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Steht der Reutlinger Echazhafen auf der Kippe?

Immer wieder äußerte jüngst das Kulturzentrum franz.K die Sorge, dass sein Open-Air-Gelände durch die Regionalstadtbahn gefährdet sein könnte. Die Stadt will das Areal vorerst nur für drei Jahre weiter verpachten. Wie ist der Stand?

Feiern unter zu Live-Musik alten Platanen: Auch um die Bäume sorgen sich die franz.K-Macher, die in das Gelände bis heute viel Z
Feiern unter zu Live-Musik alten Platanen: Auch um die Bäume sorgen sich die franz.K-Macher, die in das Gelände bis heute viel Zeit, Geld und Energie gesteckt haben. Foto: franz.K/Privat
Feiern unter zu Live-Musik alten Platanen: Auch um die Bäume sorgen sich die franz.K-Macher, die in das Gelände bis heute viel Zeit, Geld und Energie gesteckt haben.
Foto: franz.K/Privat

REUTLINGEN/REGION. Vor vier Jahren, Ende Juni 2021, ist der Echazhafen, erbaut für 350.000 Euro, auf dem Reutlinger Paketpostareal eröffnet worden. Die Idee des franz.K-Teams um die damaligen Vorstände Claudia Heldt und Andreas Roth, direkt hinter dem Kulturzentrum im Herzen der Stadt einen urbanen, multifunktionalen, spannenden Kulturort zu schaffen, wurde damit Realität. Mehr noch: eine Erfolgsgeschichte. Nun stellt sich die Frage: Ist das Open-Air-Gelände mit seinen vielfältigen Nutzungen, das zuletzt im Schnitt 15.000 Besucher pro Jahr anzog, und in das bis heute mit weiteren Investitionen rund 750.000 Euro geflossen sind, durch die Regionalstadtbahn Neckar-Alb (RSB) bedroht?

Dass die bislang bevorzugte Trasse über das Gelände verläuft, besorgt nicht nur die Macher vom franz.K, sondern auch Fans des dortigen Biergartens und großer Festivals sowie Konzerte. Zumal die Stadt Reutlingen die Bitte des franz.K von Anfang des Jahres, den Pachtvertrag für das Gelände um fünf Jahre zu verlängern, jüngst negativ beschieden hat. Statt der erhofften fünf bietet die Stadt eine Verlängerung um drei Jahre an, bestätigt die Pressestelle auf GEA-Anfrage.

Welchen Unterschied machen fünf Jahre?

Sarah Petrasch und Laura Haitz vom franz.K ist es wichtig, zweierlei zu betonen: Erstens, das gesamte Team sei für die Verkehrswende, da diese der Stadtgesellschaft und dem Klima zugute kommt. Damit stehe man der Regionalstadtbahn grundsätzlich positiv gegenüber. »Trotzdem würden wir uns wünschen, dass die Strecke nicht durch den Echazhafen führt.«

Zweitens, eine Vertragsverlängerung um drei Jahre wäre wegen der meist langfristigen Buchung von Bands und der geringen Strom-Anschlussleistung problematisch. Um Letzteres zu lösen, sei geplant, Solarpaneele an den Container-Außenwänden anzubringen, die das Freiluftgelände umgeben. Ist die Zukunft ungewiss, würde sich diese Investition aber nicht lohnen.

Die Gespräche laufen

Den Echazhafen zu bebauen, »wäre ein Verlust«, betont Sarah Petrasch. Das vielfältig genutzte und vorrangig vom franz.K mit Zuschüssen der Stadt, diverser Förderprogramme sowie Spenden und Krediten finanzierte Gelände sei »ein bedeutungsvoller Ort, der sehr viele Menschen anzieht«. Junge wie Alte, aus der Stadt ebenso wie von auswärts. »Das hat eine Strahlkraft und Effekte auf Hotellerie und Gastronomie. Nicht nur Stuttgarter beneiden uns darum«, sagt die Vertreterin des Leitungsduos. Die Lage inmitten der Stadt mit dem alten Platanenbestand sei alternativlos.

Steht der Echazhafen, eines der Erfolgsprojekte des franz.K, das weithin ausstrahlt, auf der Kippe?
Steht der Echazhafen, eines der Erfolgsprojekte des franz.K, das weithin ausstrahlt, auf der Kippe? Foto: franz.K/Privat
Steht der Echazhafen, eines der Erfolgsprojekte des franz.K, das weithin ausstrahlt, auf der Kippe?
Foto: franz.K/Privat

Der Grund der Stadt, sich im Moment nicht längerfristig zu binden, hat mit der RSB zu tun. Die Trassenentscheidung werde schließlich nicht vor Herbst gefällt, erklärt Pressesprecherin Cordula Walleit. Aber: Man bleibt im Gespräch. Diverse Vor-Ort-Termine stehen demnächst an. Das scheint sowohl dem franz.K als auch der Stadt wichtig. Der aktuelle Vertrag läuft schließlich erst zum Jahresende aus.

Umfahrung technisch möglich

Zumal laut Andrea Müller der Zweckverband Regional-Stadtbahn Neckar-Alb (RSBNA) die Aufgabe hat, »im Bereich des Echazhafens eine Trassierung zu finden, die allen Ansprüchen gerecht wird« - selbstverständlich auch jenen der Echazhafen-Macher.. Derzeit werde unter anderem fachlich geprüft, wie eine Führung um das Gelände herum konkret verlaufen kann. »Technisch möglich ist es, das können wir heute schon sagen«, teilt Pressesprecherin Müller auf GEA-Anfrage mit.

So könnte es ab 2033 aussehen, wenn eine Tram der Regionalstadtbahn durch Reutlingen fährt. Das finden auch die franz.K-Verantwo
So könnte es ab 2033 aussehen, wenn eine Tram der Regionalstadtbahn durch Reutlingen fährt. Die Interessensgemeinschaft will, dass sie auch durch die Pfullinger Innenstadt rollt. Foto: Zweckverband Regional-Stadtbahn Neckar-Alb
So könnte es ab 2033 aussehen, wenn eine Tram der Regionalstadtbahn durch Reutlingen fährt. Die Interessensgemeinschaft will, dass sie auch durch die Pfullinger Innenstadt rollt.
Foto: Zweckverband Regional-Stadtbahn Neckar-Alb

»Die von der Gomaringer Spange beziehungsweise aus Richtung Betzingen kommenden, am Westbahnhof vorbeiführenden neuen Stadtbahngleise müssen in allen Trassenvarianten zur Haltestelle,Hauptbahnhof' weitergeführt werden, um dort mit der Echaztalbahn und der Strecke in Richtung Metzingen – Bad Urach verknüpft zu werden.« Zur Wahl stünden dort zwei Möglichkeiten: Die Haltestelle »Hauptbahnhof« werde entweder im Bereich Unter den Linden oder auf dem Listplatz angelegt. Welche zum Zug kommt, hänge von der letztendlich gewählten Trassenführung ab.

Planer berücksichtigen Erhalt des Open-Air-Geländes

»Eine Haltestelle im Bereich Unter den Linden, dort wo sich heute die alte Bahnunterführung befindet, würde nicht nur die kürzesten Umsteigewege zu den DB-Bahnsteigen mit sich bringen, sondern auch dem Echazhafen in Zukunft die Chance auf einen optimalen Anschluss an den ÖPNV in alle Richtungen bieten«, erklärt die RSBNA-Sprecherin. »Gleichzeitig würde mit der Haltestelle eine neue, attraktive Fußgänger- und Radverkehrsachse entstehen, die die Nordstadt und das Gelände des Echazhafens mit der Altstadt verbindet.« Die endgültige Entscheidung über den Trassenverlauf treffen jedoch nicht die Planer. Dafür ist der Reutlinger Gemeinderat zuständig. Das heißt, dazu braucht es den politischen Willen, auch wenn die Lösung mit Erhalt des Kulturorts mehr Geld kosten sollte. Der Beschluss soll im Oktober anstehen.

Weitere aktuell geplante Eckdaten: Erste Tramtrain-Fahrzeuge für die Regionalstadtbahn sollen Ende 2027 angeliefert werden. Wann die erstmals fahren, ist offen. Klar ist nur, dass sie zunächst auf der Ermstalbahnstrecke zwischen Reutlingen, Metzingen und Bad Urach (S6) eingesetzt werden. Bezüglich der Echaztalbahn bleibt es bislang bei der geplanten Fertigstellung bis 2033, wobei die Strecke in Abschnitten gebaut und in Betrieb genommen werden soll, erklärt Müller. Dies gilt nicht zuletzt auch für die Gomaringer Spange. »Hier nutzen wir die Vorteile des «Straßenbahn»-Charakters der Strecke, der solche Teilinbetriebnahmen relativ unkompliziert möglich macht.« (GEA)