannte Leuchttürme - geplant, an denen Ansprechpartner der Behörden zur Verfügung stehen und in lebensbedrohlichen Notlagen Hilfe geleistet werden kann.

Bereits vor drei Jahren hat die Stadt sechs mobile Stromerzeuger in Betrieb genommen. Den Beschluss für die Anschaffung fasste der Gemeinderat bereits im Jahr 2021. Umgesetzt wurde er im Frühjahr 2022, zu Beginn der durch den russischen Überfall auf die Ukraine drohenden Energiemangellage. Knapp 600.000 Euro haben die Geräte gekostet, die im Mai 2022 und Januar 2023 an die Feuerwehr ausgeliefert worden waren.

Kein Ersatz, sondern Notstrom

Bei der Präsentation der Geräte wies Finanzbürgermeister Roland Wintzen auf eine Tatsache hin: Der erzeugte Strom ist kein Ersatz, sondern Notstrom: »Um die Stadt flächendeckend mit Strom zu versorgen, müssten wir ganz grob hochgerechnet 1.600 solcher Geräte anschaffen«. Die vorhandenen Stromerzeuger werden bei den Einsatzabteilungen der Freiwilligen Feuerwehr in der Stadtmitte, Ohmenhausen, Mittelstadt, Oferdingen, Gönningen und Sickenhausen stationiert und von ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen, unterstützt von Fachleuten der Stadtwerke Reutlingen, betrieben.

Notfall-Treffpunkte könnten in den meisten Reutlinger Stadtteilen Turn- und Festhallen sein. »Die Feuerwehr kann innerhalb von zwei Stunden Licht und Wärme plus eine Notfallunterbringung darstellen«, sagt Hoba. Auf Lager sind beispielsweise 250 Feldbetten. Klar ist: Die Feuerwehr kann nicht überall sein. »Die Eigenverantwortung muss gestärkt werden: Wie schütze ich mich eigentlich selbst«, sollte sich jeder Bürger fragen. »Wir sind für den Notfall da - aber alleine der Stromausfall sollte noch keiner sein«, betont Hermann. Informationen zur Vorsorge gibt es beispielsweise auf der Website der Stadt Reutlingen. (GEA)

http://reutlingen.de/blackout